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09.10.2012

15:19 Uhr

Dimitri Speck im Interview

„Ohne Spekulanten wäre der Hunger größer“

VonFrank Doll
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Rohstoffexperte Dimitri Speck erklärt dem Interview, warum der Vorwurf, Spekulanten würden die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben, eine Mär ist. Und warum die Rohstoffpreise dennoch so stark schwanken.

Kinder vor ihrem Haus in Mali. Der Norden des Landes wird von Armut und Hunger geplagt. Tragen Spekulanten zum Hunger bei? dapd

Kinder vor ihrem Haus in Mali. Der Norden des Landes wird von Armut und Hunger geplagt. Tragen Spekulanten zum Hunger bei?

WirtschaftsWoche: Herr Speck, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück fordert ein Verbot von Investmentprodukten, die die Preise von Agrarrohstoffen abbilden. Sie dienten vorwiegend der Spekulation. Mit den zunehmenden Beträgen, die Finanzanleger an den Terminmärkten in Rohstoffkontrakte investiert haben, sind die Nahrungsmittelpreise tatsächlich nach oben gegangen. Sie bestreiten, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Wie kommen Sie darauf?
Dimitri Speck: Es gibt den Zusammenhang nicht. Derzeit etwa verabschiedet sich eine Bank nach der anderen wegen des öffentlichen Drucks aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen. Es gibt kaum noch Mittelzuflüsse, aber die Agrarpreise sind weiter gestiegen.

Spürbar abgenommen haben die investierten Summen aber auch nicht.
Die Größenordnung der investierten Beträge an den Terminmärkten relativiert sich, wenn man die Größe des Gesamtmarkts betrachtet. Bei Weizen etwa liegen sie bei fünf Prozent der Weltjahresernte. Ich bestreite ja nicht, dass seit 2005 gewaltige Summen in die Rohstoffmärkte geflossen sind. Die Finanzanleger, die an den Terminmärkten Rohstoffanlagen kaufen, also neben institutionellen Investoren auch Privatanleger, die etwa Zertifikate auf Weizen kaufen, sind aber nicht für die steigenden Preise verantwortlich. 2006 gab es hohe Mittelzuflüsse in die Rohstoffmärkte, die Preise aber liefen seitwärts. Hingegen stiegen die Preise 2007 bei abnehmenden Mittelzuflüssen. Und während des Preiseinbruchs 2008 kam es kaum zu Abflüssen.

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Und von 2009 an?
Da war tatsächlich bis Anfang 2011 ein Gleichlauf zu erkennen. Das war aber einer gemeinsamen Ursache, dem Fluten mit Zentralbankgeld, geschuldet. Das hat sowohl die Anlagemärkte belebt als auch die physische Nachfrage nach Rohstoffen durch die Erholung der Weltkonjunktur.

Die Kritiker leugnen nicht, dass es fundamentale Gründe für einen Preisanstieg gibt, bei Nahrungsmitteln etwa das Wachstum der Weltbevölkerung und begrenzte Anbauflächen. Diese Faktoren aber wirkten langfristig und könnten das Tempo und die Höhe der Preisanstiege nicht erklären. Dafür seien Finanzanleger verantwortlich.
Wenn dem so wäre, dann frage ich mich, warum Notenbanken nicht einfach am Terminmarkt als Verkäufer auftreten. Der Hunger wäre besiegt, und die Inflation ließe sich so auch bekämpfen. Im Ernst, die Argumentation der Kritiker ist schwach. Sie sehen die Schuld der Investoren als bewiesen an, weil sie keine andere Erklärung für die Preissteigerungen haben. Preisblasen können sich aber auch ganz ohne Investoren an den Terminmärkten bilden.

Sechs Fakten über die Rohstoffmärkte

Viel Verbrauch...

Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.

...und wenig Angebot

Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.

13 Prozent

beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft. Die rohstoffhungrige Volksrepublik ist auf dem besten Wege die größte Handelsnation der Welt zu werden.

40 Prozent

der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.

30 Prozent mehr

als vor drei Jahren kosten nach Angaben des Food Price Index der Uno unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.

465 Prozent Gesamtrendite

konnten Anleger mit Aktien auf Goldminen seit 2002 einfahren.

Wo zum Beispiel?
Nehmen Sie Rhodium, das zum Beispiel für Katalysatoren gebraucht wird. Dessen Preis hatte sich, obwohl es überhaupt keinen Terminmarkt für Rhodium gibt, binnen fünf Jahren bis Mitte 2008 etwa verzwanzigfacht. Anschließend platzte die Preisblase binnen weniger Monate.

Kommentare (12)

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popper

09.10.2012, 16:19 Uhr

Hier spricht kein Rohstoffexperte, sondern ein Lobbyist. Schon das erste Statement ist verlogen und absurd, so wie das meiste, was danach kommt. Glaubt Herr Speck, die Leute sind so saudumm, dass sie nicht wissen, wohin die Reise geht. Auch wenn DWS, x-trackers, DB premium oder Power Shares drauf steht, ist Deutsche Bank drin. Die meisten Deutsche Bank-Fonds sind in Luxemburg und Delaware angesiedelt - auch in diesem Geschäft bauen die Banken auf die Diskretion der Schattenfinanzplätze. Insoweit ist der Hinweis auf einn Rückzug purer Volksverdummung.

kleinerhobit

09.10.2012, 16:51 Uhr

Es wäre gut, wenn zu diesem Thema auch andere Stimmen im Handelsblatt zu Wort kämen, wie z. B. Dirk Müller. Ansonsten kann ich popper nur ausdrücklich zustimmen!

TJRemington

09.10.2012, 16:56 Uhr

Dann erzählen sie mal was so "verlogen und absurd, so wie das meiste, was danach kommt" ist. Ich gehe davon aus, dass sie fachlich Nichts von dem gesagten widerlegen können.

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