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10.07.2015

13:48 Uhr

Devisen

Tsipras Reformpaket lässt Euro erstarken

Die fristgerecht eingereichten Athener Reformvorschläge werden von den Institutionen untersucht. Der Tenor klingt zunächst überwiegend positiv. Der Euro legt bis zu anderthalb Prozent zu. Am Nachmittag spricht Yellen.

Eine mögliche Einigung lässt den Euro steigen. AFP

Euro-Graffito in Athen

Eine mögliche Einigung lässt den Euro steigen.

Beflügelt von der Hoffnung auf eine Einigung Griechenlands mit seinen Gläubigern hat der Euro am Freitag stark zugelegt. Schon zum europäischen Handelsauftakt hatte es ordentliche Aufschläge gegeben. Am Nachmittag kletterte die Gemeinschaftswährung um bis zu 1,5 Prozent auf 1,1195 Dollar, nachdem die Athener Regierung fristgerecht neue Reformvorschläge vorgelegt hat.

Als sich im Laufe des Vormittags die optimistischen Statements von Staats- und Regierungschefs der Eurozone, darunter Francois Hollande, Matteo Renzi und der Ire Enda Kenny häuften, werte der Euro weiter auf. Auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem weckte die Hoffnung auf eine mögliche Einigung mit Griechenland. Am Samstag könnten die Euro-Finanzminister eine „große Entscheidung“ treffen. Die jüngsten griechischen Vorschläge bezeichnet Dijsselbloem als „sorgfältig“. Die Institutionen wollen die Vorschläge aus Athen noch am heutigen Freitag geprüft haben.

Ebenfalls positiv für die Stimmung war die anhaltende Kurserholung am chinesischen Aktienmarkt. Nach etlichen Stützungsversuchen der Regierung ging es für den Schanghaier Index mit mehr als fünf Prozent den zweiten Tag in Folge nach oben. Die Anleger blieben jedoch auf der Hut. „Die Kurse sind wegen der drastischen Maßnahmen der Regierung oben, deswegen geht der Markt noch nicht voll auf Risiko“, sagte Devisenstratege Shinichiro Kadota von Barclays in Tokio.
Auch ein Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ist noch keineswegs eine ausgemachte Sache. Die Vorschläge werden zunächst von den internationalen Gläubigern bewertet. Am Samstag soll die Eurogruppe über die Vorschläge beraten. „Die Lage in Griechenland bleibt prekär und die Banken mindestens bis Montag geschlossen“, kommentiert die Helaba.

Der Werkzeugkasten der EZB

Oberstes Ziel: Preisstabilität

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll die Preisstabilität im Euroraum wahren. Sie soll auch die Wirtschaftspolitik unterstützen, wenn das Ziel stabiler Preise nicht beeinträchtigt wird. Ein Blick in den Werkzeugkasten der Notenbank:

Strafzinsen

Parken Banken Geld bei der EZB, müssen sie dafür inzwischen Zinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Weniger Zinsentscheidungen

Seit diesem Jahr werden geldpolitische Entscheidungen nicht mehr alle vier Wochen, sondern nur noch alle sechs Wochen verkündet. Die EZB will Erwartungen an den Finanzmärkten eindämmen und ihren Maßnahmen mehr Zeit zur Entfaltung geben.

Staatsanleihen-Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euroländer bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen.

Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen keine Anleihe.

Seit März 2015 erwirbt die EZB im Rahmen eines erweiterten Kaufprogramms („Public Sector Purchase Programme“/PSPP) in großem Stil Staatsanleihen. Monatlich sollen so 60 Milliarden Euro billiges Zentralbankgeld in Umlauf gebracht werden - bis September 2016.

Am Devisenmarkt wird am Nachmittag mit Spannung eine Rede der US-Notenbankchefin Janet Yellen erwartet. Die oberste Notenbankerin der Vereinigten Staaten wird sich gegen 17.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, also kurz nach Frankfurter Handelsschluss, zur US-Konjunktur äußern. Mit der Hoffnung auf weitere Hinweise nach den wenig aufschlussreichen Notenbank-Protokollen vom Mittwoch spitzen die Börsianer ihrer Ohren mit Blick auf den Zeitpunkt der Zinswende.


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