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15.11.2012

14:22 Uhr

Devisenbericht

Wachstumsdaten schieben Euro an

Die positiven Neuigkeiten zum Wirtschaftswachstum in Europa haben den Euro am Donnerstag angeschoben. Die Gemeinschaftswährung notierte bei bis zu 1,2773 Dollar. Indes büßte der Yen weiter stark an Wert ein.

Deutschlands Wirtschaft wuchs nur noch um 0,2 Prozent. Reuters

Deutschlands Wirtschaft wuchs nur noch um 0,2 Prozent.

FrankfurtUnerwartet robuste Wachstumsdaten aus Italien und Frankreich haben dem Euro am Donnerstag neuen Schwung verliehen. Die Euro-Zone sei zwar klar in einer rezessiven Phase, aber immerhin hätten einige Länder positiv überrascht, sagte Lothar Heßler, Analyst bei HSBC Trinkaus. Die Gemeinschaftswährung, die seit Ende Oktober fast zwei US-Cent verloren hat, kletterte am Donnerstag auf bis zu 1,2773 Dollar. Im New Yorker Schlussgeschäft am Mittwoch hatte sie bei 1,2735 Dollar notiert.

Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fiel in Italien im dritten Quartal mit 0,2 Prozent weniger stark aus als befürchtet. Die französische Wirtschaft ist von Juli bis September dagegen sogar gewachsen: Das BIP stieg um 0,2 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten eine Stagnation vorausgesagt. Deutschland kam wie erwartet auf ein Plus von 0,2 Prozent. Insgesamt sank die Wachstumsrate der Euro-Zone um 0,1 Prozent im Vergleich zum Frühjahr - der Währungsraum rutschte damit in die Rezession. Prognostiziert worden war ein Minus von 0,2 Prozent.

Postbank-Analyst Thilo Heidrich erwartet im Verlauf des kommenden Jahre zwar eine allmähliche konjunkturelle Verbesserung. "Der vermutlich sehr schwache Jahresausklang 2012 wird jedoch auch die Wachstumsrate für das nächste Jahr belasten."

Der erwartete Machtwechsel in Japan hat unterdessen dem Yen weiter zugesetzt. Der Dollar legte in der Spitze um 0,9 Prozent auf 80,94 Yen zu, den höchsten Stand seit Ende April. Der Euro kletterte auf bis zu 103,20 Yen nach 102,19 Yen im Vortagesgeschäft. Schon am Mittwoch hatte die japanische Währung stark an Wert eingebüßt.

Meinungsumfragen zufolge dürfte bei den für Mitte Dezember geplanten Neuwahlen in Japan die Liberaldemokraten (LDP) unter Oppositionsführer Shinzo Abe an die Macht kommen. Investoren gehen davon aus, dass die Notenbank dann ihre Geldpolitik noch stärker lockern und ungehemmt die Notenpresse anwerfen wird, um der Konjunktur wieder auf die Sprünge zu helfen.

Die Bank of Japan müsse ein neues Inflationsziel festlegen. Um dieses zu erreichen, müsse die Notenbank "unbegrenzt Yen drucken", hatte Abe zuletzt auf einer Pressekonferenz gefordert. "Dass die diversen Konjunkturprogramme der LDP in Japan in den letzten Jahrzehnten lediglich die Staatsfinanzen ruiniert haben, ohne die Wirtschaft wirklich anzuschieben, hat Herr Abe offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen", schrieb Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar. Die Liberaldemokraten setzten weiter offen auf alte Rezepte. "Alles in allem tragen die Pläne schon fast Züge von Verzweiflung in sich und sind nicht mehr als alter Wein in alten Schläuchen."

Am Rentenmarkt brauchte der Bund-Future seine Gewinne nach Veröffentlichung der Daten wieder auf. Am frühen Nachmittag notierte der gern als sicherer Hafen gefragte Terminkontrakt nahezu unverändert bei 143,11 Punkten. Gefragt waren dagegen die Staatspapiere Frankreichs, Italiens und Spaniens. Die Kurse stiegen an, entsprechend gingen die Renditen leicht zurück. Sie lagen bei 2,084, 4,930 und 5,929 Prozent.

Analysten gingen allerdings davon aus, dass Bundesanleihen mittelfristig kaum an Beliebtheit einbüßen dürften. Angesichts der Unsicherheit über den Ausgang des US-Haushaltsstreits dürften die Papiere laut Händlern weiter Auftrieb erhalten. US-Präsident Barack Obama hat den Republikanern zum Auftakt der Haushaltsverhandlungen am Mittwoch kein Entgegenkommen signalisiert. Legen die Parteien ihren Streit nicht bei, treten zum Jahresende automatische Ausgabenkürzungen in Kraft, daneben laufen Steuervergünstigungen aus. Das könnte die ohnehin strauchelnde Wirtschaft in die Rezession stürzen

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