Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.09.2013

13:58 Uhr

Devisen

Schweizer Notenbank hält an Euro-Mindestkurs fest

Auch die Schweizer Notenbank weicht nicht vom lockeren Kurs ab. Der Zielzins bleibt bei null bis 0,25 Prozent. Wann sie ihren geldpolitischen Kurs ändert, hängt von Faktoren ab, die sie nicht beeinflussen kann.

Ebenso wie die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) halten die Schweizer Währungshüter an ihrem lockeren Kurs fest. dpa

Ebenso wie die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) halten die Schweizer Währungshüter an ihrem lockeren Kurs fest.

ZürichTrotz kräftigen Wirtschaftswachstums und zunehmend rosiger Konjunkturaussichten hält die Schweizer Notenbank an Zinsen nahe null und dem Euro-Mindestkurs fest. Ebenso wie die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) weichen die Schweizer Währungshüter noch nicht von dem nach der Finanz- und der Euro-Schuldenkrise eingeschlagenen lockeren Kurs ab. Angesichts der strukturellen Probleme in Europa und konjunkturell schwächelnder Schwellenländer sei eine neue Fluchtbewegung in den Franken nicht ausgeschlossen, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung erklärte.

Auch wenn der Euro mit derzeit rund 1,2350 Franken einen komfortablen Abstand zu der vor zwei Jahren eingeführten Untergrenze von 1,20 Franken aufweist, bleibe der Mindestkurs notwendig, erklärte die SNB. Die Kursgrenze werde, wenn nötig, mit Devisenkäufen in unbeschränkter Höhe durchgesetzt. Würde sich der Franken aufwerten, würden sich Schweizer Güter im Ausland verteuern und im Inland könnten Deflationsgefahren entstehen.

Das Zielband für ihren Leitzins Dreimonats-Libor beließ die SNB bei null bis 0,25 Prozent. Inflationsrisiken machten die Währungshüter nicht aus. Laut der SNB-Prognose dürften die Verbraucherpreise dieses Jahr um 0,2 Prozent sinken. 2014 dürfte das Preisniveau dann leicht um 0,3 Prozent steigen. Die Teuerung des Jahres 2015 schätzte die SNB auf 0,7 Prozent. Inflation beginnt für die SNB erst, wenn die Preise um zwei Prozent steigen.

Das Wirtschaftswachstum dürfte dieses Jahr etwas höher ausfallen als angenommen. Die SNB schraubte ihre Prognose auf 1,5 bis 2,0 Prozent nach oben. In Juni waren die Währungshüter noch von einem Wachstum zwischen 1,0 und 1,5 Prozent ausgegangen. Im zweiten Halbjahr dürften sich die Exporte beleben, so die SNB.

Sorgen macht den Währungshütern weiterhin der durch tiefe Zinsen befeuerte Immobilienmarkt. Zwar habe sich der Preisanstieg im zweiten Quartal in einigen Teilen des Marktes abgeschwächt und die Hypothekenkredite seien nicht mehr so stark gewachsen wie ein Jahr zuvor. Die Gefahr bleibe aber bestehen, dass die Ungleichgewichte weiter zunehmen. Schließlich wachse das Hypothekenvolumen immer noch schneller als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). „Die Nationalbank verfolgt die Situation weiterhin aufmerksam“. Die Zinsen erhöhen, um den Boom zu dämpfen, kann die SNB nicht. Sie würde dann eine Franken-Aufwertung auslösen. Sie behilft sich mit einem sogenannten antizyklischen Puffer. Das heißt, dass Banken ab Ende September Wohnbau-Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Das soll die Kreditvergabe bremsen.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Wann die SNB ihren geldpolitischen Kurs ändert, hängt nach Ansicht von Experten weitgehend von Faktoren ab, die sie nicht beeinflussen kann. „Die Zukunft der Geldpolitik in der Schweiz hängt sehr stark von der Zukunft der Geldpolitik in der Euro-Zone ab und ein bisschen weniger stark von der Geldpolitik in den USA“, erklärte der Credit Suisse-Volkswirt Maxime Botteron. Solange die EZB und die Fed bei ihrer expansiven Politik bleiben, sei es ziemlich unwahrscheinlich, dass die SNB den Euro-Mindestkurs abschaffe. „Wenn die Fed vorsichtig bleibt, wird die SNB noch vorsichtiger bleiben,“ sagte der UBS-Experte Reto Huenerwadel. Noch weiter geht der Zinsexperte Daniel Hartmann vom Anleihen-Manager Bantleon: „Die US-Notenbank setzt die anderen Zentralbanken unter Druck, die Nullzins-Politik fortzuführen“, erklärte er.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RDA

24.09.2013, 08:50 Uhr

An alle AfD-Wähler: Schauen Sie sich mal die Bilanz der SNB an, insbesondere wieviele Euros dort auf der Aktivseite stehen. Und dann schreiben Sie Herrn Lucke einen Brief, in dem er klar darlegen soll, warum eine Bundesbank mit neo-DM nicht auch so enden würde: Heutzutage hat sie TargetII-Forderungen gegen die Eurozone, zukünftig hätte sie dann die Wahl zwischen dem Ankauf von Euro-Staatsanleihen oder aber einer stetigen Aufwertung der D-Mark bis hin zum völligen Zusammenbruch des Export.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×