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08.08.2014

15:47 Uhr

Die Währungswette

„Draghis Schnapsidee ist schuld“

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Vor genau einem Jahr schlossen die Handelsblatt-Redakteure Jörg Hackhausen und Jan Mallien eine Wette. Der eine setzte auf den Euro – der andere auf den Dollar. Es war ein sehr enges Rennen. Nun steht der Gewinner fest.

Leichte Überhand für den Dollar: Ein Euro kostet heute weniger als 1,35 Dollar. Getty Images

Leichte Überhand für den Dollar: Ein Euro kostet heute weniger als 1,35 Dollar.

Hackhausen: Heute ist ein historischer Tag. Weißt du das eigentlich?
Mallien: Ach, jetzt wo Du es sagst: Heute vor genau 273 Jahren begann der Krieg der Hüte zwischen Schweden und Russland. Die Partei der Hüte fürchtete um Schwedens Großmachtstellung. Da haben sie Russland den Krieg erklärt.

Hackhausen: Sicherlich auch ein ganz wichtiges Ereignis, schön bei Wikipedia recherchiert. Aber du musst gar nicht so lange zurückgehen, nur ein Jahr. Stichwort: Wette.

Mallien: Richtig, wir hatten eine Wette laufen. Ich habe das in letzter Zeit nicht mehr so verfolgt.

Hackhausen: Das nehme ich dir zwar nicht ab, aber ich helfe gerne nach: Wir haben vor genau einem Jahr gewettet, was aus Euro und Dollar werden wird. Heute läuft die Wette aus.

Mallien: Du meintest, der Euro würde auf 1,20 Dollar fallen – ich habe mit einem Anstieg auf 1,50 Dollar gerechnet.

Hackhausen: Die magische Grenze liegt bei 1,35 Dollar - darüber gewinnst du, darunter ich. Und wo steht der Euro heute?

Mallien: Irgendwo in der Nähe deiner magischen Grenze.

Hackhausen: Bei 1,3349 Dollar, um genau zu sein. Du kannst mir gratulieren.

Mallien: Ach komm, ich lag fast über das gesamte Jahr vorne. Der Euro war ja schon fast bei 1,40 Dollar.

Hackhausen: Ich gebe zu: Am Ende war es knapp. Aber gute Experten zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie eine Punktlandung hinlegen.

Mallien: Ja, ja, Glückwusch. Aber wenn Mario Draghi nicht auf diese Schnapsidee mit den negativen Einlagenzinsen gekommen wäre...

Hackhausen: Dass sich Draghi etwas einfallen lässt, war so überraschend auch wieder nicht. Die Euro-Zone kommt nicht aus der Krise. Darauf muss er reagieren.

Mallien Jan

Jan Mallien, geldpolitischer Korrespondent.

Mallien: Ich glaube immer noch, dass meine Argumente langfristig ziehen. Der Euro ist unterbewertet.

Hackhausen: Das glaube ich nicht, Jan. Hast du die jüngsten Daten zur deutschen Industrieproduktion gesehen?

Mallien: Ja, die haben mich auch überrascht.

Hackhausen: Die waren verheerend. Sie zeigen, dass auch Deutschland langsam Schwierigkeiten bekommt. Die Krise ist in der Mitte Europas angekommen. Der Euro wird fallen.

Mallien: Das liegt an der Ukraine-Krise. Die verunsichert Unternehmen und Verbraucher. Und sie trifft Europa stärker als die USA.

Hackhausen: Da sind wir uns einig.

Mallien: Andererseits ist der Konflikt schon sehr eskaliert. Ich glaube nicht, dass das in den nächsten Monaten so weitergeht. Man kann nie genau wissen, aber wenn sich die Lage entspannt, hilft das dem Euro.

Kommentare (6)

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08.08.2014, 16:27 Uhr

Währenddessen in Brüssel: Bericht von Prof, Lucke (AfD)

+++ Tricks beim Feststellen der Staatsverschuldung +++

Bei der letzten Tagung des Ausschusses für Wirtschaft und Währung, berichtete der italienische Finanzminister über die Ziele der italienischen EU-Präsidentschaft. Es ist festzustellen, dass eindeutig versucht wird, die Kriterien des Stabilitätspaktes aufzuweichen. Mit verschiedenen Mechanismen wird versucht, die Staatsverschuldung kleiner aussehen zu lassen als sie tatsächlich ist.

Dafür hat die EU eine neue Definition des BIP herausgegeben, die das BIP künstlich vergrößert. Neuerdings werden Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Militär zum BIP hinzugerechnet wie auch Schattenwirtschaft, Kriminalität und Prostitution. Die Vergrößerung des BIP lässt den Schuldenstand kleiner wirken.

Ferner wird versucht, die Neuverschuldung für Investitionen in Schattenwirtschaft zu verstecken. Ein Unternehmen wird beauftragt, für Investitionen Schulden aufzunehmen, die der Staat aufnehmen würde, wenn es den Stabilitätspakt nicht geben würde. Im Gegenzug verpflichtet sich der Staat, dem Unternehmen die Staatseinnahmen abzutreten. Diese Art von Verschuldung darf von der europäischen Statistikbehörde nicht zu den Staatsschulden hinzugerechnet werden. Tricks dieser Art werden immer öfter benutzt, auch und gerade durch das deutsche Wirtschaftsministerium.

Auch werden die impliziten Schulden der Renten- und Krankensysteme nicht mitgerechnet: Zukünftige Ansprüche aus diesen Systemen werden im Schuldenstand nicht veranschlagt.

Die EU-Kommission, die bisher Empfehlungen für stabilitätsorientiertes Handeln gegeben hat, wehrt sich nicht gegen diese Vorgänge. Vielmehr unterstützt sie jetzt den Ruf nach einer flexibleren Auslegung der Regeln.

Das ist die falsche Botschaft. Sie ist die Keimzelle für eine neue Wirtschafts- und Schuldenkrise. Ich werde meine Arbeitskraft darauf ausrichten, dieser Aufweichung entgegenzutreten. ...

Herr Manfred Zimmer

08.08.2014, 16:34 Uhr

"Nun steht der Gewinner fest."

Richtig! Und Verlierer sind die Bürger, die um den Wert ihres Ersparten und um ihre Altersvorsorge gebracht wurden.

Das was die "Verantwortlichen" gemacht haben ist nichts Anderes als Exorzismus.

"Verantwortlich" deshalb in dieser Form, weil auf Nachfrage garantiert keiner verantwortlich ist. Wer sich nicht für verantwortlich hält, der darf auch nicht für zuständig erklärt werden.

Dies gilt für Draghi ebenso für Schäuble und Merkel. Alle drei haben soviel Geld der Deutschen vernichtet, dass es dafür nur in den damaligen Währungsreformen vergleichbare Beispiele gibt.

Ich darf in diesem Zusammenhang einen Spruch von Herrn Fell, forschungspolitischer Sprecher GRÜNEN/BÜNDNIS 90, aus 2003 weitergeben:

Alles nicht so schlimm wie 1949. Damals ging alles an einem einzigen Tag.

Diese Einstellung haben unsere Politiker. Wenn da jemand verlangt, diese Typen durch's Dorf zu treiben und jeden Tag einen anderen, dann fällt die Gegenargumentation schon sehr schwer.

Herr Heinz Klein

08.08.2014, 16:36 Uhr

Zitat: "Aber gute Experten zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie eine Punktlandung hinlegen."
Wäre eine Punktlandung nicht 1,200000000 Euro gewesen, Herr Hackhausen?

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