Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.04.2012

09:35 Uhr

Edelmetall

Spekulanten trennen sich von Gold

VonRegine Palm

Die Gold-Rally des vergangenen Jahres hat ein jähes Ende gefunden. Vor allem Spekulanten sind ausgestiegen. Analysten mahnen zur Vorsicht - die Schwankungen am Markt sind groß.

Der Preis für eine Feinunze Gold ist in den vergangenen sieben Monaten stark gefallen. dpa

Der Preis für eine Feinunze Gold ist in den vergangenen sieben Monaten stark gefallen.

DüsseldorfDer Goldpreis bringt inzwischen sogar hartgesottene Anleger ins Schwitzen. Die Preisschwankungen werden immer heftiger. Zweistellige Ausschläge der Notierungen nach oben wie nach unten sind nun an der Tagesordnung. Immer mehr Experten schrauben daher ihre Prognosen zurück.

Kurz vor Ostern drohte der Preis zeitweilig unter die Marke von 1600 Dollar je Feinunze zu sacken; der Rückgang wurde erst kurz davor gestoppt. In der vergangenen Woche stieg der Preis für eine Feinunze zwar auf 1666 Dollar. Die Feinunze – rund 31,1 Gramm – ist das Maß, auf das sich die Preise im Goldhandel beziehen.

Das Rekordhoch von gut 1900 Dollar, das Anfang September 2011 erreicht wurde, liegt dennoch in weiter Ferne. Auch charttechnisch hat sich das Bild eingetrübt, da die stark beachtete 200-Tages-Linie nach unten durchbrochen wurde. Viele Investoren werten das als Signal für weitere Verluste.

Aus dem Goldmarkt ausgestiegen sind vor allem viele spekulativ eingestellte Anleger. „Die Korrektur ist ähnlich wie im Dezember spekulativ getrieben“, sagt Gabor Vogel, Edelmetallexperte der DZ Bank. Es gebe aber zwei gravierende Unterschiede: Zum einen die Anhebung der Einfuhrzölle für Gold in Indien – das Land fragt das Edelmetall stark für Schmuck nach. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Lockerung der US-Geldpolitik gesunken. Das bremse den Goldpreis. „Zusätzliche Liquidität hätte den Notierungen neuen Schub geben können“, sagt Vogel.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Der Einfluss Indiens ist nicht zu unterschätzen. Im vergangenen Jahr hat das Land den Rekordwert von 969 Tonnen Edelmetall importiert. „Der Goldmarkt stützt sich stark auf die indische Schmucknachfrage“, schreibt Oliver Heuschuch von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft in Hanau. Dies habe zu dem jüngsten Preisrückgang beigetragen. Die indischen Juweliere haben mehr als 20 Tage gestreikt; rund 85 Prozent ließen ihre Geschäfte geschlossen. Inzwischen wird wieder gehandelt - doch die Auswirkungen haben voll auf die Goldimporte durchgeschlagen.

Kommentare (55)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DigitaleNotenpresse

15.04.2012, 09:52 Uhr

Wer meint, dass demnächst die Aufblähung der Geldmengen durch die Zentralbanken der EU, USA, Japan, Grossbritannien in tausend-milliarden Höhe aufhören wird, dass die westlichen Länder vom staatlich bezahlten Sozialismus abkehren und zu dauerhaft ausgeglichenen Budgets zurückkehren, dass die Ausschläge auf dem COMEX Papiermarkt irgendetwas mit dem Wert des physischen Metalls zu tun hat und dass der langfristige Aufwärtstrend des Goldpreises (monatlicher Chart) aufgehört hat, und die massive Überschuldung der westlichen Welt demnächst verschwindet, der sollte sich tatsächlich von seinem Goldbesitz trennen.

Account gelöscht!

15.04.2012, 09:54 Uhr

Nein, ich hab kein Problem mit Gold. Aber wenn jemand seins verkaufen will, gerne. Aber bitte nur kiloweise, und keinen Kleinkram. Danke !

roterkaufmann

15.04.2012, 10:15 Uhr

ein paar kilo gold gehören wohl immer in ein ausgewogenes portfolio.

für den gemeinen kleinanleger dürfte es beim goldkauf eher um sicherheit (ggf. auch einfach um spass an der freude des goldes) gehen, denn um spekulation.

wenn die spekulaten aktuell verkaufen, kann dies ja auch bedeuten, dass sie liquidität einfach an anderer stelle dringend brauchen. zumal wir ja nicht wirklich heute die tiefsten goldstände in euro haben. bei der aktuellen seitwärtsbewegung ist wohl für die spekulanten einfach die musik raus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×