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22.03.2011

17:16 Uhr

Devisenhandel

Zinshoffnung treibt Euro über 1,42 Dollar

Die Märkte wetten weiter auf eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im April. Den Euro treibt das über 1,42 Dollar, der US-Dollar fällt dagegen auf ein 15-Jahres-Tief.

Die Erwartungen an EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wachsen. Quelle: dapd

Die Erwartungen an EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wachsen.

DüsseldorfDie klaren Worte von führenden EZB-Vertretern haben die Zinsfantasie der Euro-Anleger am Dienstag weiter angeheizt und die Gemeinschaftswährung zeitweise auf den höchsten Stand in diesem Jahr getrieben. Im Verlauf bröckelten die Gewinne allerdings etwas ab, was Händler mit Gewinnmitnahmen sowie einer äußerst regen Nachfrage nach britischen Pfund - die den Euro nach unten zog - begründeten.  

Grund für das sprunghaft steigende Interesse am Pfund Sterling waren ebenfalls Spekulationen auf eine baldige Zinswende. Die Inflation im Königreich ist im Februar auf 4,4 Prozent gestiegen und liegt damit deutlich über der Marke von zwei Prozent, die die Bank of England für angemessen hält.   „In Reaktion auf die Katastrophe in Japan und die Ereignisse im Nahen Osten hatte der Markt die Möglichkeit einer baldigen Zinserhöhung als eher gering eingeschätzt“, sagte Analyst James Knightley von ING. „Aber die heutigen Zahlen stärken die Erwartungen, dass schon im Mai ein Schritt möglich ist.“ Das britische Pfund stieg zeitweise über 1,64 (spätes Vortagesgeschäft: 1,6302) Dollar und war damit so teuer wie seit Januar 2010 nicht mehr.

Für den Euro-Raum gilt eine Zinsanhebung im April - und damit die erste seit Juli 2008 - inzwischen wieder als ausgemachte Sache. Investoren hatten zunächst befürchtet, dass die EZB wegen der Katastrophe in Japan mit ihren Plänen zurückrudern könnte. Trotz dieser Krise gebe es gute Gründe für eine Zinswende, sagte nun aber auch der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark. Damit stieß er in dasselbe Horn wie vor ihm unter anderem schon Notenbankchef Jean-Claude Trichet.

„Das wird dann auch nur ein erster Schritt sein“, sagte ein Händler. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr insgesamt zwei bis drei Zinserhöhungen sehen werden.“Der Euro kletterte in der Spitze bis auf 1,4249 Dollar, fiel am Nachmittag aber wieder unter 1,42 Dollar.

Für ordentlich Gesprächsstoff in den Handelsräumen sorgte der am Donnerstag beginnende Euro-Gipfel. Zwar konnte im Vorfeld schon viel abgearbeitet werden - so wurde zum Beispiel die Finanzierung des langfristigen Krisenmechanismus ESM geregelt, und für Griechenland wurde eine Laufzeitverlängerung für die Kredite sowie eine geringere Zinslast vereinbart. Offen ist allerdings noch, wie genau der befristete Rettungsfonds EFSF aufgestockt werden soll.

Unklar ist auch, inwieweit Irland bereit ist, für die angestrebten Zinserleichterungen sein Steuersystem zu verändern. Am Nachmittag belasteten nach Angaben von Händlern Spekulationen über die Zahlungsfähigkeit irischer Banken die Staatsanleihen. Diese Spekulationen hätten auch Anleihen aus anderen Peripheriestaaten in Mitleidenschaft gezogen, hieß es. Der Risikoaufschlag der zweijährigen irischen Papiere zu den vergleichbaren Bundesanleihen stieg bis auf 842 Basispunkte und war damit so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro. Der Bund-Future lag acht Ticks im Minus bei 122,09 Zählern.  

Auch Portugal blieb im Fokus. Am Mittwoch steht dort die kritische Abstimmung über den Haushalt an. Bis jetzt weigert sich die Opposition, die vorgeschlagenen neuen Sparpläne mitzutragen. Damit könnte sie das Land doch noch unter den Rettungsschirm treiben. „Ich kann mir vorstellen, dass das mit einem Antrag Portugals dann sehr schnell gehen könnte“, sagte Analystin Kathrin Clasen von der HSH Nordbank. „Eine neuerliche Ansteckungsgefahr auf andere Länder wie zum Beispiel Spanien sehe ich allerdings erst einmal nicht“ .

Um den Yen wurde es nach den Turbulenzen der vergangenen Tage ruhiger, dennoch konnte die japanische Währung wieder leicht zulegen und bewegte sich am Nachmittag knapp unter der Marke von 81 (spätes Vortagesgeschäft: 81,12) Dollar. Auf breiter Front verkauft wurde dagegen der Dollar. Zu einem Korb aus sechs Währungen fiel der Greenback auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. „Ich kann mir vorstellen, dass es dem Dollar jetzt richtig an den Kragen geht“, sagte ein Händler. Sein langjähriger Status als sicherer Hafen ist inzwischen umstritten - einige Experten warnen bereits vor einer US-Schuldenkrise, die das Ausmaß der hiesigen in den Schatten stellen könnte.

Von

rtr

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