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06.03.2014

17:00 Uhr

Digitale Währung

US-Magazin will geheimen Vater des Bitcoin kennen

Wer hinter der Digital-Währung Bitcoin steht, kann bisher niemand sagen. Spekulationen drehen sich oft um eine Hacker-Gruppe. Das Magazin „Newsweek“ will Satoshi Nakamoto nun enttarnt und in Kalifornien gefunden haben.

Aus der Bitcoin-Entwicklergemeinde kam Kritik, dass „Newsweek“ mit seinem Artikel den Mann zum Ziel potenzieller Attacken gemacht habe. dpa

Aus der Bitcoin-Entwicklergemeinde kam Kritik, dass „Newsweek“ mit seinem Artikel den Mann zum Ziel potenzieller Attacken gemacht habe.

New YorkerEin US-Magazin glaubt, den sagenumwobenen Erfinder der digitalen Währung Bitcoin gefunden zu haben. Die Person, die sich in Internetforen Satoshi Nakamoto nannte, heiße auch im wahren Leben so, berichtete „Newsweek“ am Donnerstag. Es handele sich um einen 64-jährigen gebürtigen Japaner, der schon seit seiner Kindheit in den USA lebe, als Computerexperte arbeite und Modelleisenbahn-Fan sei.

Das Magazin führte eine Reihe von Indizien auf, die auf den Mann als Vater des Bitcoin hindeuteten, darunter Hinweise aus seinem Umfeld, Auffälligkeiten im Programmcode sowie seinem Schreib- und Sprachstil. Eine definitive Bestätigung bekam jedoch auch „Newsweek“ nicht.

„Ich bin nicht mehr daran beteiligt und ich kann nicht darüber reden“, sagte der von „Newsweek“ an seinem Haus auf das Bitcoin-Projekt angesprochene Nakamoto dem Bericht zufolge. Schon zuvor hatten Medien immer mal wieder geglaubt, den Bitcoin-Erfinder enttarnt zu haben. Oft wird auch angenommen, dass eine Gruppe von Programmierern dahinter steckt.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Dem Bericht zufolge hat der Mann Physik studiert und vor 40 Jahren seinen Namen in Dorian S. Nakamoto geändert. Er habe danach an geheimen Projekten für große Konzerne und das Militär gearbeitet. Heute lebe er in einem schlichten Einfamilienhaus in Kalifornien. Das Magazin veröffentlichte sowohl ein Foto von ihm als auch von seinem Haus.

Aus der Bitcoin-Entwicklergemeinde kam Kritik, dass „Newsweek“ mit seinem Artikel den Mann zum Ziel potenzieller Attacken gemacht habe. Einer der frühen Bitcoin-Entwickler, Gavin Andresen, bedauerte öffentlich, mit dem Magazin gesprochen zu haben.

Die Grundidee der 2009 zu Zeiten der Finanzkrise gestarteten Bitcoins ist ein Zahlungsverkehr, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert. Bitcoins werden durch komplexe Rechenprozesse am Computer erzeugt. Die „Hacker-Währung“ lässt sich in reales Geld eintauschen. Ihr Erfinder soll Bitcoins im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar haben.

Von

dpa

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