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07.04.2015

10:48 Uhr

Dollar versus Euro

Die Währungswette geht weiter

Zuletzt hat der Dollar gegenüber dem Euro wieder nachgegeben. Devisenstrategen sehen darin aber nur die Ruhe vor dem Sturm: Bis zum Jahresende könnte ein Dollar teurer sein als ein Euro. Das nährt weitere Spekulationen.

Bis Jahresende könnte ein Dollar teurer sein als ein Euro. AFP

Wechselkurs

Bis Jahresende könnte ein Dollar teurer sein als ein Euro.

New YorkDer Dollar hat gegenüber dem Euro 4,1 Prozent verloren, seit er im März ein Zwölf-Jahres-Hoch erreicht hatte. Am Dienstag steht kostet ein Euro wieder 1,0936 Dollar. Die Mini-Abwertung war von Spekulationen ausgelöst worden, dass die Federal Reserve mit einer Anhebung der Zinsen noch warten wird – unter anderem, weil die Dollarstärke das US-Wirtschaftswachstum dämpft. Diese Sorge sei übertrieben, erklärte ING.

„Der Markt preist ein sehr langsames Tempo bei den Erhöhungen ein – wir sind anderer Ansicht“, sagte Petr Krpata, Devisenstratege bei ING in London. „Wir sehen die jüngste Korrektur lediglich als perfekte Gelegenheit an, wieder einzusteigen.“

Auch nach der jüngsten Korrektur hat der Dollar seit Mitte 2014 gegenüber allen wichtigen anderen Währungen zwischen 3,6 Prozent und 30 Prozent gewonnen. Die Fed plant eine Anhebung der Zinsen, während Zentralbanken von Europa bis Japan ihre Stimuli verstärkt haben. Nachdem Fed-Vertreter im März ihre Prognosen für Zinsanhebungen zurückgenommen und auf die exportdämpfende Wirkung der Währung hingewiesen hatten, wurde der Trend jedoch gestoppt.

ING erwartet, dass die Fed noch dieses Jahr die Zinsen anhebt, auch wenn eine Studie von 3. April gezeigt hat, dass der Stellenzuwachs in den USA im März der geringste seit Dezember 2013 war. Den Dollar gegenüber dem Euro zu kaufen sei die aussichtsreichste Wette an den Devisenmärkten, so ING.

Die Bank aus Amsterdam hatte als eine der ersten prognostiziert, dass das Devisenpaar dieses Jahr die Parität erreichen wird. Es wäre das erste Mal seit mehr als zehn Jahren. „Der stärkere Dollar muss nicht unbedingt etwas an den Konjunkturaussichten der USA ändern“, sagte Krpata, der gemeinsam mit Devisenchef Chris Turner für die Prognosen von ING verantwortlich ist.

Wichtige Begriffe in der griechischen Schuldenkrise

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Graccident

Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

T-Bill

Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist - gemessen an der Wirtschaftsleistung - der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Laut Daten der Weltbank trägt der Export nur 14 Prozent zur US-Wirtschaft bei. Das ist der geringste Anteil unter den G10- Staaten. In Kanada liegt der Anteil bei 30 Prozent, in Deutschland bei 46 Prozent und in den Niederlanden und Belgien bei über 80 Prozent.

ING erwartet, dass der Dollar bis Jahresmitte die Parität erreicht und bis zum 31. Dezember bei 0,95 Dollar je Euro liegen wird. Die Median-Erwartung von 69 Strategen aus einer Bloomberg-Umfrage liegt dagegen für das Jahresende bei 1,05 Dollar.

Kommentare (1)

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Herr Thomas Ebert

07.04.2015, 13:53 Uhr

Der Dollar könnte..., oder kräht der Hahn auf dem Mist....!
Der Dollar ist sehr von der Politik in den USA abhängig. Ohne regelmäßige Erhöhung des Verschuldungsrahmens sind die USA pleite. Sicher anders als Griechenland, da es in den Staaten nicht an Geld mangelt, sondern am politischen Willen dieses Geld über Steuern zu sozialisieren. Bislang haben Senat und Kongress immer in letzter Minute eingelenkt, ob das aber ewig so weitergeht? Was passiert wenn der Atomkompromiss mit dem Iran scheitert und sich Iran, Russland, Venezuela und andere Erdöllieferanten auf eine Fakturierung in Yuan einigen?
Wenn wir einzig die Entwicklung der Zinsen zugrunde legen, dann ist das angesprochene Szenario im Bereich des möglichen. Alles andere wissen wir nachher (besser).

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