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02.07.2012

14:53 Uhr

Devisenoptionen

Die Euroschwäche wird anhalten

Den Gipfel-Beschlüssen zum Trotz: Analysten sind so skeptisch wie nie zuvor zum Euro eingestellt. Sie prophezeien, dass der Euro zum Dollar weiter nachgeben - und unter anhaltendem Druck bleiben wird.

Der Druck auf die Gemeinschaftswährung wächst. dpa

Der Druck auf die Gemeinschaftswährung wächst.

An den Derivatemärkten deuten Kontrakte für den Euro auf eine weitere Durststrecke. Am Freitag hatte der Euro nach den Beschlüssen auf dem EU-Gipfel knapp zwei Prozent zum Dollar zugelegt. Hintergrund waren Erleichterungen bei den Konditionen der Krisenkredite für spanische Banken. Auch die Bedingungen für etwaige Hilfen an Italien sind gelockert worden.

Doch Optionshändler sind so skeptisch wie nie zuvor zum Euro eingestellt. Das zeigen ihre Erwartungen für den Wechselkurs des Euro zum Dollar auf Zwölf-Monatssicht im Vergleich mit der Erwartung für die kommenden 90 Tage. Über 50 Ökonomen und Strategen, die von Bloomberg befragt wurden, senkten ihre Prognosen zum Jahresende im Median auf den tiefsten Kurs seit mindestens 2007.

“Das wird immer noch eine langwierige Angelegenheit bleiben”, sagte Jeff Applegate, Leitender Anlagestratege bei Morgan Stanley Smith Barney, in einem Interview am 29. Juni. “Damit der Euro langfristig zu einer überlebensfähigen Währung wird, muss eine Fiskalunion in Europa entstehen, und davon sind wir weit entfernt. Der Wert des Euro wird sinken”, sagte Applegate. Er sieht den Euro zum Dollar im kommenden Jahr unter die Marke von 1,20 Dollar abrutschen.

Dazu kommt das nachlassende Wirtschaftswachstum im Euroraum. Erstmals seit 2009 wird die Wirtschaft der Eurozone im laufenden Jahr voraussichtlich schrumpfen. 30 von Bloomberg befragte Analysten erwarten im Median eine Kontraktion von 0,4 Prozent.

Internationale Anleger schichten zunehmend aus Euro-Anlagen um. Im Durchschnitt haben sie seit Jahresanfang monatlich etwa 8 Mrd. Euro abgezogen. Im Vergleichszeitraum vor einem Jahr hatten sie bis Juli im Durchschnitt etwa das Sechsfache in Euro-Anlagen gepumpt.

Es handelt sich nach Angaben von Deutsche Bank AG um eine Trendumkehr in Rekordausmaß. Es habe zwar Fortschritte beim Gipfel gegeben aber keine Patentlösung, sagte George Saravelos, Devisenstratege bei der Deutschen Bank in London, in einem Interview am 29. Juni.

Kommentare (1)

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Machiavelli

03.07.2012, 06:33 Uhr

Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa.
Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.
Die enorme Gewinne die vor allem deutsche Konzerne im Euroraum realisiert haben, sind, wegen des starken Euro, zum größten Teil ins Nichteuroausland reinvestiert worden. Es wurden und werden Fabriken in der ganzen Welt gebaut oder gekauft mit Gewinne die im Euroraum realisiert wurden.
Wir erleben, über den permanenten deutscher Leistungsbilanzüberschuss, eine legale Kapitalflucht vom Euroraum ins Nichteuroausland. Dies überwiegend zum Nachteil der kleineren und schwächeren Euro-Wirtschaften.

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