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24.01.2013

16:23 Uhr

Devisen

Schweizer Franken verliert an Vertrauen

In der Krise erlebte der Franken einen ungeahnten Höhenflug. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Schweizer Landeswährung ist ordentlich ins Rutschen geraten. Nun steht die Schweizer Nationalbank vor einer Herkulesaufgabe.

Die Schweizer Nationalflagge weht in Bern, Schweiz. dpa

Die Schweizer Nationalflagge weht in Bern, Schweiz.

FrankfurtAuf dem Höhepunkt der Euro-Krise wollte kaum jemand auf ihn verzichten, doch inzwischen hat sich das Blatt für den Franken gewendet. Die Schweizer Landeswährung ist ordentlich ins Rutschen geraten - der Euro notierte mit Kursen über 1,25 Franken in der vergangenen Woche so hoch wie seit Ende Mai 2011 nicht mehr. "An den Märkten ist der Optimismus zurückgekehrt und damit verlieren sichere Häfen wie der Franken an Beliebtheit", sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der HSH Nordbank.

Vor allem seit die Europäische Zentralbank (EZB) im Spätsommer unbegrenzte Anleihenkäufe von Krisenstaaten in Aussicht gestellt habe, stünden die Zeichen in Sachen Schuldenkrise auf Entspannung, erklärt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Er rechnet damit, dass die Anleger der Schweizer Valuta auch weiter den Rücken zukehren werden. "Der Euro sollte bis zum Jahresende auf 1,30 Franken steigen", prophezeit der Experte.

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Europa braucht eine schwache Währung - und die Europäische Zentralbank wird dafür sorgen. Im Interview erklärt Hans Redeker, Chefstratege bei Morgan Stanley, warum der Euro fast auf Parität zum Dollar fallen könnte.

Die Nationalbank (SNB) dürfte diese Entwicklung freuen: Schließlich besteht nun ein guter Puffer zum Mindestkurs von 1,20 Franken, den die Bank aus Angst vor einer zu starken Aufwertung des Franken im Herbst 2011 eingeführt hat. Um die heimische Wirtschaft zu schützen, mussten die Währungshüter Euro für mehrere 100 Milliarden Franken kaufen und saßen Ende des dritten Quartal auf Beständen von rund 174 Milliarden Euro.

Insgesamt sind die Devisenreserven Ende des Jahres bis auf 427 Milliarden Franken angewachsen - das entspricht rund 70 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung und schafft große Verlustrisiken, sollte der Euro doch noch einmal deutlich an Wert einbüßen.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

Der Ökonom

Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

Neutrales Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

Gutes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

Schlechtes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

Die spannende Frage ist laut Volkswirt de la Rubia nun, ob und wann die Schweizer Nationalbank beginnen wird, ihre Währungsreserven abzubauen. Bislang hat die SNB davon jedenfalls Abstand davon genommen, wie aus jüngsten geldpolitischen Daten hervorgeht. Und das aus gutem Grund, wie viele Experten finden.

Die Gefahr wäre groß, dass die SNB den Franken mit Euro-Verkäufen wider Willen stärken würde. "Ein zu rascher und zu früher Abbau der Devisenbestände birgt die Gefahr, dass der Markt dagegen hält", sagt Janwillem Acket, Chefvolkswirt bei Julius Bär. Das sieht auch UBS-Ökonom Caesar Lack so: Damit die SNB aktiv würde, müsste sich der Eurokurs zum Franken für längere Zeit und nachhaltig mindestens über dem Niveau von 1,30 Franken etabliert haben.

Stillhalten dürfte also das Motto der Zentralbank lauten - auch was eine mögliche Anhebung des Mindestkurses auf 1,25 Franken angeht. Zwar schmerzt der aktuelle Kurs weiterhin die Exportwirtschaft, doch insgesamt sprechen aus Sicht der Experten politische wie auch markttechnische Gründe gegen einen solchen Schritt. "Die Glaubwürdigkeit, die sie mit der erfolgreichen Verteidigung der Marke von 1,20 Franken erlangt hat, wird sie nicht so leichtsinnig wieder aufs Spiel setzen wollen", sagt Torsten Gellert von Handelshaus FXCM.

Acket von Julius Bär warnt, dass die Erhöhung der Grenze auf 1,25 Franken neue Attacken hervorrufen könnte. "Liegt die Mindestgrenze nahe am fairen Wert einer Währung, kann der Druck des Marktes sehr groß werden und dann können große Volumen zur Verteidigung nötig werden", ergänzt Lack von der UBS. Währungsexperten sehen den fairen Wert des Euro je nach Berechnungsweise zwischen 1,30 und 1,35 Franken.

Der Notenbank bleibt offenbar nichts anderes übrig, als auf eine Lösung der Euro-Schuldenkrise und eine Stabilisierung der Weltwirtschaft zu warten. Ob dies aber so schnell eintreten wird, sei - trotz des jüngsten Optimismus - fraglich, meint Gellert von FXCM. Allein die rezessiven Tendenzen in der Euro-Zone und der ungelöste Haushaltsstreit in den USA bergen viele Risiken und können den Markt Händlern zufolge jederzeit zurückwerfen. Die Rückbesinnung auf sichere Häfen wäre dann sicherlich nur eine Frage - und die derzeitige Franken-Schwäche schnell Geschichte.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

24.01.2013, 16:39 Uhr

"Nun steht die Schweizer Nationalbank vor einer Herkulesaufgabe."
Oh HB,wie kann man so einen Schmarrn titeln, um dann im Text zu schreiben, daß der faire Wert des Franken bei 1.30 bis 1.35 CHF/€ liegt und die SNB darauf wartet, ihre Eurobestände wieder abbauen zu können.
Fast hätte man Lust, eine Woche lang Chefredakteur des HB zu sein und den Haufen auf Vordermann zu bringen!

KenHansen

24.01.2013, 17:18 Uhr

Schimmerloser Quark! 1. Die SNB hat bereits letztes Jahr damit begonnen grosse EUR Bestaende wieder in den Markt zu geben und
2. Die Schweizer Wirtschaft hat in den letzten 12 Monaten nicht auf ihren Haenden gesessen und das hohe Kursniveau laengst eingepreist. Bitte Hausaufgaben machen und nicht schwaetzen!

Tiotom

24.01.2013, 18:00 Uhr

Ich dachte, dass HB wäre ein ernstzunehmendes Blatt. Und jetzt wird hier so ein Unsinn geschrieben....Hat Herr Steinbrück Euch das diktiert?

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