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30.12.2013

08:38 Uhr

Devisen

Milliarden-Markt mit Wildwest-Regeln

Für viele Banken ist der Devisenmarkt das profitabelste Geschäft überhaupt – besonders empfindlich reagieren die Institute nun auf die weltweiten Ermittlungen wegen möglicher Manipulationen.

Der Devisenmarkt zittert: Bisher mussten sich die Akteure am Markt kaum vor den Aufsichtsbehörden fürchten. dpa

Der Devisenmarkt zittert: Bisher mussten sich die Akteure am Markt kaum vor den Aufsichtsbehörden fürchten.

ZürichWeltweit ermitteln die Aufsichtsbehörden wegen angeblicher Manipulationen am Devisenmarkt - und treffen die Banken damit an einer empfindlichen Stelle: In diesem Segment verdienen die Institute jedes Jahr Milliarden. Das hat nicht nur damit zu tun, dass es der größte Markt im Finanzsystem ist, es ist auch der am wenigsten regulierte. Das bietet den Geldhäusern viel Spielraum. „Für manch eine Bank ist es das profitabelste Geschäft überhaupt“, sagt der Chef einer Schweizer Bank.

Auf den ersten Blick erstaunt das, denn der Devisenhandel ist ein margenarmes Geschäft. Große Transaktionen etwa für Hedgefonds bringen Banken gerade mal vier bis neun Dollar pro gehandelter Million. Dass sich das Geschäft für die Institute trotzdem lohnt, hängt mit den riesigen Volumina zusammen. Laut einer Berechnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel werden in der Spitze täglich mehr als fünf Billionen Dollar gehandelt - fast das Doppelte der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Der Datenanalysefirma Coalition zufolge summierten sich allein die Devisenhandelseinnahmen der weltweit gut 200 Investmentbanken 2012 auf 29 Milliarden Dollar - über zehn Prozent der Gesamterträge dieser Banken. Und das ist noch nicht alles: In dieser Zahl sind nur die Geschäfte der Investmentbanken mit Großanlegern wie Hegdefonds sowie Großkonzernen enthalten. Die Geschäfte mit Retail-Banken und kleineren Firmen sind dagegen nicht mitgezählt. Ebenfalls nicht eingerechnet sind die Erträge anderer Geldhäuser, etwa der Privatbanken.

Offen sagen, wie viel sie im Devisenhandel verdienen, wollen die wenigsten Banken. Eine Ausnahme ist die Schweizer Privatbank Julius Bär, die 2012 auf 255 Millionen Franken kam - ein Viertel weniger als im Vorjahr. Der Marktführer Deutsche Bank erwirtschaftete konservativen Schätzungen von Experten zufolge rund 2,2 Milliarden Dollar, die UBS als Nummer vier 1,2 Milliarden Dollar. Deutlich zurück liegt Credit Suisse mit rund 600 Millionen Dollar.

Dabei liefen die Geschäfte auch schon mal besser. Während die Volumen im Gesamtmarkt stetig stiegen, sanken Coalition zufolge die Erträge der Investmentbanken vom Spitzenjahr 2008 um ein Drittel. Diese gegenläufige Entwicklung erklärt Coalition-Analysechef George Kuznetsov vor allem mit dem markanten Margenschwund. Investmentbanken verdienen im Devisenhandel am besten, wenn die Kurse stark schwanken. Das aber ist seit dem Lehman-Kollaps im Jahr 2008 weniger der Fall.

Zudem werde ein immer größerer Teil des Geschäfts über elektronische Plattformen statt über das Telefon abgewickelt. Mit der besseren Vergleichbarkeit der Kurse sinken die Margen der Händelshauser. Analysten sprechen inzwischen von einem richtigen Preiskrieg.

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