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15.08.2016

19:14 Uhr

Devisen

So heftig wettete einst nur Soros gegen das Pfund

Es ist die größte Wette gegen das Pfund seit 1992: Hedgefonds und andere Profiinvestoren haben in der vergangenen Woche netto 90.000 neue Wetten auf einen sinkenden Pfundkurs abgeschlossen.

Seit dem Brexit-Votum der Briten am 23. Juni spielen in London die Devisenmärkte verrückt. Reuters

Handelssaal eines Londoner Brokers

Seit dem Brexit-Votum der Briten am 23. Juni spielen in London die Devisenmärkte verrückt.

Das britische Pfund fällt seit dem Brexit-Votum der Briten so tief wie seit 30 Jahren nicht mehr. Heute sackte sein Wert zeitweise auf 1,2880 US-Dollar ab. Es ist der niedrigste Kurs seit dem 11. Juli und er liegt nahe am Jahrestief vom 6. Juli, das bei 1,2798 Dollar lag. Das Brexit-Votum hatte am 23. Juni dieses Jahres stattgefunden. Seither hat das Pfund unter den 31 gängigsten Währungen mit einem Minus von 13 Prozent den höchsten Rückgang erlebt.

Im Vorfeld einiger kritischer Wirtschaftsdaten haben Hedgefonds offenbar massiv gegen die britische Währung gewettet. Nach Angaben der Commodity Futures Commission in Washington wurden an den Devisenmärkten in der Woche bis zum 9. August 90.000 neue Kontrakte abgeschlossen, die auf eine weitere Abwertung des Pfunds setzen. Die US-Behörde reguliert die Futures- und Optionsmärkte in den USA.

„Das Pfund hat einige wichtige Barrieren durchbrochen“, sagt Marktanalyst Angus Nicholson von IG in Melbourne. „Sollte es weitere technische Anzeichen für eine Rezession in Großbritannien geben, kann die Bank of England wohl nicht anders, als weiterhin ihre geldpolitischen Zügel zu lockern.“ Die IG-Gruppe ist weltweit führender Anbieter für Differenzkontrakte.

Soros und die Pfundkrise

George Soros

Der US-amerikanische Investor ungarischer Herkunft wurde berühmt, als er 1992 im großen Stil gegen das britische Pfund wettete. Er gründete 1968 seinen ersten Hedgefonds, später dann das Unternehmen Quantum Funds. Sitz waren etwa die Niederländischen Antillen und die Jungfern-Inseln. So entzog er sich der US-amerikanischen Kontrolle. Seinen ersten größeren Spekulationsgewinn, 2,2 Millionen US-Dollar, erzielte er 1988 mit dem Kauf und Verkauf von Aktienpaketen der Société Générale, geriet aber in ein Verfahren wegen Insiderhandels und musste eine hohe Strafe bezahlen. Heute wird sein Vermögen auf knapp 25 Milliarden Dollar geschätzt.

Schwarzer Mittwoch 1992

Tief ins kollektive Gedächtnis der Briten hat sich der „schwarze Mittwoch“ eingebrannt. 1990 hatte Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher das Pfund ins Europäischen Währungssystem (EWS) geführt. Zum ersten Mal war das Sterling somit an feste Wechselkurse in Europa gebunden. Doch der durch das EWS festgezurrte Kurs für das Pfund war zu ehrgeizig; er widersprach den ökonomischen Machtverhältnissen. Das erkannten viele, doch ein Mann handelte und startete einen Frontalangriff auf das Pfund.

Der Investor George Soros ging eine waghalsige Wette auf den Absturz der britischen Währung ein. Er verkaufte Devisen, die ihm gar nicht gehörten, um von Abwertungen des Pfundes zu profitieren. Soros lieh sich Pfund im Gegenwert von zehn Milliarden Dollar und tauschte sie gegen andere Währungen wie D-Mark oder französische Franc. Das Pfund geriet unter massiven Druck. So weit, dass Premier John Major und die Notenbank am Mittwoch, dem 16. September 1992, kapitulierten, das Pfund aus dem EWS herausnehmen und frei „floaten“ lassen mussten. Seither gilt Soros als „der einzige Mann, der die Bank von England knackte“.

Anlass für die Spekulationswelle an den Terminmärkten sind mehrere ökonomische Daten, die für diese Woche erwartet werden. Wirtschafsexperten erwarten eine weiter ansteigende Arbeitslosigkeit bei stagnierenden Konsumzahlen. Bereits im Juli hatte sich dieser Trend abgezeichnet.

Nach dem Brexit-Votum setzte eine Entscheidung der britischen Zentralbank das Pfund weiter unter Druck. Sie senkte am 4. August die Zinsen und lockerte die geldpolitischen Zügel weiter. Unmittelbar darauf gab das Pfund drei Prozent gegenüber dem Dollar nach.

„Eine weitere Lockerung der Geldpolitik wird das Pfund weiter schwächen“, ist auch Devisenstratege Elias Hadda von der Commonwealth Bank of Australia in Sydney überzeugt. Das Pfund war nur in der Pfund-Krise im September 1992 heftiger abgesackt. Damals hatte der berühmte Investor George Soros gegen die britische Währung spekuliert. Sie verlor damals binnen drei Wochen 15 Prozent zum US-Dollar.

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