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07.03.2014

13:11 Uhr

Digital-Währung

Angeblicher Bitcoin-Erfinder streitet alles ab

Das Magazin „Newsweek“ wollte die Rückkehr seiner gedruckten Ausgabe mit einer Enthüllung feiern und präsentierte einen 64-Jährigen aus Kalifornien als Erfinder der Digital-Währung Bitcoin. Er weist jetzt alles zurück.

Dorian S. Nakamoto hat für den Bericht nur ein Lächeln übrig. ap

Dorian S. Nakamoto hat für den Bericht nur ein Lächeln übrig.

New YorkDie Suche nach dem mysteriösen Erfinder der digitalen Währung Bitcoin geht weiter. Der 64-jährige Physiker Dorian Satoshi Nakamoto, vom US-Magazin „Newsweek“ in Kalifornien als der Schöpfer der virtuellen Währung enttarnt, wies dies am Donnerstag weit von sich. Er habe vor drei Wochen zum ersten Mal überhaupt von Bitcoins gehört, sagte der in Japan geborene Nakamoto US-Medien.

Der Reporter, der plötzlich vor seiner Haustür stand, habe ihn falsch verstanden - Englisch sei schließlich nicht seine Muttersprache.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Als Name des Bitcoin-Gründers kursierte im Netz der Name Satoshi Nakamoto, allerdings hielten dies viele für ein Pseudonym oder sogar eine Bezeichnung für eine Gruppe von Programmierern. Laut „Newsweek“ heißt der Vater der Digitalwährung aber wirklich so, Satoshi Nakamoto ist demnach sein Geburtsname.

Das Magazin führte eine Reihe von Indizien auf, die für seine These sprechen, darunter Übereinstimmungen im Sprachstil, die Vorgehensweise beim Programmiercode und Hinweise von anderen Bitcoin-Entwicklern.

„Ich bin daran nicht mehr beteiligt und ich kann nicht darüber reden“, zitierte die Zeitschrift Nakamoto. „Es ist an andere Leute übergeben worden. Die tragen jetzt die Verantwortung. Ich habe keine Verbindung mehr.“ Für „Newsweek“ waren diese Worte Anzeichen genug.

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