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27.12.2011

15:06 Uhr

Devisenexperte Rahn

„Der Yuan kann zweite Leitwährung werden“

VonJörg Hackhausen

ExklusivChina und Japan wollen künftig nicht mehr in Dollar, sondern in eigenen Währungen miteinander handeln. Im Interview erklärt Währungsexperte Jörg Rahn, was das für den Dollar und den Rest der Welt bedeutet.

China schließt ein Währungsabkommen mit Japan. Künftig wollen die beiden im Handel miteinander auf den Dollar verzichten. Reuters

China schließt ein Währungsabkommen mit Japan. Künftig wollen die beiden im Handel miteinander auf den Dollar verzichten.

Herr Rahn, China und Japan haben überraschend erklärt, der Handel zwischen beiden Ländern künftig nicht mehr in Dollar abgerechnet wird. Was sind die Gründe?

Es geht es in erster Linie um wirtschaftliche Vorteile. Die direkte Umrechnung ist günstiger als der Umweg über den US-Dollar.

Welche Rolle spielt die Krise in Europa und den USA?

Sowohl der US-Dollar als auch der Euro erscheinen derzeit wenig attraktiv. Deshalb sucht Japan nach neuen Möglichkeiten, um einen Teil seiner Leistungsbilanzüberschüsse anderswo anzulegen. Japan hat sich durch das Abkommen den Zugang zu chinesischen Anleihen gesichert.

Gestehen die Japaner damit ein, dass der Yuan in Zukunft die maßgebliche Rolle in Asien spielen wird?

Es ist schon eine Anerkennung der wirtschaftlichen Macht Chinas. Andererseits wertet dieser Schritt gleichzeitig die Bedeutung des japanischen Yen auf.

Jörg Rahn ist Währungs- und Aktienexperte vom Hamburger Vermögensverwalter Marcard, Stein und Co.

Jörg Rahn ist Währungs- und Aktienexperte vom Hamburger Vermögensverwalter Marcard, Stein und Co.

Was hat China davon?

China könnte von dem Geldzufluss aus Japan profitieren, da vor allem die Provinzen teilweise hoch verschuldet und für den enormen Investitionsbedarf auf Kapital angewiesen sind.

Steckt hinter dem Währungspakt ein Angriff auf den US-Dollar?

Zunächst geht es hier um rein wirtschaftliche Vorteile. Der Wechselkurs des US-Dollar dürfte darunter nicht leiden.

Aber die Bedeutung des Dollars als Weltleitwährung wird geschwächt.

Wenn die Unternehmen diesen Schritt tatsächlich umsetzen, dann würde der Dollar in Asien etwas an Bedeutung verlieren. Zuletzt war aber noch eine gewisse Skepsis der Unternehmen gegenüber einer direkten Konvertierung zu erkennen.

Kommentare (14)

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Thomas-Melber-Stuttgart

27.12.2011, 15:22 Uhr

Vor die Wahl gestellt: Yuan als Leitwährung oder fremdgesteuerte Demokratiebewegung (s. Libyen, Syrien) wird sich die chinesische Führung für was entscheiden?

Account gelöscht!

27.12.2011, 16:46 Uhr

Entwicklungen, wie wir sie hier erleben, vollziehen sich leise, aber unaufhaltsam.
Als mondahu seine berufliche Laufbahn in Asien begann, war dort das englische Pfund die allgegenwärtige Leitwährung. Auch sein Gehalt wurde in £ bezahlt, damals zu 1 £ = 11.50 DM. Und heute? Davon ist längst keine Rede mehr und der Dollar wird denselben Weg gehen.

mono

27.12.2011, 18:05 Uhr

Ein sehr verträumter Artikel. Die Art und Weise wie Herr Rahn einen sanften, Jahrzehnte dauernden Abschied vom Dollar als Weltreservewährung skizziert, ist wohl mehr als unwahrscheinlich. Die Turbulenzen und die Volatilität am Finanzmarkt werden jede langsame kontrollierte Entwicklung unmöglich machen.
Tim Geithner und Ben Bernanke dürften nach der Erklärung Chinas und Japans mehr als nur schwitzige Hände haben.

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