Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2012

15:37 Uhr

Edelmetall-Handel

Der geheime Goldspeicher der Deutschen Bank

VonMichael Maisch, Sebastian Schaal, Jörg Hackhausen

Die Banken haben das Geschäft mit Gold wiederentdeckt. Auch die Deutsche Bank mischt mit und baut einen neuen Goldspeicher in London. Davon ist nicht jeder begeistert.

Getty Images

London/DüsseldorfDie Deutsche Bank wandelt auf den Spuren von Dagobert Duck. In London will das Geldhaus einen eigenen Goldspeicher bauen und damit das lukrative Geschäft mit physischen Edelmetallen ausbauen.

Dass die großen Banken so scharf auf Gold sind, war nicht immer so. In den 1980er- und 90er-Jahren ließen die Banker das Edelmetall links liegen, als Geldanlage kam es nicht infrage. Gold wirft keine Zinsen ab, hieß es. Als schick galten strukturierte Papiere, Derivate, virtuelle Vermögenswerte. Das Geschäft mit den Goldtresoren schien ein Auslaufmodell zu sein.

Doch in den vergangenen Jahren hat der Goldpreis eine rasante Rally hingelegt. Und seitdem denken die Banker um. Vor der Finanzkrise kostete eine Feinunze rund 600 Dollar, auf dem Höhepunkt der Krise fast 2.000 Dollar. Derzeit ist Gold etwa 1.660 Dollar wert.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Inzwischen läuft das Geschäft mit physischen Metallen zwar wieder glänzend – dafür aber ist aber der Lagerraum knapp. In der Vergangenheit wurden zahlreiche Lagerstätten dicht gemacht. Nun drängen die Banken wieder in diesen Markt, um von den attraktiven Mieten zu profitieren, die für die sichere Lagerung des gelben Metalls fällig werden. „Wir wissen, dass viele Klienten nach Wegen suchen, wie sie ihre Gold-Lagerung diversivizieren können“, sagt Raymond Key, weltweiter Chef des Metallhandels bei der Deutschen Bank. Der neue Goldspeicher werde dafür sorgen, dass die Bank schnell zu einer der führenden Clearing- und Verwahrbanken im Metallgeschäft aufsteige, hofft Key. Bis 2013 soll der Groß-Tresor fertig sein, den das Geldhaus gemeinsam mit der Sicherheitsfirma G4S baut.

Diejenigen, die schon seit Jahren auf dem Goldmarkt aktiv sind, wundern sich über das plötzliche Interesse der Banken. „Nachdem sich der Goldpreis vervielfacht hat, fangen die Banken an, Goldspeicher zu bauen. Das kommt reichlich spät“, sagt Martin Siegel, Chef der Stabilitas Fonds GmbH und Geschäftsführer der Goldhandelsfirma Westgold.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wolf

20.03.2012, 17:50 Uhr

Warum lagern die Deutschen das Gold überwiegend im Ausland?

Account gelöscht!

20.03.2012, 17:57 Uhr

Aha, die Deutsche Bank hat kein Vertrauen mehr zu Deutschland? Was macht ein deutscher Goldspeicher in London?

Und das Ganze wahrscheinlich noch mit Subventionen aus Steuergeldern! Den Bezug der Deutschen Bank zu Deutschland sollte man schleunigst überdenken! Dies ist doch ein eindeutiger Beweis, dass da was schief läuft!

Account gelöscht!

20.03.2012, 18:55 Uhr

Warum nicht in Frankfurt?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×