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14.03.2012

14:30 Uhr

Edelmetall

Goldpreis knickt ein

An den Aktienmärkten geht es kräftig nach oben - für Gold in die andere Richtung. Experten machen dafür die US-Notenbank verantwortlich. Ist es nur eine kurze Korrektur oder eine tiefgreifende Trendwende?

Gold in einem Tresorraum eines privaten Edelmetallhändlers. dpa

Gold in einem Tresorraum eines privaten Edelmetallhändlers.

FrankfurtDer Goldpreis hat am Mittwoch im Zuge schwindender Inflationssorgen nachgegeben. Die Feinunze verbilligte sich in London um zu 1,7 Prozent auf 1645 Dollar und lag damit so niedrig wie zuletzt am 25. Januar.

Vor allem die Aussagen der US-Notenbank nach der Zinssitzung am Vorabend drückten den Preis des Edelmetalls. Analysten zufolge scheint eine weitere deutliche Lockerung der US-Geldpolitik im Moment weniger wahrscheinlich. Damit sei ein wesentliches Kaufargument für Gold als inflationssichere Anlage entfallen, erklärte ein Börsianer.

„Gold ist in einer Abwärtsspirale gefangen, nachdem die Fed nicht wirklich über quantitative Lockerung gesprochen hat“, fügte Nick Trevethan, Rohstoffstratege bei der ANZ in Singapur, hinzu. Weitere Preisabschläge seien möglich, doch stützten die zu erwartenden Zentralbankkäufe und das große Interesse von Einzelhändlern in Asien den Preis. „Bei 1650 Dollar sollte im Moment Schluss sein“, fügte Trevethan hinzu.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Im Gegensatz zum Gold war Platin stärker nachgefragt. Erstmals seit September kostete Platin mit 1687 Dollar je Feinunze wieder mehr als Gold. Dies liegt Analysten zufolge daran, dass sich Platin zuletzt besser als Gold gehalten hat. „In den vergangenen Monaten dürften vor allem Schmuckhändler aufgrund des Preisvorteils vermehrt auf Platin zurückgegriffen und somit Gold substituiert haben“, erklärten die Commerzbank-Analysten. Zudem hätten Zuflüsse in Platin-ETFs den Preis gestützt. Daneben sorgten laut Börsianern Spekulationen auf Lieferengpässe für den Preisauftrieb. In einer der weltgrößten Platinminen des Förderers Impala Platinum konnten wegen eines monatelangen Arbeitskampfes fast 200.000 Feinunzen nicht gefördert werden. Dem Unternehmen zufolge dürften sich die Lieferungen im April dadurch halbieren.

Die größten Goldnachfrager

Welche Region sind die größten Nachfrager?

Zwischen 1980 und 2010 hat sich die weltweite Gold-Nachfrage von Europa und Nordamerika nach Ostasien und Indien verschoben. 1980 kam aus Nordamerika und Europa noch 68 Prozent der Nachfrage, 2010 waren es noch 27 Prozent. Die Ostasiaten und Inder steigerten sich dagegen von 14 auf 58 Prozent.

Was wird nachgefragt?

Der Großteil der Nachfrage lag 1980 noch im Investmentbereich, Goldschmuck spielte damals eine geringere Rolle. Bis zum Jahr 2000 machten Investments einen immer geringeren Teil der Nachfrage aus, die Bedeutung von Schmuck dagegen stieg. Nach 2000 wandelte sich das Verhältnis wieder. Seitdem machen Investitionen knapp 40 Prozent der Gesamtnachfrage aus.

Wer kauft Goldschmuck?

Die West-Ost-Verlagerung zwischen 1980 und 2010 zeigt sich besonders stark beim Goldschmuck. 1980 kamen lediglich 22 Prozent der Nachfrager aus Indien und Asien, 2010 waren es 66 Prozent.

Wer sind die Gold-Investoren?

Zwischen 2000 und 2010 ist der Anteil der Europäer und Nordamerikaner unter den Investment-Nachfragern von unter zehn auf über 40 Prozent angestiegen.

Woher kommen die Technologie-Nachfrager?

Die Goldnachfrage in der Technologie-Branche wird zunehmend von Ostasien getragen. Sie stieg zwischen 1970 und 2010 von 17 auf 67 Prozent.

Kommentare (17)

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reno

14.03.2012, 14:41 Uhr

Da kann man ja richtig nachkaufen in EM. Muss ich sofort los.

Account gelöscht!

14.03.2012, 15:24 Uhr

Naja, die Risiko-Prämie geht halt nach und nach raus.

Wenn es nochmal mind. 10 % fällt, wird es wieder interessant zum nachladen und " weiterhorten " !

Keine_Macht_den_Gottspielern

14.03.2012, 15:37 Uhr

An Alle: jetzt platzt wirklich und endgültig die Gold-Blase!! Nichts wie raus und rein in Aktien und Anleihen!! ;-)
"Jeder, der sagt, dass sich Gold in einer Blase befindet, spricht idiotisches Zeug. Wenn Vermögenswerte in einen Blasenpreis übergehen, hat man einen extrem populären Eigentumsanteil dieses Vermögenswertes...
Im Fall von Goldbarren befindet sich weniger als ein Prozent aller investierbaren Vermögenswerte auf der Welt in Gold."
http://www.mmnews.de/index.php/gold/6297-alles-wird-gegenueber-gold-entwertet-werden

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