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29.09.2016

16:35 Uhr

Drosselung der Ölproduktion

Russland lässt die Opec zappeln

VonAndré Ballin

Große Überraschung an den Märkten: Die Opec will ihre Förderung drosseln, der Ölpreis steigt. Doch der Fördergigant Russland, der derzeit neue Produktionsrekorde aufstellt, hat noch nicht zugestimmt. Aus gutem Grund.

Im September ist die tägliche Durchschnittsförderung auf 11,1 Millionen Barrel gestiegen – der höchste Wert in der postsowjetischen Ära. dpa

Öl- und Gasproduktion in Russland

Im September ist die tägliche Durchschnittsförderung auf 11,1 Millionen Barrel gestiegen – der höchste Wert in der postsowjetischen Ära.

MoskauDoppelter Grund zur Freude beim russischen Finanzministerium: Während die Ölpreise aufgrund der Opec-Einigung über eine Drosselung der Petrolproduktion nach oben gehen, strebt Russland selbst einem Rekordergebnis entgegen. Im September ist die tägliche Durchschnittsförderung auf 11,1 Millionen Barrel gestiegen – der höchste Wert in der postsowjetischen Ära.

Das geht aus den vorläufigen Zahlen des russischen Energieministeriums hervor. Lediglich 1987 war das Förderniveau mit 11,4 Millionen Barrel pro Tag höher.

Die größten Erdölproduzenten (2016)

Opec als größter Rohölproduzent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellt mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit. Ihre 14 Mitgliedsstaaten sitzen auf mehr als 70 Prozent aller Ölreserven.

Quelle: dpa

Opec II

Laut einer Analyse des Energiekonzerns BP produzierte die Opec 2014 knapp 37 Millionen Barrel Öl und verwandte Produkte am Tag. Weltweit wurden 89 Millionen Barrel am Tag produziert. Die Größten Ölproduzenten im Überblick:

USA

12 Millionen Barrel

Saudi-Arabien

Zwölf Millionen Barrel

Russland

Elf Millionen Barrel

China

Vier Millionen Barrel

Kanada

Vier Millionen Barrel

Gegenüber dem August bedeutet das Ergebnis eine Steigerung von 400.000 Barrel pro Tag. Kein Wunder, dass Energieminister Alexander Nowak, der der Opec-Sitzung beiwohnte erklärte, für Russland sei das Einfrieren der Förderung auf September-Niveau die optimale Lösung. „Die Frage ist verhandelbar. Wir wollen natürlich, dass alle Länder, die sich am Einfrieren beteiligen, zufriedengestellt werden. Für uns ist das auf dem derzeitigen Niveau am vorteilhaftesten“, sagte er.

Russland hat sich der Einigung bislang noch nicht angeschlossen. Während Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag nicht Moskaus Bereitschaft zur Drosselung der Ölförderung kommentieren wollte und die Frage an das Energieministerium verwies, bezeichnete der Experte des russischen Öl- und Gasförderverbands Rustam Tankajew die Wahrscheinlichkeit als hoch, dass sich Russland der Einigung anschließt. Wahrscheinlichster Zeitpunkt ist das nächste Opec-Treffen im November.

Ölpreis: Schaukelspiel der Opec

Ölpreis

Schaukelspiel der Opec

Die Opec einigt sich auf eine Begrenzung der Fördermengen und die Märkte reagieren euphorisch. Doch ob sich das Ölkartell dazu am Ende tatsächlich durchringt, ist noch keine ausgemachte Sache.

Nowak selbst betonte allerdings, Moskau werde seine Entscheidung im Hinblick auf die aktuelle Marktsituation treffen. Im Klartext: Steigen die Ölpreise jetzt stark an, wird sich Russland das Einfrieren wohl noch einmal überlegen. Tankajew geht freilich davon aus, dass der Ölpreis sich durch die Einigung allenfalls stabilisiert, aber nicht durch die Decke geht. „Höher als 55 Dollar wird es kaum gehen“, sagte er.

Kommentare (2)

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Herr Tom Schmidt

29.09.2016, 17:25 Uhr

sieht so aus, als ginge der Ölpreiskrieg zu Gunsten Russlands aus. Russland wird auch im Nahen Osten präsent bleiben und Saudi Arabien wird erst einmal davon Abstand nehmen müssen, ein sunnitisches Kalifat zu führen...

Herr Holger Narrog

30.09.2016, 08:58 Uhr

Russlands Wirtschaft hängt sehr wesentlich vom Erdöl/Erdgas (Erdgaspreis ist an Erdölpreis gebunden) und dem Export anderer Rohstoffe ab. Somit wäre eine OPEC Mitgliedschaft Russlands konsequent. Das Verhalten Russlands, die steigende Förderung, trägt massgeblich zu dem zusammengebrochenen Erdölpreis bei.

Der Zusammenbruch des Erdölpreises hat Russland wahrscheinlich veranlasst den Ukrainekrieg auf Sparflamme zu setzen und zahlreiche Aktivitäten im Inland einzustellen. Ich gehe davon aus, dass der niedrige Erdölpreis das grösste Übel im Sinne Putins darstellt.

Insofern wäre ein steigender Erdölpreis sehr im Interesse Russlands. Es würde mich nicht erstaunen wenn hinter den Kulissen Druck auf Russland ausgeübt wird zumal selbst Iran und Saudi Arabien unter dem Druck der ausgefallenen Einnahmen näher zueinander finden.

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