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12.04.2013

17:28 Uhr

Devisenhändler optimistisch

Analysten sehen Potenzial für Schwedens Krone

Für Devisenhändler ist die schwedische Krone unterbewertet – trotz des Kursanstieges im vergangenen Jahr. Denn die Wirtschaft wächst weiter – und durch die Euro-Krise wächst die Attraktivität der skandinavischen Währung.

Eine Münze mit dem Porträt von Schwedens König Carl-Gustaf. dpa

Eine Münze mit dem Porträt von Schwedens König Carl-Gustaf.

OsloDie Deutsche Bank, der größte Devisenhändler weltweit, und HSBC sind sich einig: die schwedische Krone hat weiteres Aufwärtspotenzial. Auch nach einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Euro in den vergangenen zwölf Monaten ist die Krone immer noch unterbewertet, sagt Henrik Gullberg, Devisenstratege bei der Deutschen Bank in London. Daragh Maher, HSBC-Stratege, sieht die Krone zwar hoch bewertet, verweist aber auf einen Kreis treuer Investoren, die an Staatsanleihen von Ländern mit einem stabilen AAA-Rating interessiert sind.

Ein anziehendes Wirtschaftswachstum in Schweden und die relative Gleichgültigkeit, die die schwedische Notenbank gegenüber dem Wechselkurs an den Tag legt, stützen die Aufwärtsbewegung der Krone. Und mit der Verschärfung der Schuldenkrise in Europa steigt die Attraktivität von Anleihen aus der größten Volkswirtschaft Skandinaviens, die mit einer erstklassigen Bonitätsnote von „AAA“ glänzen, argumentieren die Banken.

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„Der Markt kauft mit Freude eine überbewertete Währung, weil sie eine „AAA“-Note vorweisen kann“, erklärt Maher. HSBC, nach Bilanzsumme die größte europäische Bank, geht davon aus, dass die Krone bis zum Jahresende auf 8,10 je Euro steigen wird. Am Dienstag notierte die Schweden-Krone zwischenzeitlich bei 8,3516 je Euro.

Nach Gullbergs Einschätzung ist die Krone die einzige Währung eines mit „AAA“ bewerteten Staates, die noch günstig erscheint. Der Stratege erwartet, dass die Bewertung erst dann zum Problem wird, wenn sie auf 7,75 bis 8 Kronen je Euro steigt. Dies sei jedoch vor der zweiten Jahreshälfte unwahrscheinlich, führt er aus.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

In der vergangenen Woche kletterte die Krone in der Spitze 0,8 Prozent gegenüber dem Euro. Zuvor waren Daten zum verarbeitenden Gewerbe in Schweden stärker als erwartet ausgefallen, was die Einschätzung der Zentralbank stützt, dass sie die Zinsen nicht weiter senken muss. Das verarbeitende Gewerbe ist im März so stark gewachsen wie zuletzt im Juni 2011, wie der von der Swedbank veröffentlichte Index zeigt.

Im Februar beließ die schwedische Riksbank ihren Leitzinssatz unverändert bei einem Prozent und signalisierte keine weiteren Reduzierungen. Seit Dezember 2001 hatte sie die Zinsen vier Mal gesenkt. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 1,2 Prozent, nächstes Jahr sollen es 2,7 Prozent sein. In der Eurozone wird die Wirtschaft hingegen im laufenden Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und 2014 um 1,4 Prozent wachsen, so die Prognose der Europäischen Kommission.

„Die Riksbank hat nur wenig Spielraum für weitere Zinssenkungen“, erläutert Gullberg. Die Krone ist seiner Einschätzung nach „die einzige unterbewertete Währung eines Industrielandes mit erstklassiger Bonität.“

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Krone gegenüber dem Euro 5,9 Prozent zugelegt, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Das ist die beste Wertentwicklung nach dem mexikanischen Peso und dem neuseeländischen Dollar. Die norwegische Krone hat gegenüber dem Euro im gleichen Zeitraum 1,3 Prozent gewonnen.

Während die Zentralbank Norwegens ihre Bereitschaft signalisiert hat, die Zinsen zu senken um die Aufwertung der Währung zu stoppen, erklärte Schwedens Notenbankchef Stefan Ingves im Februar, er sei „zufrieden“ mit der Aufwertung der Krone. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat den Anstieg der Krone begrüßt und argumentiert, er mache das Reisen für die Schweden billiger.

Es gebe „keine Anzeichen dafür, dass Politiker oder Zentralbanker sich um die Stärke der Krone Sorgen machen. Ich denke, das beruht darauf, dass die Krone real nicht besonders stark ist“, so Gullberg. „Auf Basis aller unserer längerfristigen Bewertungen ist die Krone immer noch unterbewertet. Dies wird auch durch den realen Wechselkurs gestützt, der erst jetzt wieder auf dem Niveau vor der Krise ist und immer noch fünf bis sechs Prozent unter dem Niveau von vor zehn Jahren, trotz der stärkeren Fundamentaldaten.“

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