Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2013

18:02 Uhr

Devisenbericht

Euro klettert über Marke von 1,31 Dollar

Trotz schwacher Konjunkturdaten konnte die Gemeinschaftswährung am Dienstag weiter zulegen. Der Euro kletterte über die Marke von 1,31 US-Dollar. Unterstützung kam auch von den Anleihemärkten.

Für die Gemeinschaftswährung geht es vor Konjunkturdaten bergauf. dpa

Für die Gemeinschaftswährung geht es vor Konjunkturdaten bergauf.

FrankfurtDer Euro hat am Dienstag trotz schwacher Konjunkturdaten gewonnen. Die Gemeinschaftswährung kletterte über die Marke von 1,31 US-Dollar und erreichte den höchsten Stand seit Ende Februar. Der Euro legte zuletzt 0,8 Prozent auf 1,3134 Dollar zu. Im vorläufigen Tageshoch war der Euro auf bis zu 1,3151 Dollar gestiegen und im bisherigen Tief auf bis zu 1,3028 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3129 (Montag: 1,3081) Dollar fest.

Unterstützung erhielt der Euro von den Anleihemärkten. Spanien und Italien konnten sich beim Verkauf von Staatspapieren über gestiegenes Vertrauen von Investoren freuen. Zudem wurde der Dollar durch Aussagen des US-Topnotenbanker William C. Dudley geschwächt. „Ich sehe das derzeitige Tempo der Anleihekäufe als angemessen an“, sagte Dudley und dämpfte so die zuletzt gestiegenen Erwartungen eines frühzeitigen Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Ein unerwartet deutlich ausgefallener Rückgang der vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW ermittelten Konjunkturerwartungen deutscher Finanzprofis konnte den Kursauftrieb beim Euro nicht bremsen. Allerdings hält sich der Index trotz der schwachen Daten im April auf dem drittbesten Stand der letzten 24 Monate. „Im Grundsatz bleiben die Finanzmarktexperten positiv gestimmt“, sagte ZEW-Chef Clemens Fuest.

Der Yen verlor zuletzt 1,7 Prozent zum Euro auf 128,36 Yen, nachdem die japanische Landeswährung am Vortag noch um 2,2 Prozent aufgewertet hatte. Zum Dollar sank die japanische Devise - nach einem Anstieg um 1,6 Prozent am Vortag - zuletzt um ein Prozent auf 97,75 Yen.

Der Schweizer Franken war 0,2 Prozent leichter zum Euro bei 1,2163 Franken und gewann gegenüber dem Dollar 0,6 Prozent auf 92,61 Rappen.

Das britische Pfund fiel zum Euro auf den tiefsten Stand seit fast einem Monat. Das Pfund gab gegenüber der Gemeinschaftswährung 0,7 Prozent auf 85,87 Pence nach. Das war der niedrigste Kurs seit dem 20. März. Die Jahresteuerung verharrte im März bei 2,8 Prozent und lag damit deutlich über dem Inflationsziel der britischen Notenbank von zwei Prozent.

Yen und Dollar gaben ihre kräftigen Kursgewinne vom Vortag wieder größtenteils ab. Die Erholung des Goldpreises und steigende US-Aktienmärkte dämpften die Nachfrage nach den als sicher geltenden Währungen. Beide Währungen hatten am Montag angezogen, nachdem sich das Wachstum in China überraschend verlangsamt hatte.

“Der Pessimismus von gestern war womöglich übertrieben”, sagte Jane Foley, leitende Währungsstrategin von Rabobank International in London. “Die Bewegungen, die wir bei Gold und an den Aktienmärkten gesehen haben, waren so stark, dass es nun wahrscheinlich eine Umkehr geben wird.”

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

16.04.2013, 09:35 Uhr

Lasst doch die Untergangswährung der EU-Pleitegeier ein paar Cent abrutschen, dann wird endlich das wahre Geld, GOLD, wieder in Euro teurer.

Hartmut

16.04.2013, 13:18 Uhr

Die Goldkurse an den Boersen sind doch nur eine Momentaufnahme. Ob die Kurse manipuliert oder nicht, wer Besitzer von physischem Gold ist, sollte sich bei fallendem Goldkurs mit weiterem Kauf von physischem Gold aktiv beteiligen.Die Geschichte hat immer den Beweis erbracht, dass Gold der bessere Vermoegensaufbewahrungsort ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×