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26.04.2011

12:01 Uhr

Dollar-Taumel

Angst vor dem amerikanischen Infarkt

VonIngo Narat

Eigentlich galt der Dollar als Weltleitwährung, doch die Anleger werden misstrauisch und flüchten aus der amerikanischen Währung. Experten warnen nun, dass viele auch den US-Staatsanleihen den Rücken zuwenden könnten.

Die Furcht vor einem fiskalpolitischen Kollaps drückt den Kurs des Dollars. Quelle: Reuters

Die Furcht vor einem fiskalpolitischen Kollaps drückt den Kurs des Dollars.

Sah es am Ostermontag noch so aus, als könnte der Dollar seine Talfahrt vorübergehend stoppen, hat sich das Bild heute schon wieder gedreht. Zum Schweizer Franken fiel die US-Währung am Morgen auf ein Allzeittief, zum Yen nähert er sich wieder der kritischen Marke von 80 Yen je Dollar. Und auch der Euro zeigt im Verhältnis zur US-Währung Stärke. Am Mittag kostete ein Euro mehr als 1,4650 Dollar - mehr als ein Cent als am Vortag und so viel wie seit Dezember 2009 nicht mehr.

Händler am Devisenmarkt begründeten den jüngsten Schub mit einer hohen Nachfrage bei einer Auktion spanischer Geldmarktpapiere. Wichtiger als die kurzfristige Nachricht ist aber der übergeordnete Trend. Und der ist eindeutig Dollar-negativ. Zu groß ist die Skepsis der Märkte gegenüber der amerikanischen Fiskalpolitik.

Was viele Investoren umtreibt, bringt Marc Faber drastisch auf den Punkt: Der Dollar sei nichts wert. Die Banknoten mit den Konterfeis der amerikanischen Präsidenten seien nur "Konfettiwährung", sagt der als Querdenker mit Vorliebe für radikale Meinungen bekannte Vermögensverwalter. US-Staatsanleihen könne man abschreiben.

Faber hat sein vernichtendes Urteil schon vor einiger Zeit gefällt. Aber irgendetwas muss dran sein. Auch die Ratingsagentur S & P rügte nun die amerikanische Regierung, sie möge sich am Riemen reißen und den Haushalt sanieren. Zu viele Schulden sind schlecht für die Bonitätsbewertung der US-Staatsanleihen (Treasuries) und damit auch schlecht für den Dollar. "Ihrer beider Schicksale sind untrennbar verbunden", sagt der bekannte deutsche Vermögensverwalter Hendrik Leber. Für den Chef der unabhängigen Anlagefirma Acatis ist klar: "Die USA sind nicht kreditwürdig. Das ist der Anfang vom Ende - auch der Beginn des Rückzugs internationaler Investoren aus den Treasuries."

Die Schar der Kritiker wächst. Vor allem die Schar unabhängiger Kritiker, die sich eine solche Meinung leisten können. Den größten Wirbel macht indes Bill Gross, Chef der weltgrößten Anlagefirma für Anleihen, Pimco. Auch wenn Pimco mit der Versicherung Allianz formal eine Mutter hat: Gross und Pimco haben mit ihrer eigenen Meinung nie hinter dem Berg gehalten. Bond-Guru Gross hat in seinen Fonds längst keine US-Staatsanleihen mehr. Er wettet jetzt sogar auf fallende Anleihekurse. Und der Dollar scheint die wachsenden Zweifel in die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität der USA bereits widerzuspiegeln. In nur knapp einem Jahr stieg der Euro spiegelbildlich von knapp 1,20 auf über 1,46 Dollar - so billig war der Dollar zuletzt Ende 2009.

An den internationalen Devisenmärkten regieren Großanleger verschreckt auf die enorme Verschuldung der USA, und sie melden sich deutlicher zu Wort. Es sind milliardenschwere Pensionskassen und Notenbanken. An vorderster Front machen die Chinesen mobil. Von ihren gewaltigen Devisenreserven stecken allein knapp 1,2 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen. Deshalb mahnen auch die Pekinger Machthaber, US-Präsident Barack Obama möge doch bitte die auswuchernde Schuldenlast begrenzen. Ansonsten würden über einen schwindsüchtigen Dollar und über fallende Anleihekurse auch ihre Vermögenswerte bröckeln.

Ob die Amerikaner das hinbekommen, hängt nicht nur von gutem Wirtschaftswachstum ab. Mitentscheidend ist ein erfolgreicher Sanierungskurs für den Haushalt. Da sieht es bisher bitter aus. Für das laufende Jahr ist ein Defizit von unglaublichen 1,7 Billionen Dollar geplant. Jetzt wollen die Parteien nach großem Gerangel gerade einmal mickrige 38 Milliarden Dollar sparen. "Die US-Politik ist momentan unfähig, sich auf langfristige und substanzielle Sparpläne zu einigen", kritisiert Christian Juchem, Leiter Wirtschaftsanalyse bei UBS Global Asset Management.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.04.2011, 09:25 Uhr

Unsere ganze Finanzwirtschaft ist auf einem Casino-Spiel aufgebaut.
Der Dumme ist der kleine Mann der regelmäßig abgezockt wird, wie wir die letzten paar Jahren wieder erleben konnten. Nichts ist auch nur einigermaßen berechenbar, was aber für die breite Masse zur Sicherung der existenzen unbbedingt notwendig wäre.
Ein einziges Ping-Pong-Spiel. Wie soll sich da jemand noch für das Alter, für schlechtere Zeiten und risiken vorsorgen? Was immerm egal wo einbezahlt wird, ist der Vernichtung preisgegeben. Das holen sich die Finanzbosse.
ein Trauerspiel. Mit solider Wirtschaft hat das nichts mehr zu tun. Mit Marktwirtscahft schon gar nicht.
man sieht wieder, die Bürger werden verscheissert nach Strich und Faden. Diejenigen, die rackern und sparen, werden regelmäßig um ihr Geld betrogen. So wird es auch heute wieder sein, nur noch eine Frage der Zeit.
Unsere Verantwortlichen sind nicht in der Lage, eine einigermaßen stabile Wirtschaft und Geldpolitik zu schaffen. Die Banken - die Finanzhaie fressen alles auf und der Staat schaut zu. Der Normalbürger hat weder die Kenntnisse noch die Informationen um da in diesem Casino bestehen zu können.
Fazit. Die Masse spart und zahlt ein- eine kleine Elite- 10 %-- reissen das an sich und deklariert das auch noch als alternativlos- unvermeidbar.
Keiner könnte mit ehrlicher Arbeit -ohne Betrug--Milliarden hamstern-viele Millionen im Jahr verdienen.
Es wird doch nur eingesammelt, was andere ansammeln, dandurch Betrug beschlagnamt.
Das funktioniert aber nicht ewig. Irgendwann ist die weide abgegrast, dann kommt der nächste Kollaps .Dann wird es lustig- warten wir es ab. Nichts hat sich geändert, es war so-ist so-bleibt so.
Der normale Bürger lernt ebenfalls nichts dazu.immer wieder füttert er diese Geier mit seinem hart verdienten Geld. Andernfalls wäre dieses Glücksspiel-Casino gar nicht möglich. nichts anderes ist das, was wir als Finanz-Wirtschaft bezeichnen.

wernermiro

28.04.2011, 12:21 Uhr

Danke,Du sprichst mir aus der Seele!100 % Zustimmung zu
Deiner Analyse.

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