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22.03.2016

13:02 Uhr

Devisen und Anschläge

Britische Währung gerät weiter unter Druck

Die Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der EU versuchen, die Explosionen in Brüssel für ihre Sache zu nutzen. Spekulationen über einen Erfolg der EU-Gegner haben auch Auswirkungen auf den Pfund-Kurs.

Die Währung des Vereinigten Königreiches leidet unter Spekulationen über einen Austritt aus der EU. dpa

Banknoten des Britischen Pfunds

Die Währung des Vereinigten Königreiches leidet unter Spekulationen über einen Austritt aus der EU.

DüsseldorfNach den Explosionen in Brüssel, bei denen es mehrere Tote und Verletzte gegeben hat, mehren sich die Spekulationen über einen Brexit, wie der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) genannt wird. Dies wirkt sich auch auf die Devisenmärkte aus. Das britische Pfund hat am Dienstag gegenüber dem Euro 0,8 Prozent verloren – ein im Währungshandel hoher Wert. Es verbilligte sich um einen Cent auf 1,2680 Euro. Häufig schwanken Wechselkurse nur im Bereich der dritten oder vierten Nachkommastelle.

Das Pfund verzeichnet damit gemäß Daten von Bloomberg unter 17 bedeutenden Währungen die größten Verluste. Das zeigt, wie sehr die britische Landeswährung in den Monaten vor der Abstimmung der Briten über den Verbleib in der EU zum Spielball politischer Stimmungen wird.

Den Schwankungen vorausgegangen waren Brexit-Debatten unter anderem in sozialen Netzwerken. So versuchen Austrittsbefürworter, die Ereignisse in Brüssel als Argument für ihre Sache zu nutzen. Mike Hookem, ein Europaabgeordneter der United Kingdom Independence Party (UKIP), erklärte etwa in einer Pressemitteilung, dass die im Schengen-Raum abgeschafften Grenzkontrollen eine Sicherheitsgefahr darstellten. Auch die walisische Autorin Allison Pearson zweifelte daran, „sicher in der EU zu sein“. Großbritannien selbst hat das Schengener Abkommen allerdings nicht unterzeichnet und gehört folglich zu den EU-Staaten mit eigenen Visa-Bestimmung.

Allison Pearsons Tweet hat auch Nigel Farage, Parteivorsitzender der UKIP, weiterverbreitet. Premierminister David Cameron hingegen bot Belgien seine volle Unterstützung an, und erklärte, dass Großbritannien in der EU sicher sei.

Die damit verbundene Unsicherheit über einen Verbleib des Königreiches in der EU wirkt sich auf die Währung aus. „Das Pfund Sterling bleibt heute hinter den Erwartungen zurück“, sagt Valentin Marinov, Leiter Währungsstrategie bei der Credit Agricole in London. „Ich glaube, das hängt mit einer Reihe Faktoren zusammen. Einer ist die Sorge, dass die tragischen Ereignisse in Brüssel den Austrittsbefürwortern helfen könnte.“

Gegenüber der US-Währung fiel die britische Landeswährung am Montag sogar um 1,1 Prozent auf 1,4237 Dollar. Zum Vergleich: Der Euro gab zuletzt um 0,3 Prozent nach und kostete 1,1203 US-Dollar. „Jedes Ereignis wie Terror-Anschläge, die manchen Menschen Argumente gegen Migranten liefern könnten, könnten das Brexit-Risiko erhöhen“, kommentiert Athanasios Vamvakidis, Leiter der Währungsabteilung der Bank of America Merrill Lynch in London. Die belgische Staatsanwaltschaft geht bei den Explosionen von terroristischen Anschlägen aus.

Seit Jahresanfang litt die britische Währung bereits unter den Spekulationen über einen EU-Austritt Großbritanniens: Zum Euro gab sie seit 1. Januar um 6,5 Prozent nach. Gegenüber dem US-Dollar verlor das Pfund Sterling mehr als drei Prozent. Der Euro hingegen konnte gegenüber der US-Währung um mehr als drei Prozent zulegen.

Ein Brexit könnte nicht nur die britische Währung weiter unter Druck setzen. Moody's hat für diesen Fall jüngst Unternehmen gewarnt, dass sich damit für sie das Risiko einer Ratingabwertung erhöht. „Ein Ereignis wie jenes in Brüssel erhöht das Risiko eines Austritts“, sagt Mujtabe Rahmen, Direktor Europäische Analysen bei der Eurasia Group in London. „In London und anderswo in Großbritannien gibt es bereits die Auffassung, dass die Europäer bei der Sicherheit und Terrorbekämpfung scheitern.“ Dass einige Brexit-Befürworter die Explosionen nun für ihre Sache nutzen, dürfte diese Wahrnehmung weiter steigern.

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