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02.01.2014

09:34 Uhr

Devisen im neuen Jahr

Wetten auf Lateinamerika

Fast alle lateinamerikanischen Währungen haben 2013 abgewertet. Investoren erwarten eine Fortsetzung dieses Trends und wollen an fallenden Wechselkursen verdienen. Dabei steht ein Land im Fokus der Spekulanten.

Geht Brasiliens Währung bald die Luft aus? dpa

Geht Brasiliens Währung bald die Luft aus?

DüsseldorfAusländische Investoren wetten darauf, dass die schwächste Entwicklung lateinamerikanischer Währungen seit 2008 sich auch im kommenden Jahr fortsetzen wird. Zum einen leiden die Devisen darunter, dass die Preise, die sich für exportierte Rohstoffe erlösen lassen, fallen, zum anderen locken steigende Anleiherenditen in den USA Anlagekapital weg.

Der Bloomberg JP Morgan Latin America Currency Index, der die sechs meistgehandelten Devisen der Region erfasst, ist in diesem Jahr um 9,6 Prozent gefallen. Am 27. Dezember lag er bei 94,5 und damit nur knapp ein Prozent über einem Vierjahres-Tief. Internationale Investoren erhöhten ihre Wetten auf einen anhaltenden Wertverlust des brasilianischen Real in der vergangenen Woche auf den Rekordwert von 21,7 Milliarden Dollar.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Die einzige Währung der Region, der nach einer Umfrage des Nachrichtendienstes Bloomberg unter Analysten im kommenden Jahr weitere Verluste erspart bleiben werden, ist der mexikanische Peso. Unter den meistgehandelten Währungen Lateinamerikas gab es keine einzige, die 2013 nicht abgewertet hätte. Erstmals seit fünf Jahren waren die Rohstoffpreise übers Jahr gesehen gefallen.

Gleichzeitig kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen angesichts des Vorstoßes der US-Notenbank zur Rücknahme des geldpolitischen Stimulierungsprogramms auf ein Zweijahreshoch. In Argentinien und Chile wird das Wirtschaftswachstum sich im kommenden Jahr nach Auffassung von Bloomberg befragter Analysten verlangsamen; in Brasilien wird die Erholung ins Stocken geraten.

„Es gibt einen Paradigmenwechsel steigende Zinsen und negatives Exportwachstum zu einer Zeit, in der der Rohstoffzyklus an seinem Ende angelangt ist”, sagte der Devisenstratege Gustavo Arteta von der Schweizer Großbank UBS. „Die Länder der Region müssen sich den geänderten Gegebenheiten stellen.”

Die Volkswirtschaften Lateinamerikas expandieren so langsam wie seit vier Jahren nicht mehr, denn der seit zehn Jahren herrschende Rohstoffboom lässt nach. Erstmals seit 2008 sind übers Jahr die Rohstoffpreise gesunken, und zwar um 0,7 Prozent, wie der Standard & Poor's GSCI Index zeigt. Im Mittel prognostizieren von Bloomberg befragte Analysten den Ländern der Region für 2014 ein Wachstum von 2,88 Prozent. Das ist zwar mehr als die 2,38 Prozent des Jahres 2013, aber immer noch deutlich weniger als die 6,4 Prozent, die das Jahr 2010 brachte.

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