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17.06.2015

14:57 Uhr

Die neue Schlacht um Waterloo

Eine Euro-Münze packt Frankreich bei der Ehre

VonThomas Ludwig

Beim Geld hört die Freundschaft auf: Das erlebt Belgien dieser Tage im Zank mit Frankreich um das Gedenken an die Schlacht von Waterloo. 200.000 Euro-Münzen erlebten deswegen ihr Waterloo – doch Belgien gibt nicht auf.

Früher ging es auf der Wiese gegeneinander, heute wird politisch über eine Münze zur Schlacht von Waterloo gestritten. ap

Nachgespielte Waterloo-Schlacht

Früher ging es auf der Wiese gegeneinander, heute wird politisch über eine Münze zur Schlacht von Waterloo gestritten.

BrüsselMit dem Gedenken ist das so eine Sache: Was dem einen tiefste Befriedigung verschafft, ist dem anderen sein Waterloo. Und wer will schon an seine Misserfolge erinnert werden? Die stolzen Franzosen zumindest nicht.

Wenn sich an diesem Donnerstag zum 200. Mal der Untergang der napoleonischen Armee im Morast unweit des Städtchens Waterloo vor den Toren Brüssels jährt, nehmen das die Belgier zum Anlass für ein spielerisches Schlachtenspektakel im Beisein ihres Königs – und für eine Euro-Münze, die die Nachbarnation bei der Ehre packt.

Das Geldstück zeigt den „Löwenhügel“, jene Erderhebung samt Denkmal, die für den Sieg der alliierten Truppen unter dem britischen Heerführer Wellington und dem preußischen General Blücher über den verhassten französischen Kaiser steht. Doch dürfen Brüder im europäischen Geiste einander so etwas antun?

Nominaler Wert 2,50 Euro, im Online-Shop für 6,00 Euro zu haben: Die umstrittene Gedenkmünze zur Schlacht von Waterloo. PR

2,50-Euro-Gedenkmünze

Nominaler Wert 2,50 Euro, im Online-Shop für 6,00 Euro zu haben: Die umstrittene Gedenkmünze zur Schlacht von Waterloo.

Nein, befand die Regierung in Paris. „Münzen mit einem Symbol, das für einen Teil der europäischen Bevölkerung negativ ist, erscheinen uns schädlich in einer Situation, in der die Regierungen der Euro-Zone sich bemühen, die Einheit und Zusammenarbeit innerhalb der Währungsunion zu stärken“, teilte sie mit, als die belgischen Pläne im Frühjahr bekannt wurden. Zeter! Mordio! Das geht gar nicht!

Doch gehören der ruhmreiche und die schmähliche Niederlage nicht zueinander wie die Seiten einer Medaille? Der Belgier lässt sich den Spaß so schnell nicht verderben. Und mit dem Franzosen, der überdies gern vorgibt, das wohlklingendere Französisch als die frankophonen Belgier zu sprechen, nimmt er es allemal zu gern auf; gerade haben die „Diable Rouge“ sogar „Les Bleus“ mit einem 4:3 zum Teufel gejagt und so ihre Rolle als Mitfavoriten für die EM 2016 in Frankreich untermauert. Noch so eine Schmach für die Grand Nation!

Ursprünglich hatte Belgiens Nationalbank anlässlich des Waterloo-Jubiläums eine Zwei-Euro-Sondermünze für den Zahlungsverkehr herausgeben wollen. Denn den Euro-Mitgliedern ist es erlaubt, Münzen mit ausgewählten Motiven auf den Rückseiten zu prägen. Allerdings können die anderen 18 Staaten der Währungsunion ein Veto einlegen – so geschehen im Fall der Waterloo-Münze von den politischen Nachfahren Napoleons.

Kommentare (5)

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Herr Kurt Küttel

17.06.2015, 17:07 Uhr

Aber Deutschland muss jedes Jahr mehrfach daran erinnert werden, dass es den 1. und 2. Weltkrieg verloren hat. Typisch

Herr Peter Rall

17.06.2015, 17:17 Uhr

Nein, es wird daran erinnert, daß es den 2.Weltkrieg begonnen hat.

Frau Kerstin Schneider

17.06.2015, 18:32 Uhr

Interessant, dass in der französischen Presse das Thema Griechenland nur eine kleine Rolle spielt - als wenn es die Grande (mit e) Nation so gar nicht betreffen würde ...

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