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13.12.2013

10:08 Uhr

Devisen

Warum der Franken trotz Krisen-Ende glänzt

Einst galt der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Nun ist die Krise fast vorbei – doch niemand will den Hafen verlassen. Das bringt Probleme für die Schweizer: Die starke Währung könnte Jobs kosten.

Eine Euro-Münze und ein Schweizer Franken liegen nebeneinander. Trotz des wieder erstarkenden Euros, wollen die Anleger den Schweizer Franken nicht ersetzen. dpa

Eine Euro-Münze und ein Schweizer Franken liegen nebeneinander. Trotz des wieder erstarkenden Euros, wollen die Anleger den Schweizer Franken nicht ersetzen.

BaselDer Franken, typischerweise ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, überrascht in diesen Tagen Strategen. Die Schweizer Landeswährung ist gefragt wie schon lange nicht, Obwohl sich der Wirtschaftsausblick in vielen Teilen der Welt aufhellt. Bis zum Mittwoch kletterte der Franken gegenüber dem US- Dollar auf das höchste Niveau seit November 2011. Und gegenüber dem Euro war er so stark wie seit Mai nicht mehr. Der Zugewinn von 7,2 Prozent gegenüber einem Korb von neun Währungen aus Industrieländern zwischen Jahresbeginn und Mittwoch wird nur übertroffen vom 8,7-Prozent-Plus des Euro, wie die Bloomberg Correlation-Weighted Indexes zeigen.

Anstatt aus dem Franken zu fliehen, während die Eurozonen-Schuldenkrise abebbt, fühlen sich viele Händler von der Währung angezogen. Einer der Gründe: Trotz der Stärke des Franken wird das Wachstum der Schweizer Wirtschaft offenbar nicht belastet. Im vergangenen Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent zu, während es in der Eurozone gleichzeitig nur um 0,1 Prozent nach oben ging. Vor einem Jahr hatten die Strategen von BNP Paribas SA für den Franken im Jahr 2013 noch ein Minus von 8 Prozent prognostiziert. Und die Kollegen der britischen Barclays Plc rechneten mit einem Rückzug der Devise von 4 Prozent.

Ratings der größten Volkswirtschaften der Welt

USA

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA

Ausblick: Negativ

China

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Japan

S&P Rating: AA-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Negativ

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Vereinigtes Königreich

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Brasilien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Russland

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Indien

S&P Rating: BBB-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Kanada

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Australien

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Schweiz

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

„Wir haben unsere Prognose für den Franken gegenüber dem Euro angehoben“, sagte Währungsstratege Tom Levinson von ING Groep NV in London in einem Interview mit Bloomberg News. „Die Schweizer Inflation gewinnt an Fahrt. Es wird erwartet, dass sie sich weiter nach oben bewegt. Das Bruttoinlandsprodukt schlägt sich auch relativ gut.“

ING rechnet nun damit, dass der Franken auf 1,20 je Euro in der ersten Hälfte 2014 steigen wird. Zuvor lag die Erwartung bei nur 1,25. Im Median gehen mehr 40 Analysten, die von Bloomberg News befragt wurden davon aus, dass der Franken bis zur Mitte des kommenden Jahres auf 1,25 je Euro fällt. Am Freitag notierte die Schweizer Währung bei 1,2231 je Euro. Die Stärke des Schweizer Franken bleibt eine Sorge für die Währungshüter des Landes. Sie könnte die Exporte belasten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beließ am Donnerstag daher den Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent sowie den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro unverändert.

Der Franken ist „nach wie vor hoch bewertet“, sagte SNB- Präsident Thomas Jordan am Donnerstag. Die SNB änderte zudem nichts an ihre Wachstumsprognose für 2013 - sie erwartet einen Anstieg des BIP von 1,5 Prozent bis 2 Prozent. Für 2014 rechnet sie mit einem BIP-Plus von etwa 2 Prozent. „Aufgrund der verletzlichen Konjunkturlage im Ausland dominieren für die Schweiz aber immer noch die Abwärtsrisiken“, sagte Jordan.

Die Verbraucherpreise in der Schweiz waren im November um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Es war der erste Anstieg seit September 2011. Günstige Hypotheken führen zu Preisauftrieb am Schweizer Immobilienmarkt. Seit 2008 sind die ausstehenden Hypotheken von Schweizer Privathaushalten um 25 Prozent gestiegen und die Wohnungspreise um 27 Prozent. Der UBS Swiss Real Estate Bubble Index befindet sich auf dem höchsten Stand seit 1991. Solche Entwicklungen sorgen für Spekulationen, dass die Schweizer Währungshüter in den kommenden Jahren die Zinsen anheben müssen. Das treibt den Franken auf Kosten des Euro. Dazu tragen auch Erwartungen bei, die EZB könnte weitere konjunkturfördernde Maßnahmen beschließen - was die Gemeinschaftswährung schwächen würde.

„Die Schweiz schlägt sich relativ gut im Vergleich zu den europäischen Partnern“, sagte Ian Stannard, Chef für Europa- Devisen-Strategien bei Morgan Stanley in London. „Während es in der Eurozone Desinflations-Druck gibt, haben sich die Schweizer Inflationsdaten ins Positive gewendet.“

Kommentare (3)

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Postscriptum_B

13.12.2013, 10:42 Uhr

Wieso fast vorbei, die Krise ist komplett vorbei:))

Onestepbeyond

13.12.2013, 10:46 Uhr

Könnten wir das bitte für die Nachwelt festhalten?

"Trotz der Stärke des Franken wird das Wachstum der Schweizer Wirtschaft offenbar nicht belastet."

Ab hier will ich bitte nie wieder Geschwurbel dazu hören, welches Armageddon auf uns warten würde, wenn wir nicht diese alternativlose Weichwährung hätten, von der Deutschland selbstverständlich am meisten profitiert habe!!

Account gelöscht!

13.12.2013, 11:19 Uhr

"Krisen-Ende"

oh, warum hat mir das keiner gesagt?

Das ist prima, dann kann uns nichts mehr passieren.

Der Euro ist ab jetzt wieder sicher :)

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