Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2013

17:43 Uhr

Devisenbericht

Euro profitiert vom Kompromiss in den USA

Nach der Einigung im US-Haushaltsstreit steigt die Risikobereitschaft bei den Anlegern. Der Euro ist wieder stärker gefragt. Ein bitterer Nachgeschmack bleibe jedoch, sagen Analysten.

1-Euro-Münzen: Der Kurs der Gemeinschaftswährung steigt. dpa

1-Euro-Münzen: Der Kurs der Gemeinschaftswährung steigt.

Frankfurt am MainDer Euro hat am ersten Handelstag des neuen Jahres mit Kursgewinnen auf die Einigung im US-Haushaltsstreit reagiert. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Mittwochnachmittag mit 1,3240 US-Dollar gehandelt. Das war etwa ein halber Cent mehr als vor der Zustimmung des US-Kongresses in der Nacht zum Mittwoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3262 (Montag: 1,3194) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7540 (0,7579) Euro.

Händler machten die gestiegene Risikoneigung nach der Einigung im US-Haushaltsstreit für die Kursgewinne verantwortlich. Mit dem Verzicht auf Steuererhöhungen für die meisten Amerikaner wurde die Gefahr einer Rezession für die US-Wirtschaft gebannt. Der als risikoreicher geltende Euro sei dadurch gestützt worden, sagten Händler. „Der Euro hat derzeit gute Chancen, zum US-Dollar auf Notierungen deutlich oberhalb von 1,33 Dollar anzuziehen“, erwarten die Volkswirte von HSBC Trinkaus. So sind auch die Risikoaufschläge für Anleihen aus den Krisenländern wie Italien und Spanien stark gefallen. Eine Rezession in den USA hätte auch die Erholung in den Krisenländern belastet und die Rückführung der Haushaltsdefizite erschwert.

Die positive Reaktion der Finanzmärkte auf die Einigung hält Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, allerdings für übertrieben: „Schließlich waren die meisten Beobachter bereits Anfang Dezember überzeugt, dass es rasch zu einer Lösung kommt.“

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Der Euro hat im Tagesverlauf einen Teil seiner Gewinne auch wieder abgegeben, nachdem er kurzzeitig bis auf 1,33 Dollar gestiegen war. Die insgesamt gute Stimmung wurde durch den im Dezember stärker als erwartet gestiegenen Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie gestützt. Er signalisiert jetzt wieder eine wirtschaftliche Erholung.

Zu anderen wichtigen Währungen hatte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,81400 (0,81610) britische Pfund, 115,38 (113,61) japanische Yen und 1,2090 (1,2072) Schweizer Franken festgelegt. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1693,75 (1664,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 40 140,00 (39 770,00) Euro.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×