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04.12.2015

12:47 Uhr

Die EZB und der Euro

Auch Goldman-Banker können irren

VonIlias Stampoulis

Nachdem Mario Draghi die Börsianer herbe enttäuscht hatte, schoss der Euro ganze drei Prozent nach oben. Ein solches Ausmaß überraschte nicht nur Anleger, sondern lieferte auch viel Hohn für einen renommierten Experten.

Mario Draghi sorgte nicht nur bei Anlegern für Katerstimmung, sondern auch bei so manchem Profi. dpa

Die Investmentbank Goldman Sachs

Mario Draghi sorgte nicht nur bei Anlegern für Katerstimmung, sondern auch bei so manchem Profi.

DüsseldorfWenn ein Experte von Goldman Sachs plötzlich kleinlaut wird, muss etwas besonderes passiert sein. Wenn ein Experte von Goldman Sachs einen Fehler öffentlich zugibt und seine gesamte Prognose revidiert, dann aber muss wahrlich Unvorhergesehenes vorgefallen sein. So gestern geschehen.

Keine 24 Stunden nachdem Robin Brooks, immerhin Chef-Währungsstratege bei Goldman Sachs, im Vorgriff auf die EZB-Ratssitzung einen „Angriff der Tauben“ und eine Drei-Prozent-Talfahrt für den Euro vorausgesehen hatte, sah sich der Ökonom gezwungen, seine These zu widerrufen. Brooks hatte auf eine Ausdehnung der Programme der Euro-Währungshüter spekuliert, darauf, dass Draghi sich „stark präsentieren“ werde. Im Grunde sollte er recht behalten – und doch kam es anders.

Euro-Wechselkurs: Der gute Riecher von Goldman Sachs

Euro-Wechselkurs

Der gute Riecher von Goldman Sachs

Seit mehr als einem Jahr sagt die US-Bank die Parität vom Euro zum Dollar voraus – und galt mit dieser Position lange als wagemutig. Doch Goldman könnte schon bald Recht bekommen.

Zwar kündigte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach der monatlichen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank weitere Maßnahmen zur Stimulierung der Inflation und Konjunktur im Euro-Raum an, allem voran eine Ausdehnung des monatlichen Anleihekaufprogramms bis März 2017.

Doch den Anlegern ging das nicht weit genug. Angestachelt von den vielen Beteuerungen des EZB-Präsidenten, alles zu tun, seine geldpolitischen Ziele zu erreichen, hatten die Marktteilnehmer mit einem deutlich aggressiveren Kurs gerechnet.

Gedankenspiele: Die Optionen der EZB

Kaufprogramm verlängern

Bislang sind die Anleihekäufe bis September 2016 terminiert. Die EZB könnte sie so lange fortführen, bis ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent erreicht ist.

Kaufvolumen erhöhen

Das Volumen der Wertpapierkäufe von aktuell 60 Milliarden Euro pro Monat ließe sich anheben. Damit einzelne Staatsanleihen nicht knapp werden, könnte die EZB den Einlagenzins senken oder die Auswahl der gekauften Anleihen erhöhen.

Anleihesortiment anpassen

Die EZB könnte zum Beispiel auch Anleihen von Städten, Bundesländern oder sogar Unternehmen kaufen.

Einlagenzins senken

Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen aktuell einen Strafzins von 0,2 Prozent. Ein höherer Strafzins wäre im Rat leichter durchzusetzen. Er könnte gestaffelt werden und würde dann erst gelten, wenn die bei der EZB geparkte Liquidität einer Bank eine Obergrenze überschreitet.

Am Ende hatte sich Robin Brooks wenigstens nicht mit der Zahl geirrt: drei Prozent. Doch leider griff er beim Vorzeichen daneben. Als Reaktion auf die Enttäuschung der Börsianer auf den EZB-Entscheid schoss der Euro ganze 3,1 Prozent in die Höhe und kam auf 1,0940 Dollar.

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