Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2012

17:27 Uhr

Drohungen von S&P

Angst vor Herabstufung lässt Euro abstürzen

Erst enttäuschte die Anleiheauktion in Italien, dann wurde auch noch eine kurzfristig anstehende Rating-Herabstufung der Euro-Zone bekannt: Gift für den Euro, der nach ersten Gewinnen am Morgen über ein Prozent verlor.

Nach zwischenzeitlichen Gewinnen ging es für den Euro wieder bergab. dpa

Nach zwischenzeitlichen Gewinnen ging es für den Euro wieder bergab.

DüsseldorfZum Ende der Woche kehrt sich das Zeichen für den Euro wieder um. Am Freitag kletterte die Gemeinschaftswährung in den frühen Stunden auf ein Tageshoch von 1,2878 Dollar, stürzte dann aber bis aus 1,2625 Dollar ab. Die Gründe dafür war zunächst die Enttäuschung der Investoren über die italienische Bond-Auktion und Gerüchte, dass die Ratingagentur S&P mehrere Euro-Länder noch am Abend herabstufen wolle. Die Anleger zogen sich lieber wieder aus dem Euro zurück. „Einige hatten nach dem Super-Auftakt gestern wohl auf eine ähnliche Überraschung gehofft“, sagte ein Händler über die jüngsten Anleiheauktionen. „Diese Erwartungen wurden jetzt enttäuscht, aber alles in allem kann die Auktion als Erfolg gewertet werden.“

Für Unruhe an den Märkten und weitere Verluste für den Euro sorgte am Nachmittag die Meldung, dass mehrere Länder der Euro-Zone laut Angaben einer Euro-Regierung unmittelbar vor einer Herabstufung ihrer Bonitätsnote durch die amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) stünden. In Regierungskreisen hieß es, die Ratingherabstufung durch S&P sei noch am Freitag zu erwarten. Welche Länder betroffen sein würden, war zunächst unklar. In den Kreisen hieß es jedoch, Deutschland sei nicht darunter. Zuletzt lag der Euro knapp unter 1,27 Dollar. Damit wurden die Gewinne, die der Euro im Wochenverlauf erzielt hatte, gleich wieder vernichtet.

Positiv hatte sich diese Woche etwa die Entscheidung des EZB-Präsidenten Mario Draghi ausgewirkt, den Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent zu blassen. Allerdings ließ er die Tür für spätere Zinssenkungen offen. „Die Wirtschaft wird sich 2012 wieder stabilisieren, wenn auch nur schrittweise“ und auf niedrigem Niveau, hatte Draghi nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt am Main gesagt. Rückschläge könnten nach wie vor nicht ausgeschlossen werden.

Zwischenzeitliche Kursanstiege waren außerdem der erfolgreichen Versteigerung spanischer Staatsanleihen und italienischer Geldmarktpapiere zu verdanken. Die Auktion habe für Entspannung in der Schuldenkrise gesorgt und dem Euro Auftrieb verliehen, hieß es in einem Kommentar der Landesbank Hessen-Thüringen.

Das wegen hoher Staatsschulden unter Druck stehende Italien hatte mit den Geldmarktpapieren am Donnerstag zwölf Milliarden Euro eingenommen. Das ebenfalls schuldengeplagte Spanien konnte mit seinen Staatsanleihen zehn Milliarden Euro erlösen - doppelt so viel Geld wie geplant und das zu niedrigeren Zinsen als bei vergangenen Auktionen. Beide Euro-Staaten konnten ihre Anleihen zu relativ günstigen Konditionen am Markt unterbringen.

Der Auftrieb für den Euro war nötig gewesen: Am Mittwoch war die europäische Währung mit 1,26 Dollar auf den niedrigsten Stand seit 16 Monaten abgesackt. Von der 1,40-Dollar-Marke ist der Euro jedoch noch weit entfernt. Zuletzt hatte die Einheitswährung diese Marke im November geknackt. Seitdem zeigt die Kursentwicklung nur kurze Verschnaufpausen auf dem Weg nach unten. Allein in den vergangenen vier Wochen verlor der Euro gut 3,5 Prozent zum Dollar.

Die leichte Entspannung in der europäischen Schuldenkrise ließ den Euro zunächst auch zum Yen zulegen. Am Freitagvormittag lag der Kurs bei 98,48 Yen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.01.2012, 11:43 Uhr

So etwas kann man auch nur den stupid Germans verkaufen.
Die Bankster erhalten 500 Milliarden Euro zinslos von der EZB und kaufen mit ein paar Milliarden davon Toilettenpapier von den PIIG(F)S. Wo ist die Pointe?
Oder anders gefragt, hält man das Volk wirklich für so dumm?

All diese Finanzhilfen sind demokratisch in keiner Weise legitimiert. Sie verletzen die Grundrechte der Deutschen ebenso wie europ. Verträge. Art.38 des deutschen GG schützt uns vor Rechtsakten, die von den Verträgen der Europ. Union nicht gedeckt sind. Das gilt insbesondere auch für die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Das ist nicht zulässig. Das ist Hochverrat!!

Die Anleihekäufe der EZB werden nicht mehr von der linken Tasche vorgenommen, sondern von der rechten, die zuvor mit neuen Schulden gefüllt wurde. Sperrt diese Jungs und Mädels von der EZB in die Klapsmühle, da können sie keinen Schaden mehr anrichten und unser Erspartes vernichten!! Oder wartet man darauf, dass das Volk für Recht sorgt, wie anno 1789 in Franreich?

Account gelöscht!

13.01.2012, 16:17 Uhr

Entspannung in der Schuldenkrise? Inwiefern? Das Handelsblatt gehört eben auch zur Verbreitung der Staatspropaganda. Euroideologisch vergiftet und als "europäisches Projekt" verbrämt.
Ich werde mir viele Dinge als Chronist merken. Es geht zu wie im Dritten Reich, was die Berichterstattung betrifft, oder wie im Sozialismus früher im Osten.

Account gelöscht!

13.01.2012, 17:08 Uhr

Ein fallender Euro hilft uns in Deutschland am meisten, weil wir am exportstärksten sind. Ein billiger Euro wird erst bei Parität zum Problem. Wenn der Euro gegenüber dem Pfund und dem Yen auch noch Schwäche zeigt, dann schützt uns das auch vor Importen.
Bei den rezessiven Tendenzen in Asien und Europa hilft das die Produkte aus dem Euroraum zu verbilligen. Die Audis und BMWs werden für Engländer, Chinesen und Amerikaner billiger. Der Maschinenbau wird für Investoren in Fremdwährungsländern attraktiver. Ein Trost, wenn da nicht der überbordende Staatverschuldungsmolloch über uns hinge.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×