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11.04.2011

15:00 Uhr

Duell der Hardliner

„Wir müssen den Geldhahn wieder zudrehen“

VonJörg Hackhausen

Ist Europa noch zu retten? Über diese Frage haben sich Hans Werner Sinn und Jürgen Stark in Köln einen Schlagabtausch geliefert. Der Ökonom fürchtet um das Wachstum, der Währungshüter sorgt sich um den Euro.

"Es war falsch, den Euro zusammen mit den Südländern zu begründen", sagt  Hans Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, auf der Investorenkonferenz von Sal. Oppenheim in Köln. Quelle: PR

"Es war falsch, den Euro zusammen mit den Südländern zu begründen", sagt Hans Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, auf der Investorenkonferenz von Sal. Oppenheim in Köln.

KölnDie Zukunft Europas steht auf dem Spiel. So viel ist schnell klar. Die Herren auf der Bühne lassen keinen Zweifel daran, wie ernst die Lage ist. „Was hier läuft, geht so auf die Dauer nicht“, warnt Hans Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts. Sein Gegenüber heißt Jürgen Stark, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Auch er ist um klare Worte nicht verlegen: „Die Krise ist nicht vorbei, sie hat nur eine andere Form angenommen.“

Beide Männer sind bekannt für ihre harte Haltung in der Schuldenkrise, manche sagen für eine sehr deutsche. Im südeuropäischen Ausland dürften sich beiden nicht gerade großer Beliebtheit erfreuen. Und doch sind sich der Währungshüter und der Ifo-Ökonom keineswegs einig. Es kommt zum Schlagabtausch der Hardliner.

Ort des Geschehens ist der Konferenzsaal eines Nobelhotels in Köln. Das Bankhaus Sal. Oppenheim richtet hier seine alljährliche Investorenkonferenz aus. Neben Stark und Sinn auf dem Podium sitzen Ludwig Georg Braun, Chef von B. Braun Melsungen, und der Fernsehjournalist Udo van Kampen. Die Moderation übernimmt der Gastgeber Wilhelm von Haller, der Vorstandsvorsitzende von Sal. Oppenheim.

Schon das Thema der Veranstaltung verspricht Zündstoff: „Der Euro unter Druck – Wie stabil ist unsere Währung?“ Mit Portugal hat gerade erst ein weiteres Land eingestehen müssen, dass es seinen Schuldenberg nicht ohne Hilfe bewältigen kann – so wie vorher Griechenland und Irland. Der europäische Rettungsschirm hat sie vor der pleite bewahrt. Aber um welchen Preis?

Hans-Werner Sinn setzt an zur Analyse. Er erklärt, wie es so weit kommen konnte, spricht über Leistungsbilanzdefizite und darüber, dass die Länder am Rande Europas über ihre Verhältnisse gelebt haben. „Diese Länder müssen runter von ihrem Standard“, fordert Sinn. „Sie müssen durch eine lange Flaute gehen. Wenn man keine Exportindustrie hat, kann man aus einem Außenhandelsdefizit nur herausschrumpfen.“

Kommentare (13)

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Morchel

11.04.2011, 16:40 Uhr

Manu du hast Recht, Herr Sinnen ist sehr für den +. Mai Fachkräfte kommen ins Land oder auch nicht er ist dafür. Ich auch und sie dürfen nur einzahlen in die sozialen systeme und wenn wir 2 Billionen Staatsschulden abbezahlt haben können sie wieder rausnehmen.Natürlich zu ordentlichen Löhnen so bei 3,50 euro pro/h und die lebenshaltungskosten selber bezahlen wie der Michel. Die müssen ordentlich bezahlt werden minimum wie der deutsche Leiharbeiter. Ein hoch auf Sommer DGB der wollte doch einen heissen Herbst nun kommt der Sommer. Du hast Recht na und

KHD

11.04.2011, 16:43 Uhr

Die Frage am Ende des Artikels ist einfach zu beantworten :
Es wird keine Lösung für den EURO geben, mit der alle Leben können, da Währungsunionen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen und einer nicht abgestimmten Finanzpolitik nicht funktionieren.
Diese Aussage lässt sich anschaulich am Beispiel des aktuellen Zustandes der Union belegen:
Die bekannten Peripherieländer hatten in den letzten 10 Jahren immer höhere Inflationsraten als die offizielle EZB Rate. Dadurch erleiden die selbst hergestellten Güter in diesen Ländern zunehmend einen Nachfrageschwund im eigenen Land. Die (vergleichbaren) Güter aus den EURO Ländern mit niedrigen Preissteigerungsraten erfreuen sich höherer Beliebtheit, da sie in den Peripheriestaaten zu günstigeren Preisen zu haben sind.
Dadurch steigen die Leistungsbilanzdefizite in den Peripheriestaaten an und die Überschüsse erhöhen sich bei den EURO Ländern mit den niedrigeren Inflationsraten – wie es auch Herr Sinn aufgefallen ist. Die Zunahme der Einkäufe lassen sich sehr gut in den Grenzregionen der Peripheriestaaten zu den EURO Ländern mit den niedrigeren Inflationsraten direkt nachweisen - Tendenz steigend.
Wenn für den Preisauftrieb 10 Jahre erforderlich waren, müsste man mindestens das Doppelte für den Rückbau rechnen, falls die Bevölkerung dies überhaupt mit den dann anstehenden Lohnkürzungen trägt. Die Ansichten von Herrn Stark, dass man Kredite stoppt, wenn Auflagen nicht erfüllt werden, in Ehren. Viel Realitätssinn steckt nicht dahinter, wenn man sich die Folgen des Stopps überlegt, die in eine unkontrollierte Zahlungsunfähigkeit des jeweiligen Staates mit all seinen Konsequenzen für die Finanzstabilität von EURO Union und Banken führt. Wie soll mit solchen Meinungen - und Herr Stark ist noch einer wenigen, die verstehen, was sie machen - der EURO zu retten sein ? Überhaupt nicht !

Account gelöscht!

11.04.2011, 16:44 Uhr

Bei aller angebrachten Kritik: Die Stimmen GEGEN die Euro-Konstruktion und GEGEN eine Transfer-Union werden lauter und konkreter, das sollte man im Moment nicht übersehen. Alle Refinanzierungsansätze der PIGS beruhen auf "gutem Glauben", aber nicht auf nachprüfbaren Fakten. Ich kenne kein Beispiel, wo nachgewiesen wurde, daß sozio-ökonomische Probleme mit noch mehr Schulden gelöst werden konnten, ohne daß erhebliche Abwertungen, Forderungsverzichte oder Währungsreformen nötig gewesen wären. Das EURO-Lügengebäude bekommt täglich mehr Risse.

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