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20.11.2013

14:43 Uhr

Digitales Geld

Anarcho-Währung Bitcoin wird seriös

VonChristof Kerkmann

Der Bitcoin galt bislang als Zahlungsmittel für Drogendealer und Terroristen. Jetzt lobt ausgerechnet US-Notenbankchef Ben Bernanke das virtuelle Geld. Steht die Anarcho-Währung vor dem Imagewandel?

Bitcoin-Logo in einer Bar: Die Digitalwährung gewinnt an Bedeutung. dpa

Bitcoin-Logo in einer Bar: Die Digitalwährung gewinnt an Bedeutung.

DüsseldorfWelch Ironie: Der Bitcoin entstand aus Misstrauen gegen das Finanz-Establishment. Und nun lobt ausgerechnet ein Notenbankchef das Digitalgeld. Virtuelle Währungen könnten langfristig nützlich sein, schrieb Ben Bernanke, Präsident der amerikanischen Fed – „besonders wenn die Innovationen ein schnelleres, sichereres und effizienteres Bezahlungssystem fördern“. Und eine Vertreterin des US-Justizministeriums sprach vor dem Kongress von einer „legitimen Finanzdienstleistung“.

Der Bitcoin nimmt derzeit eine erstaunliche Entwicklung. Bisher galt er als Anarcho-Währung: Entstanden als Alternative zum etablierten Bankensystem, genutzt für Drogenhandel und Geldwäsche. Auf Silkroad, dem kürzlich geschlossenen Online-Marktplatz für allerlei Illegales, war er die Leitwährung. Doch gerade mehren sich die Anzeichen, dass die digitale Devise eines Tages zu einer seriösen Währung werden könnte, nicht nur in den USA. Auch wenn sich der Bitcoin weiterhin nur bedingt als Zahlungsmittel eignet.

Das Internet-Geld wird nicht von einem Staat oder einer Zentralbank kontrolliert, sondern von Internetnutzern in komplizierten Rechenoperationen „geschürft“ – im Englischen ist vom „mining“ die Rede. Die einzelnen Einheiten bestehen aus angeblich fälschungssicheren Software-Paketen. Daran reizen die zumeist libertären Befürworter zwei Dinge: Zum einen ist die Geldmenge mathematisch begrenzt, was einen Schutz gegen Inflation bedeutet. Zum anderen werden alle Transaktionen fast anonym über das Internet abgewickelt, und zwar ohne große Transaktionskosten.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Dezentral und anonym: Es verwundert nicht, dass die Politik die Alternativwährung kritisch beurteilte. Doch jetzt beginnt ein Umdenken. Denn die US-Behörden sehen sich inzwischen dazu bereit, illegalen Transaktionen auf den Grund zu gehen. US-Behörden seien in der Lage, Schritt zu halten, sagte eine Vertreterin des Justizministeriums: „Wir konnten Protokolle und Strategien entwickeln, um damit umzugehen.“

Auch andere sprechen der Währung zumindest Potenzial zu. Zu den prominenten Befürwortern gehört beispielsweise der Online-Händler Ebay: Er kann sich vorstellen, eines Tages Bitcoin-Zahlungen anzunehmen. „Digitalwährungen werden sich zu einer sehr mächtigen Sache entwickeln“, meint Ebay-Chef John Donahoe.

Kommentare (8)

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Norbert

20.11.2013, 17:38 Uhr

Bitcoins sind die Tulpenblase 2.0. Es ist ein Ponzi-Schema. Wer den fast exponentiellen Verlauf des Kursanstiegs genauer betrachtet, sollte mit gesundem Menschenverstand erkennen, dass der Bitcoin im Hype ist, weil ein Spekulationswahn ausgebrochen ist. Alle wollen Bitcoins kaufen um schnelles Geld zu machen. Der Preis wird steigen - und zwar solange bis kein Käufer mehr bereit ist einen höheren Preis zu zahlen. Dann knallt es. Der Preis kann durchaus über 1000 Euro steigen, damals bei der Tulpenblase vor über 200 Jahren hat man für eine Tulpenzwiebel nach heutigem Stand über 80.000 Euro gezahlt. Spätestens dann wenn der Taxifahrer oder die Friseurin von nebenan über Bitcoins spricht, ist der Zusammenbruch nicht fern. Eine "Währung" die aufgrund der Zockerei ständig im Kurs schwankt, beliebig gehortet werden kann und zudem sich deflationär entwickelt ist für den Handel ungeeignet.

Anbei: wenn die US-Regierung etwas lobt sollte man sehr vorsichtig sein.

Account gelöscht!

20.11.2013, 18:59 Uhr

ich frage viel rum. NIEMAND kennt Bitcoins. Wir sind von einer Blase weit entfernt.
Ich würde mich mal mit Bitcoins beschäftigen, etwas nachdenken...

Dann versteht auch die Unterschiede zur Tulpenzwiebelblase.

Account gelöscht!

20.11.2013, 19:29 Uhr

Welcher Händler hat Interesse daran eine "Währung" für tatsächlich erbrachte Leistungen entgegen zu nehmen die innerhalb von wenigen Tagen um 30% an Wert verliert nachdem sie vorher innerhalb von Wochen von 120$ auf 900$ gestiegen ist ? Da sind Simbabwe Dollars ja besser zu kalkulieren ...

Im Moment ist das nur ein Spekulationshype wie bei Pennystocks, der durch den Einstieg der Chinesen noch angeschoben wurde.
Hat man Bitcoins an den falschen überwiesen ist die Kohle futsch es sei denn derjenige erklärt sich gnädigerweise bereit sie irgendwie zurück zu erstatten.

Einkaufen kann man damit aus oben beschriebenen Gründen auch nichts relevantes, welcher Händler ist schon so bescheurt sich solchen Schwankungsrisiken auszusetzen ?

Das Ganze ist derzeit nur ein Spekulationshype bei dem jeder versucht einen noch dümmeren zu finden der einem den Bitcoin zu einem Mondkurs abkauft.
Trotz vielleicht gutem Ansatz von einer seriösen Währung noch meilenweit entfernt.

Bis dahin werden einige reich der Rest schaut in die Röhre.

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