Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2012

14:35 Uhr

Devisen

Mögliche Lockerung der Geldpolitik schwächt Yen

Händler setzen darauf, dass die japanischen Währungshüter erneut zusätzliches Geld in die schwächelnde Wirtschaft pumpen. Zeitgleich kann der Euro zulegen. Das liegt vor allem an der Rede Mario Draghis im Bundestag.

Ein Fußgänger schaut auf eine Börsentafel in Tokio. dpa

Ein Fußgänger schaut auf eine Börsentafel in Tokio.

FrankfurtSpekulationen auf eine weitere Lockerung der japanischen Geldpolitik haben den Yen am Donnerstag ins Straucheln gebracht. Dollar und Euro legten gegenüber der Währung Japans deutlich zu. Die Zentralbank kommt am Dienstag zu ihrer nächsten Sitzung zusammen. Händlern zufolge setzten Investoren darauf, dass die Währungshüter zusätzliches Geld in die schwächelnde Wirtschaft Japans pumpen werden.

Erst vergangenen Monat hatten die Währungshüter ihre Geldpolitik abermals gelockert und ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren um umgerechnet rund 100 Milliarden Euro ausgeweitet. Die exportabhängige drittgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet unter der Rezession im Euro-Raum und der Flaute in den USA. Zusätzlich macht ihr der Inselstreit mit China zu schaffen, der in der Volksrepublik eine anti-japanische Stimmung schürt. Zuletzt waren die Ausfuhren Japans im September den vierten Monat in Folge zurückgegangen.

Im Vorfeld der Sitzung kletterte der Dollar auf 80,20 Yen, den höchsten Stand seit vier Monaten. Der Euro stieg um 0,7 Prozent auf 104,23 Yen.

Gegenüber dem Dollar konnte der Euro ebenfalls Kursgewinne verbuchen: Die Gemeinschaftswährung kletterte auf bis zu 1,3023 Dollar nach 1,2967 Dollar im New Yorker Vortagesgeschäft. Marktexperten zufolge half die Bundestags-Rede von EZB-Chef Mario Draghi dem Euro auf die Sprünge. Er hatte dort am Mittwoch vehement für die geplanten Staatsanleihenkäufe der EZB geworben. „EZB-Präsident Mario Draghis Sympathiekampagne im Deutschen Bundestag zeigte Wirkung“, schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. „Die Kritik der deutschen Volksvertreter hörte sich nach der Sitzung mit dem EZB-Chef schon wesentlich gedämpfter an als vorher.“

Die EZB will durch den Aufkauf von Staatsanleihen dazu beitragen, kriselnde Euro-Länder zu stabilisieren. Die Bundesbank, manche Ökonomen und Kritiker aus mehreren Fraktionen des Bundestages lehnen die Pläne ab. Sie befürchten, dass durch die potenziell unbegrenzten Anleihenkäufe mittelfristig die Inflation angeheizt wird und die EZB ihr Mandat überdehnt.

Die US-Notenbank Fed konnte nach der Sitzung ihres geldpolitischen Ausschusses am Mittwochabend nicht für frischen Wind am Devisenmarkt sorgen. Sie hielt wie erwartet an ihrem lockeren geldpolitischen Kurs fest. So kurz vor den US-Wahlen habe es weder den Anlass noch die Gelegenheit gegeben, irgendetwas am Kurs der Geldpolitik zu ändern, erklärten Marktexperten einmütig. Die Präsidentschaftswahlen in den USA finden am 6. November statt.

Am Rentenmarkt gingen die Renditen für zehnjährige spanische und italienische Papiere leicht zurück. Sie notierten bei 5,560 beziehungsweise 4,831 Prozent. Der Markt preise inzwischen ein, dass für Spanien Hilfen bereitstünden, sollte das Land tatsächlich ernsthafte Refinanzierungsprobleme bekommen, sagte ING-Stratege Padhraic Garvey. Bislang ist allerdings weiter unklar, ob und wann sich das südeuropäische Land unter den Euro-Schutzschirm ESM stellen wird. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte vorige Woche erklärt, noch sei nicht über den Antrag für ESM-Mittel entschieden worden. In EU-Kreisen wird dieser Schritt im November erwartet.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×