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20.12.2013

12:55 Uhr

Edelmetall

Das Ende des Goldrauschs

VonJessica Schwarzer

Für Goldanleger war es ein schlechtes Jahr. Fast 30 Prozent verlor der Preis für das Edelmetall und fiel am Freitag auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Sind das Einstiegskurse? Oder droht ein weiterer Rückschlag?

Der Goldpreis ist unter 1200 Dollar je Feinunze gefallen.

Der Goldpreis ist unter 1200 Dollar je Feinunze gefallen.

DüsseldorfIn den Schaufenstern der Juweliere glänzt es vorweihnachtlich. Goldschmuck wird wohl auch in diesem Jahr unter vielen Tannenbäumen liegen und für strahlende Gesichter sorgen. Doch Goldanlegern hat es die Stimmung gründlich verdorben. Fast 30 Prozent hat das gelbe Edelmetall seit Jahresbeginn verloren – der erste Jahresverlust seit 13 Jahre und noch dazu ein heftiger. Vom Allzeithoch im September 2011 ist die Notierung noch weiter zurückgefallen.

Kurz vor Heiligabend versetzt Ben Bernanke dem Goldpreis den letzten Nackenschlag und die Unze fällt auf 1193 Dollar. Mit der Ankündigung, die Anleihekäufe zurückzufahren – Stichwort „Tapering“ – , wird das Edelmetall als Anlagealternative weniger attraktiv. Dieser Schritt war von den Märkten seit Monaten erwartet worden, immer wieder hatten Spekulationen über das Wann und Wie die Märkte bewegt und auch den Goldpreis belastet. Das Tapering ist Teil des schrittweisen Ausstiegs aus der Politik des billigen Geldes, das heißt, dass die Krisenmaßnahmen langsam zurückgefahren werden.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Deshalb erwartet Max Holzer, Leiter Asset Allocation bei Union Investment auch im kommenden Jahr keinen deutlichen Anstieg beim Goldpreis. „Die klassischen Gründe für ein Engagement – also die Rückversicherung gegen Krisen und der Inflationsschutz – sollten 2014 eine eher untergeordnete Rolle spielen“, sagt er. „Daher dürfte Gold im Jahresverlauf eher seitwärts pendeln.“

Auch Lars Edler, Leiter Investmentstrategie bei Sal. Oppenheim, ist überzeugt, das fallende Inflationserwartungen und der Start zur Normalisierung der US-Geldpolitik im ersten Quartal 2014 nicht für einen steigenden Goldpreis sprechen.

Das gelbe Edelmetall, das in den Hochzeiten der Krise von Rekord zu Rekord eilte, ist aus der Mode gekommen. Und das, obwohl die Krise noch nicht wirklich gelöst ist und die Finanzmärkte sicherlich noch einige Jahre bewegen wird. Hat Gold als sicherer Hafen ausgedient? Nicht unbedingt, meint Union-Experte Holzer. „Nur ist die See nicht mehr so stürmisch, dass Anleger den sicheren Hafen in großer Zahl ansteuern“, erklärt er. „Im Ergebnis fehlt dem Goldpreis der Wind in den Segeln – und damit der Impuls für eine erneute Aufwärtsbewegung.“

Kommentare (13)

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G4G

20.12.2013, 13:15 Uhr

Wenn das HB gegen Gold unkt, muss doch am Gerücht dran sein, dass es kaum noch echtes Gold zu kaufen gibt und die Goldzertifikate wertlos werden (sind).
Gold ist Geld, nicht künstlich herstellbar, nicht vermehrbar und zudem seit mehr als 3000 Jahren wertstabil.
Im Moment versuchen wieder mal die Unken den Untergang zu malen.
Lassen Sie Gold doch weiter fallen, dann kann man und der Chinese weiter billig kaufen..

so_soagens_de_oaden_rittersleut

20.12.2013, 13:32 Uhr

Da wirds kein Ende eines Goldrauschs geben: Das ist systemimmanent.

Account gelöscht!

20.12.2013, 13:45 Uhr

Meine Rente kann ich allerfrühestens in dreissig Jahren antreten.
Hin und wieder ein Krügerrand kann doch nicht schaden...?!
Ach nee, ich probiere es lieber mit Pflege-Bahr, einer nicht Hartz IV-sicheren Lebensversicherung und Wohnriester.



"You have to choose between trusting to the natural stability of gold and the natural stability of the honesty and intelligence of the members of the Government. And, with due respect for these gentlemen, I advise you, as long as the Capitalist system lasts, to vote for gold." George Bernard Shaw

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