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01.01.2010

09:00 Uhr

Dollar

Das Vertrauen hat Kratzer bekommen

VonChristian Panster

Um einen Zusammensturz ihres Bankensystems zu verhindern, druckten die Amerikaner immer neue Dollars, machten neue Schulden und entwerteten damit ihre Währung. Zu Rohstoffwährungen und dem Euro hat der Dollar im vergangenen Jahr an Wert verloren. Nun scheint der Status als Weltwährung bedroht.

Das Vertrauen in den Dollar hat in diesem Jahr Kratzer bekommen. Sein Status als Leitwährung scheint bedroht. Reuters

Das Vertrauen in den Dollar hat in diesem Jahr Kratzer bekommen. Sein Status als Leitwährung scheint bedroht.

FRANKFURT. Vielleicht wird der 9. Juli des zu Ende gehenden Jahres in die Geschichtsbücher eingehen. Vor den Mikrofonen steht ein unscheinbarer Mann. Asiate, große Brille, milde Gesichtszüge. Dai Bingguo ist sein Name, chinesischer Staatssekretär. Auf dem Gipfel der mächtigsten Länder der Welt (G-8) in L?Aquila vertritt er Staatspräsident Hu Jintao, weil der tags zuvor wegen Unruhen in der Provinz Xinjiang abgereist ist.

Bingguo wählt seine Worte mit Bedacht. "Wir sollten ein besseres System für die Ausgabe und Regulierung von Reservewährungen haben", sagt er. Das sitzt. Es ist der bislang direkteste Angriff der Chinesen auf die Amerikaner und ihre Währung.

Das Vertrauen in den Dollar hat in diesem Jahr Kratzer bekommen. Da nützt es auch nichts, dass die US-Währung kurz vor der Jahreswende noch einmal kräftig zulegt. Zu den Rohstoffwährungen, aber auch zum Euro hat der Dollar 2009 unter dem Strich an Wert verloren. Auf lange Sicht, so scheint es, ist sein Status als Weltwährung bedroht.

Als Lehman Brothers im September letzten Jahres zusammenbrach, machten die USA keine halben Sachen. Milliarden Dollars wurden lockergemacht, um die Banken und Versicherer zu stützen - koste es, was es wolle. Die Angst vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems war zu groß, als dass man zaghaft hätte vorgehen können.

Der Preis der Rettung ist hoch

Dazu warf die Notenbank Federal Reserve (Fed) die Notenpresse an. Die Finanzmärkte wurden mit Milliarden frischer Dollars geflutet; der Leitzinssatz sank auf faktisch null Prozent. Geld für umsonst. Die Banken nahmen die Geschenke dankbar an und sanierten ihre maroden Bilanzen. Das Schlimmste wurde abgewendet; so sieht es zumindest aus heutiger Sicht aus.

Der Preis der Rettung aber ist hoch: Der Schuldenberg der USA wächst und wächst und wächst und... Selbst Ben Bernanke, der oberste Währungshüter ist in Sorge. Wenn die USA ihr Haushaltsdefizit nicht unter Kontrolle brächten, sei die Zeit des Greenbacks als Leitwährung bald abgelaufen, sagte er vor kurzem.

Die Parteibosse in Peking reagieren zunehmend nervös. Die laxe Finanzpolitik der Amerikaner missfällt den Chinesen, auch wenn viele Experten davon überzeugt sind, dass die US-Strategie letztlich ohne echte Alternative ist. Aber mit jedem Dollar, den die US-Notenbank druckt, verlieren die Dollars, die schon im Umlauf sind, an Wert.

Und davon gibt es viele, insbesondere in Fernost: Umgerechnet zwei Billionen Dollar haben die Chinesen in den vergangenen Jahren an Devisenreserven angehäuft, die meisten Scheine davon in der US-Währung. Bei keinem anderen Land sind die Amerikaner so hoch verschuldet - China hat US-Anleihen im Wert von rund 800 Milliarden Dollar im Tresor. Mehr noch als die Japaner. Je schwächer der Dollar, umso teurer wird es für die Asiaten.

Kommentare (3)

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Herbert_F

01.01.2010, 13:55 Uhr

Aus amerikanischer Sicht ist das Vorgehen absolut verständlich. Die Deutschen kaufen faule immobilienkredite, Japaner und Chinesen kaufen Staatsanleihen - den amerikanischen "Traum" zahlen andere. Das hat es in der amerikanischen Finanzgeschichte schon öfters gegeben.

weekly.economics

02.01.2010, 13:07 Uhr

niemand zwingt die chinesische und japanische Zentralbank, riesige Dollarbestände anzuhäufen. Würden diese ihre Währungen nicht künstlich unterbewertet halten, wäre das garnicht notwendig. Es ist ja nicht so, dass die Chinesen und Japaner (und viele andrere asiatische Staaten) das aus Nächstenliebe machen, sondern weil sie ihren Exporten dadurch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Also haben beide mittelfristig garkein großes interesse die Leitwährungsfunktion des Dollars anzutasten. Denn das würde a) den Wert ihrer Devisenbestände reduzieren und b) die Exporte in die USA teurer machen. Und sollten die asiatischen Zentralbanken eines Tages keine US-Staatsanleihen mehr kaufen, führte dies zu einem beträchtlichen Zinsanstieg, der wiederum andere investoren (auch US-Amerikaner) zum Kauf amerikanischer Anleihen bewegen würde.

Johann_K

03.01.2010, 12:16 Uhr

@Herbert_F "....den amerikanischen "Traum" zahlen andere"

Diese antiamerikanischen Reflexe nerven irgendwann nur noch. Gerade die Europäer können ganz bequem den USA den schwarzen Peter zuschustern wenn es um 'Aggression'oder 'mangelnde Diplomatie' geht. ist immer wieder interessant zu sehen wenn die Leute die 'Kein blut für Öl schreien' das gr0ße Heulen anfangen, wenn die benzinpreise um ein paar Cent steigen. Der Europäische Debattierclub besteht doch nur, weil man sich hier der amerikanischen militärischen Hilfe sicher sein kann, wenn das Appeasement mal wieder nicht funktioniert...

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