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24.06.2015

08:00 Uhr

Die „Teflonwährung“

Der Euro trotzt allen Sorgen

Lange schien der Euro-Kurs nur eine Richtung zu kennen: abwärts. Doch inzwischen legt der Euro zum Dollar wieder zu. Selbst der drohende Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone scheint derzeit am Euro abzuperlen.

Einige Fachleute ziehen den Vergleich zu einem Kunststoff, an dem fast alles abperlt. dpa

Der Euro als „Teflonwährung“

Einige Fachleute ziehen den Vergleich zu einem Kunststoff, an dem fast alles abperlt.

FrankfurtTotgesagte leben länger: Noch vor wenigen Monaten wurde dem Euro ein Sturz in Regionen vorhergesagt, die er bislang nur kurz nach seiner Einführung erlebt hatte. Damals sackte er auf die Parität zum Dollar – also ein Tauschverhältnis eins zu eins – und sogar darunter.

Doch selbst die Sorge vor einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion hat die Gemeinschaftswährung nicht dauerhaft geschwächt. Einige Fachleute ziehen den Vergleich zu einem Kunststoff, an dem fast alles abperlt, und sprechen von einer „Teflonwährung“. Prallt am Euro wirklich alles ab?

Alles sicher nicht. Immerhin hat der Euro zum Dollar in den vergangenen zwölf Monaten stark an Wert verloren. Seit Mitte 2014 ging es zur amerikanischen Währung um 25 Prozent nach unten – von 1,40 Dollar bis auf 1,05 Dollar. Der wichtigste Grund: Die Devisenmärkte erwarteten eine Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB), während die US-Notenbank Fed bereits die Zügel anzog und ihre Anleihenkäufe schrittweise beendete.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

Seit März kaufen die europäischen Währungshüter um ihren Chef Mario Draghi massenhaft Staatsanleihen, um sich gegen Wachstumsflaute und die schwache Inflation zu stemmen. Doch anders als von vielen Fachleuten erwartet, setzte das den Euro nicht weiter unter Druck – im Gegenteil: Die Gemeinschaftswährung hat zum Dollar wieder aufgewertet. Zurzeit kostet ein Euro 1,12 Dollar.

Ein wichtiger Grund für die unerwartete Entwicklung liegt in Europa: Vieles spricht dafür, dass der Wirtschaftsriese die Kurve bekommen hat. Nach einer langen Durststrecke zieht die Konjunktur in den meisten der 19 Euroländer an. Im Winterquartal ist die Eurozone nicht nur stärker gewachsen als die weltgrößte Volkswirtschaft USA.

Auch Großbritannien – in den vergangenen Jahren der Wachstumsstar unter den Industrieländern – wurde knapp übertrumpft. Ängste vor einer wachstumsschädlichen Deflation mit fallenden Verbraucherpreisen auf breiter Front sind vorerst passé. Resultat der wirtschaftlichen Belebung: Die Marktzinsen steigen wieder, was Anlagen im Euroraum und die Gemeinschaftswährung attraktiver macht.

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

24.06.2015, 12:48 Uhr

Immer wenn die Euro-Retter Erfolg haben (siehe Griechenland-Nachrichten) dann fällt der Euro und die anderen Märkte steigen. Es wird von Euphorie an den Märkten gesprochen!! Das sieht aber mehr nach einer Flucht aus dem Euro aus (z.B. in Aktien). Hakt es bei der Griechen-Retterei, schwups.. steigt der Euro!!! Die Kommentare der angeblichen Experten gehen an der Realität vorbei!

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