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18.02.2013

11:20 Uhr

Devisenbericht

Yen fällt nach G20-Treffen weiter

Die bevorstehende Wahl in Italien und schlechte Daten aus der Euro-Zone lasten auf der europäischen Gemeinschaftswährung. Indes befindet sich der japanische Yen nach dem G20-Treffen in der Nähe eines 33-Montatstiefs.

Yen-Banknoten. Reuters

Yen-Banknoten.

FrankfurtDer japanische Yen ist am Montag nach der Erklärung der führenden Industriestaaten und Schwellenländer (G20) vom Wochenende in die Nähe des tiefsten Stands seit fast drei Jahren gefallen. In der Nacht zum Montag stieg der Kurs des US-Dollar im Handel mit der japanischen Währung in der Spitze auf 94,20 Yen. Damit liegt der Yen in der Nähe seines tiefsten Stands seit Mai 2010. Zuletzt konnte die japanische Währung aber wieder etwas zulegen.

Die G20-Staaten hatten am Wochenende zwar ein deutliches Signal gegen Abwertungswettläufe bei Wechselkursen gesetzt. Es gab jedoch keine deutliche Kritik an der Geldpolitik Japans. „Die G20 haben Japan einen Freifahrtschein für die Lockerung der Geldpolitik ausgestellt“, kommentierte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank die Beschlüsse.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bestätigte trotz des wirtschaftspolitischen Richtungswechsels in Japan die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes auf der vierthöchsten Stufe „AA-“. Der Ausblick für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt bleibe aber weiterhin auf „negativ“, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Das Land hat den mit Abstand höchsten Schuldenstand aller Industriestaaten. Einer der wichtigsten Gläubiger ist aber die eigene, relativ wohlhabende Bevölkerung, daher gilt Japan nicht als pleitegefährdet.

Die im Dezember gewählte Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe versucht, die Deflation in Japan zu beenden und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Abe steht international in der Kritik, weil er die Notenbank des Landes massiv unter Druck setzt. Sie soll die Geldpolitik weiter lockern, um somit die Konjunktur anzuschieben. Dies hatte auch die Abwertung des Yen zum Dollar und Euro verursacht. Mit Spannung wird jetzt die Nominierung eines neuen Notenbank-Chefs durch den Ministerpräsidenten erwartet.

Indes hat sich der Euro zu Wochenbeginn erneut schwach präsentiert. Die Gemeinschaftswährung notierte bei 1,3335 Dollar nach 1,3361 Dollar am Freitagabend in New York. Nach Einschätzung von Händlern dürfte die Devise vor der Parlamentswahl in Italien am 24. und 25. Februar unter Druck bleiben, da Anleger ein Comeback des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi fürchteten. Zudem lasteten Daten von voriger Woche auf dem Euro, denen zufolge die Euro-Zone im Schlussquartal 2012 tiefer in die Rezession gerutscht war als bislang gedacht.

Charttechnisch dürfte eine Widerstandsmarke bei 1,3310 Dollar die Gemeinschaftswährung aber zunächst vor einem weiteren Abrutschen bewahren. Auch bei Staatsbonds scheuten die Anleger wegen der Italien-Wahl das Risiko und setzten lieber auf die als sicher geltenden Bundesanleihen. Der Bund-Future kletterte um 35 Ticks auf 142,69 Zähler.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

18.02.2013, 10:13 Uhr

Der Euro ist so oder so tot und nicht mehr tragbar, also was soll's..

Account gelöscht!

18.02.2013, 10:42 Uhr

Euro unter Druck
============
Das liegt an Berlusconi, Hollande und Zypern.

■ Bunga Bunga Berlusconi ante portas
■ Hollande - "La Grande Nation" als Euro-Sorgenkind No.1
■ Zypern - man weiß nicht, wie es mit der Steueroase weiter geht
■ Spanien streikt schon wieder (Iberia)
■ Die Esperantowährung TEuero ist nur "Giralgeld"

toni

18.02.2013, 11:12 Uhr

@karstenberger
Ich wette mit dir um 1000 Euro dass du falsch liegst

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