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02.10.2013

13:13 Uhr

Devisenmarkt

US-Dollar bleibt in der Defensive

In den USA herrscht immer noch der Haushaltsnotstand. Jeder Tag ohne Einigung kostet die USA das Vertrauen der Märkte. Vor der zinspolitischen Sitzung der Europäischen Zentralbank bewegt sich auch der Euro nur wenig.

Experten glauben, dass der Dollar unter Druck bleibt, bis eine Einigung im US-Haushaltsstreit gefunden ist. Eine Einigung ist derzeit aber nicht in Sicht. dpa

Experten glauben, dass der Dollar unter Druck bleibt, bis eine Einigung im US-Haushaltsstreit gefunden ist. Eine Einigung ist derzeit aber nicht in Sicht.

FrankfurtDer Euro hat am Mittwoch vor der zinspolitischen Sitzung der Europäischen Zentralbank wenig Bewegung gegenüber dem Dollar gezeigt. Es ist die erste Sitzung, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi geäußert hatte, er sei bereit, Geld in das Bankensystem zu pumpen. Die USA hat nach wie vor mit dem Haushaltsnotstand zu kämpfen. Er hat am Mittwoch den Dollar in der Defensive gehalten.

„Wegen des Haushaltsnotstands gibt die Regierung weniger aus und könnte deshalb auch länger zahlungsfähig bleiben als bis zum 17. Oktober“, sagte Währungsstratege Minori Uchida von der Bank of Tokyo-Mitshubishi mit Blick auf den berechneten Termin, zu dem die US-Regierung womöglich ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. „Das ganze könnte sich womöglich fast einen Monat hinziehen, und ich gehe davon aus, dass der Dollar in diesem Fall unter Druck bleiben wird.“

Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt bei 1,3530 Dollar kaum verändert zum Vortag gehandelt.

Chronologie US-Haushaltsstreit

9. November 2012

In der ersten öffentlichen Rede seit seiner Wiederwahl beharrt US-Präsident Barack Obama auf Steuererhöhungen für Reiche, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Kurz zuvor hatte das unabhängige Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) vor einer drohenden Rezession gewarnt.

16. November 2012

Demokraten und Republikaner beginnen im Weißen Haus mit den entscheidenden Etatverhandlungen.

3. Dezember 2012

Die Republikaner legen einen Plan zum Defizitabbau vor. Dieser sieht neben massiven Ausgabenkürzungen zwar auch einen Zuwachs an Steuereinnahmen vor - aber keine Erhöhung der Steuersätze für die Reichen, wie es Obama will.

 

19. Dezember 2012

Die Republikaner weisen einen neuen Vorschlag Obamas zurück: Dieser sah höhere Steuern nur noch für Bürger mit einem Einkommen von mehr als 400 000 Dollar (knapp 300 000 Euro) im Jahr vor. Zuvor hatte Obama die Grenze schon bei 250 000 Dollar gezogen.

1. Januar 2013

Der Etatstreit ist vorerst beendet. Das Repräsentantenhaus stimmt einer Kompromissvorlage des Senats zu. Damit werden massive Steuererhöhungen für Millionen Amerikaner zum Jahresanfang in letzter Minute abgewendet. Eine Einigung über die drohenden massiven Ausgabenkürzungen muss noch gefunden werden.

23. Februar 2013

Obama warnt, dass am 1. März erneut radikale Kürzungen drohen und ruft den Kongress zum Handeln auf. Dieser hatte die automatischen Einsparungen 2011 selbst beschlossen.

1. März 2013

Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Budgetstreit setzt Obama Etatkürzungen mit schweren Folgen für die Wirtschaft in Gang. Allein bis Oktober drohen Einsparungen von 85 Milliarden Dollar.

21. März 2013

Der Kongress verabschiedet ein Übergangsbudget, das die Regierungsgeschäfte bis Ende September sichert. Von einem neuerlichen Drama um die Staatsfinanzen bleiben die USA zunächst verschont.

27. August 2013

Obama und die Republikaner steuern auf eine neue Machtprobe zu. Finanzminister Jacob Lew gibt bekannt, dass Mitte Oktober die Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar erreicht wird. Er fordert den Kongress auf, das Limit umgehend anzuheben.

22. September 2013

Die Republikaner verabschieden im Repräsentantenhaus einen Haushaltsentwurf, der die Regierung weitere zweieinhalb Monate finanzieren soll. Doch sie knüpfen die Vorlage an Budgetkürzungen für die Gesundheitsreform - Obamas wichtigstes Reformprojekt. Sie soll am 1. Oktober in Kraft treten. Obama ist empört.

 

1. Oktober 2013

US-Präsident Barack Obama verweigert den Republikanern den Deal, sein Obamacare auszusetzen und dafür einen Übergangsetat genehmigt zu bekommen. So tritt der Kernpunkt der Gesundheitsreform in Kraft. Dafür kommt es zu einem Stillstand der öffentlichen Verwaltung: Hunderttausende Bundesangestellte vom Nationalpark-Ranger bis zum Steuerfahnder werden nun mit dem Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1. Oktober in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Viele Behörden, darunter auch die Börsenaufsicht, schalten auf Minimalbetrieb.

16. Oktober 2013

Nur kurz vor dem Überschreiten der Schuldengrenze hat sich der US-Kongress auf einen Deal geeinigt, der größtenteils den Forderungen der Demokraten entsprach. Die Schuldengrenze wurde bis zum 7. Februar angehoben und die Behörden bis zum 15. Januar geöffnet. Bis Mitte Dezember muss eine überparteiliche Kommission Vorschläge zur Schuldenreduktion erarbeiten.

„Draghi wird eher Worte denn Taten sprechen lassen“, sagte Christian Schulz zur Sitzung der Europäischen Zentralbank. Schulz ist Leitender Ökonom bei der Berenberg Bank in London. „Er wird sagen, dass weitere Langfristkredite immer noch auf dem Tisch liegen und dürfte vielleicht signalisieren, dass ein weiteres LTRO gegen Ende des Jahres kommt, aber ich erwarte heute keine geldpolitische Aktion“, ergänzte Schulz.

„Einige EZB-Ratsmitglieder haben zuletzt Sorge über das niedrige Niveau der Überschussliquidität geäußert“, sagte Joseph Capurso, Währungsstratege bei der Commonwealth Bank of Australia in Sydney. Hinweise auf ein weiteres LTRO „würden als Abwärtsdruck auf die europäischen Marktzinsen gesehen werden und Abwärtsdruck für den Euro bedeuten“, erläuterte er. Die Überschussliquidität nähert sich dem Niveau von 200 Mrd. Euro, das Draghi als Untergrenze bezeichnet hatte. Zum 30. September lag sie bei 216 Mrd. Euro, nachdem im März 2012 ein Höchststand von 813 Mrd. Euro verzeichnet worden war.

Der Schweizer Franken war zum Euro kaum verändert bei 1,2243 Franken. In Relation zum Dollar stieg der Franken 0,1 Prozent auf 90,49 Rappen.

Der Yen leget gegenüber dem Euro 0,6 Prozent zu auf 131,81 Yen. Zum Dollar verteuerte sich die japanische Devise um 0,6 Prozent auf 97,43 Yen. Japans Währung war aufgrund des US- Haushaltsstreits mit dem Stillstand des größten Teils der Verwaltung als 'sicherer Hafen' den zweiten Tag in Folge gefragt.

Kommentare (1)

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Mazi

02.10.2013, 12:45 Uhr

Das soll einer verstehen!

Die USA stehen vor dem Kollaps und die US-Dollar notierten Rohstoffmärkte fallen. Es gibt also mehr Waren für 1 Us-Dollar. Kann einer die Logik marktwirtschaftlich erklären?

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