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24.02.2013

09:03 Uhr

Edelmetall

Gold - ist der Glanz ab?

Gold wirft keine Zinsen ab. Dennoch schätzen gerade deutsche Anleger das Edelmetall als Absicherung gegen Finanzkrise und Inflation. Zuletzt sackte der Goldpreis allerdings ab. Ist das Edelmetall doch nicht so sicher?

1000 Gramm schwere Goldbarren. Der Goldpreis ist seit Monaten auf Talfahrt. dpa

1000 Gramm schwere Goldbarren. Der Goldpreis ist seit Monaten auf Talfahrt.

FrankfurtFür Goldbesitzer gab es in den vergangenen Jahren reichlich Grund zu strahlen: Der Preis des Edelmetalls kannte nur einen Weg: und zwar nach oben. So sollte es eigentlich auch 2013 weitergehen: Rohstoff-Experten hatten in Jahresausblicken in Aussicht gestellt, dass Goldmünzen, Goldbarren oder einfach nur Goldschmuck weiter an Wert gewinnen.

Im Verlauf der vergangenen Woche wurden die Goldliebhaber aber jäh aus den Träumen gerissen. Innerhalb von nur fünf Handelstagen rutschte der Preis für das gelbe Edelmetall um etwa 100 Dollar. Plötzlich fragen sich viele Goldanleger, ob sie nicht doch auf das falsche Pferd gesetzt haben.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Am vergangenen Mittwoch erreichte der Goldpreis bei 1555 Dollar (1179 Euro) je Feinunze den tiefsten Stand seit über sieben Monaten. Eine ähnlich rasante Talfahrt gab es zuletzt vor einem Jahr. Zwar hat sich der Goldpreis zuletzt wieder etwas erholt, und er stand am Wochenausklang bei 1574 Dollar. Mittlerweile ist es aber anderthalb Jahre her, dass der Goldpreis im September 2011 sein Rekordhoch bei 1920 Dollar markierte. Die Hausse geriet ins Stocken und der Goldpreis bewegte sich phasenweise monatelang mehr oder weniger seitwärts.

Selbst Fachleute, die in den vergangenen Monaten häufig optimistisch auf die Entwicklung des Goldpreises geschaut haben, werden plötzlich vorsichtiger. So zum Beispiel das Frankfurter Bankhaus Metzler. „Wir empfehlen, bei 1500 Dollar die Reißleine zu ziehen und auf bessere Einstiegsgelegenheiten zu lauern.“ So lautete der jüngste Rat in Sachen Gold an die Adresse der Investoren.

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Es gibt keinen Zweifel: Das gelbe Edelmetall verliert in diesen Tagen viele Anhänger. Einen der wesentlichen Gründe für die Talfahrt beim Goldpreis lieferten die Metzler-Experten gleich mit: Die Investoren haben den Glauben an eine endlose expansive Geldpolitik in den USA verloren. Mit dem Protokoll der letzten Zinssitzung der US-Notenbank hatte sich nämlich der Eindruck verfestigt, dass die Fed Ernst macht und früher als gedacht beginnen könnte, die Geldschleusen wieder zu schließen.

Kommentare (55)

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Account gelöscht!

24.02.2013, 10:28 Uhr

Die Sache ist ganz einfach. Wer an das Ende der Krise und den Rechtsstaat glaubt, der soll sein Gold verkaufen (bis auf eine Versicherung von 5-10%, man kann sich schließlich irren) und sich neuen Abenteuern zuwenden.

Gold ist eine Versicherung gegen Krisen aller Art (auch gegen den Staat). Deshalb ist es logischerweise vor allem in Krisenzeiten, ob deflationär oder inflationär (oder totalitär!!!), von Interesse. Im ersten Fall, weil es (auch) ein universelles Geld ohne Gegenpart-Risiko ist, im zweiten Fall, weil es (auch) ein Rohstoff ist (im dritten und besonders üblen Fall, weil es ohne Gegenpartrisiko, prinzipiell anonym, transportabel ist und unabhängig von staatlicher Lizenz wertvoll bleibt).

Gold steigt, wenn die Realzinsen (wie auch immer man die bestimmt) gering oder negativ sind - aber das ist das Kennzeichen einer (Finanz)Krise. Realzinsen können damit als Indikatoren dienen, wie es um die Krise steht, auf die Medienberichterstattung sollte man sich da besser nicht verlassen.

Das ist alles was man bezüglich Wertsicherung mit Gold wissen muß, die angesprochenen (säkularen) Krisenperioden (und auch Bullenmarktperioden dazwischen) sind in der Größenordnung von 10-20 Jahren. Totalitäre Staaten bzw. Maßnahmen können deutlich länger (aber auch kürzer) bestehen.

Wer es gerne heiß will, der kann Gold auch traden/ damit auch spekulieren. Das ist aber eine ganz andere Geschichte.
Eine Geschichte, die die vielen Neu-Einsteiger in (Papier-)Gold vom Typ "wie kann ich schnell reich werden" jetzt auf die harte Tour lernen. Dazu muß man sich nämlich intensiv mit dem Goldmarkt, Geldpolitik, Geldhistorie und dem "System" insgesamt befassen. HB-Online zu lesen reicht hierfür definitiv nicht (um nicht zu sagen: ist kontraproduktiv).

Gaffel

24.02.2013, 10:54 Uhr

Kann ihnen für ihre Einschätzung der Beiträge des Handelsblattes zum Thema Goldanlage als Rückversicherung in Krisenzeiten nur zustimmen. Die entsprechenden Redakteure haben offenbar keine langfristige Erfahrung mit Wirtschaftskrisen und deren Folgen.
Hier kann die Oma oder der Opa mehr fundiertes Wissen und eigene Erfahrungen beisteuern, als dies von den sog. "Fachleuten" erfolgt.
Denn - und das scheinen viele Leute in unserem Land zu vergessen:
In den letzten Hundert Jahren gab es in Deutschland 2 x eine Währungsreform, bei der all jene ihr Vermögen verloren haben, die damals auf das falsche Pferd gesetzt hatten.
Aber man sollte auch folgendes bedenken:
- Für einen angestellten Redakteur ist eine solch oberflächliche Berichterstattung normal; - für einen selbständig arbeitenden Journalisten nicht.
Und solche Journalisten hat das Handelsblatt offensichtlich viel zu wenige. - Schade.

R.Rath

24.02.2013, 10:59 Uhr

Volle Zustimmung zu diesem ausgezeichneten gehaltvollen Kommentar,den man in dieser Art nur im Kommentarbereich des HB zu lesen bekommt, aber kaum als Inhalt von Artikeln, für die das HB verantwortlich zeichnet.
Nichtsdestotrotz ist das HB lesenswert, auch weil man immer wieder Kommentare findet, die das übliche eingeglättete interessegeleitete Mittelmaß, das nur in Ausnahmefällen überschritten wird, zu ergänzen vermögen.

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