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26.01.2017

11:33 Uhr

Devisen

„Trump sollte sich auf seine Notenbank verlassen“

VonMatthias Streit

Nach den jüngsten Beschwerden aus den USA über ihren starken Dollar nimmt die Furcht vor einem Währungskrieg zu. Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank erklärt, warum dabei gerade Amerika die schlechtesten Karten hätte.

Der US-Präsident Donald Trump wirft China Währungsmanipulation vor. Währungsexperten meinen: Stimmt nicht. AFP; Files; Francois Guillot

Dollar im chinesischen Würgegriff?

Der US-Präsident Donald Trump wirft China Währungsmanipulation vor. Währungsexperten meinen: Stimmt nicht.

FrankfurtSeit 2008 leitet Ulrich Leuchtmann die Devisen-Analyse bei der Commerzbank. Als das Handelsblatt ihn erreicht, kommt er gerade von einem Asienaufenthalt zurück. Die Rhetorik, mit der der neue amerikanische Präsident gegenüber China und seiner Währung aufwartet, bereitet Leuchtmann Sorgen.

Herr Leuchtmann, Sie haben jüngst gesagt, die Furcht vor einem Währungskrieg sei derzeit gerechtfertigter denn je. Warum?
Weil der neue US-Präsident Trump und sein Finanzminister Mnuchin mit ihren Kommentaren zum Dollar schon verbal am Währungsmarkt eingreifen. Offenbar sind sie bereit, mit den Vereinbarungen der G7-Staaten aus dem Jahr 2013 brechen. Damals hatten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der Industriestaaten geeinigt, nicht am Devisenmarkt einzugreifen.

Trump hat sich über den starken Dollar beschwert. Mnuchin hält eine starke US-Währung zumindest kurzfristig für wirtschaftsschädlich.
Offiziell wollen sie zwar langfristig am starken Dollar festhalten. Kurz- bis mittelfristig klingt es aber danach, als ob sie schon Einfluss auf die Währung nehmen wollen. Noch viel interessanter ist eigentlich, was Mnuchin nicht gesagt hat: Früher hatten amerikanische Finanzminister immer betont, dass sie die Wechselkursbewegungen den Märkten überlassen.

Seit 2008 leitet er die Devisenanalyse bei der Commerzbank. PR

Ulrich Leuchtmann

Seit 2008 leitet er die Devisenanalyse bei der Commerzbank.

Wie könnte so ein Abwertungswettlauf aussehen?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Einerseits könnten die Länder direkt eingreifen, indem etwa die Notenbanken große Mengen ihrer eigenen Währung verkaufen. Auch indirekt wäre das möglich, über eine lockere Geldpolitik. Die hat typischerweise auch eine Wirkung auf den Wechselkurs.

Und Sie glauben, dass weitere Eingriffe anstehen?
Zumindest die verbalen Interventionen haben wir ja jetzt gehört. Tatsächliche Interventionen wären aber noch eine deutlich drastischere Maßnahme.

Was wäre denn theoretisch der nächste Schritt?
Den Dollar würde es schon schwächen, wenn die Notenbank Fed ihre Politik der graduellen Zinsanhebung aufgeben würde.

Angesichts der steigenden Zinsen in den USA scheint das doch eher unwahrscheinlich.
Die Notenbank Fed hat mit ihrer Absicht, die Zinsen weiter zu steigern, eigentlich genau den gegenteiligen Kurs eingeschlagen. Das sollte den Dollar stärken. Die Geldpolitik und die aktuellen Aussagen Trumps widersprechen sich. Bei einem Währungskrieg würde es ohne Zweifel nur Verlierer geben. Die USA hätten derzeit aber ganz sicher die schlechtesten Karten.

Wann hat zuletzt eine vergleichbare Situation gegeben?
Dass sich die großen Industriestaaten der Welt einen Abwertungswettlauf geliefert haben, gab es in diesem Sinne eigentlich nur in den 1930er-Jahren. Damals haben sich die USA, Frankreich oder Großbritannien mit der Schwächung ihrer Währungen unterboten. Etwas Vergleichbares hat es seitdem nicht mehr gegeben.

Größte Banken im Devisenhandel (2016)

Platz 10

Morgan Stanley

2016: Rang 10

2015: Rang 13

Quelle: Euromoney, Mai 2016

Platz 9

XTX Markets

2016: Rang 9

2015: nicht im Ranking vertreten

Platz 8

HSBC

2016: Rang 8

2015: Rang 7

Platz 7

Goldman Sachs

2016: Rang 7

2015: Rang 9

Platz 6

Barclays

2016: Rang 6

2015: Rang 3

Platz 5

Bank of America Merrill Lynch

2016: Rang 5

2015: Rang 6

Platz 4

Deutsche Bank

2016: Rang 4

2015: Rang 2

Platz 2

JP Morgan

2016: Rang 3

2015: Rang 4

Platz 3

UBS

2016: Rang 2

2015: Rang 5

Platz 1

Citigroup

2016: Rang 1

2015: Rang 1

Donald Trump hat China mehrfach vorgeworfen, seine Währung zu manipulieren. Was ist da dran?
Rein gar nichts. China schwächt seine Währung, den Yuan, nicht, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen, was tatsächlich eine Manipulation wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Der Yuan befindet sich nicht zuletzt auch aufgrund der Umstellung der chinesischen Wirtschaft in einem nachvollziehbaren Abwertungszyklus. Die Zentralbank stemmt sich sogar dagegen. Seit Mitte 2014 hat sie mehr als ein Viertel ihrer Währungsreserven eingebüßt und müht sich derzeit außerdem, die Kapitalabflüsse einzuschränken.

Wie viel müsste der Dollar denn abwerten, damit die USA es mit Chinas Industrie aufnehmen könnten?
Wie massiv der Dollar in so einem Falle abwerten müsste, ist gar nicht vorstellbar.

Weiß Donald Trump überhaupt, was er da tut?
Natürlich schadet es der amerikanischen Wirtschaft, wenn der Dollar zu schnell aufwertet. Aber die Fed hat das schon im Blick. Donald Trump sollte sich besser auf seine Notenbank verlassen. Die weiß schon, was sie tut.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.01.2017, 11:20 Uhr

"Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter MH"

Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
Danke

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