Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2013

18:01 Uhr

Devisen

US-Haushaltsstreit belastet Dollar

Können sich Demokraten und Republikaner im US-Haushaltsstreit nicht bis Dienstag einigen, droht droht dem Dollar ein Vertrauensverlust. Der Euro hingegen profitiert von den Querelen. Auch Italien sorgt für Bewegung.

Ein US-Dollar Geldschein liegt in einem Wasserglas das auf einer USA-Fahne steht. Der US-Dollar leidet zunehmend unter den Haushaltsquerelen in den USA dpa

Ein US-Dollar Geldschein liegt in einem Wasserglas das auf einer USA-Fahne steht. Der US-Dollar leidet zunehmend unter den Haushaltsquerelen in den USA

Frankfurt/MainDer Eurokurs hat am Freitag von dem US-Haushaltsstreit profitiert. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg bis zum späten Nachmittag auf 1,3550 US-Dollar, nachdem sie im Vormittagshandel noch unter der Marke von 1,35 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3537 (Donnerstag: 1,3499) Dollar festgesetzt.

„Der US-Dollar leidet zunehmend unter den Haushaltsquerelen in den USA“, sagte Stephan Rieke, Devisenexperte von der BHF-Bank. Wenn es im Etatstreit nicht doch noch eine Lösung in letzter Minute gibt, geht der Regierung der größten Volkswirtschaft der Welt am Dienstag (1. Oktober) das Geld aus. Bisher zeichnet sich noch keine Einigung zwischen Präsident Barack Obama und den Republikanern ab. „Dieser näher rückende Termin verunsichert zunehmend auch den US-Finanzmarkt“, sagte Rieke. So sind am Freitag auch die US-Aktienmärkte unter Druck geraten.

In Italien setzt sich das politische Kräftemessen in der Regierungskoalition fort. Ein Scheitern der Regierung ist wegen des Streits um die politische Zukunft von Ex-Premierminister Silvio Berlusconi und die Mehrwertsteuererhöhung möglich. „Die Regierungskrise in Italien sorgt bisher jedoch nur vorübergehend für Bewegung am Devisenmarkt, ohne den Euro nachhaltig unter Druck zu bringen“, sagte Rieke. So war der Euro im Vormittagshandel nach einer mit Enttäuschung aufgenommen italienischen Anleiheauktion nur kurzzeitig unter Druck geraten.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84000 (0,84180) britische Pfund, 133,28 (133,41) japanische Yen und 1,2248 (1,2288) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1341,00 (1333,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30 980,00 (31 230,00) Euro.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×