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03.01.2009

10:22 Uhr

Edelmetalle

Die Profiteure der Angst

VonWolfgang Drechsler

Für die Edelmetalle war 2008 ein Auf und Ab. Einzig Gold hielt sich vergleichsweise gut. Das gelbe Metall gilt Anlegern in Krisenzeiten als sicherer Hafen, da es zur Absicherung gegen die Inflation dient. Experten trauen Gold, aber auch seinem kleinen Bruder Silber deshalb gegen den Börsentrend ein neuerliches Comeback zu.

Gold könnte Anlegern in der Krise vor allem zur Absicherung gegen die Inflation dienen. Foto: ap Quelle: ap

Gold könnte Anlegern in der Krise vor allem zur Absicherung gegen die Inflation dienen. Foto: ap

KAPSTADT. Symptomatisch für den zunächst spektakulären Aufstieg und den dann noch viel heftigeren Absturz der Rohstoffe im vergangenen Jahr steht Rhodium: Das zur Platingruppe zählende Metall war noch zur Jahresmitte zunächst auf über 10 000 Dollar pro Unze geschnellt, um dann abrupt auf zeitweise unter 1 000 Dollar zu kollabieren. Wenig besser erging es Platin: Kostete das weiße Edelmetall noch Anfang Juli mehr als 2 000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), waren es zum Jahreswechsel 850 Dollar - ein Absturz um fast 60 Prozent.

Die einzige Ausnahme bildet Gold, das seit langem als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt und Anlegern vor allem zur Absicherung gegen die Inflation dient. Obwohl auch das gelbe Metall vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Horrors weit hinter seinen Möglichkeiten zurückblieb, hielt es sich vergleichsweise gut. Nachdem es die Krise um die Investmentbank Bear Sterns noch im März auf ein Allzeithoch von 1 030 Dollar je Feinunze katapultiert hatte, ging es danach weit weniger heftig als bei den anderen Metallen bergab. Zuletzt lag Gold bei 850 Dollar je Unze und damit fast genau auf dem gleichen Stand wie zu Jahresbeginn.

Nicht wenige Experten trauen Gold, aber auch seinem kleinen Bruder Silber deshalb gegen den Börsentrend ein neuerliches Comeback zu. Ein Indiz dafür findet sich darin, dass bereits jetzt viele Banken den Ausverkauf begehrter Anlagemünzen melden. Aber auch der Erwerb von Gold und Silber in Investmentbarren hält unvermindert an. Immer mehr Anleger befürchten offenbar, dass die zuletzt von den Notenbanken in den Markt gepumpten gigantischen Geldsummen mittelfristig zu einer Rückkehr der Inflation führen werden.

Wieder andere sorgen sich ganz direkt um einen Zusammenbruch der bestehenden Finanzordnung. Für viele Experten ist ein Anstieg des Goldpreises über die Marke von 1 000 Dollar pro Unze deshalb auch eine ausgemachte Sache. Besonders zuversichtlich geben sich die Analysten der Citigroup, die bis Ende 2009 sogar einen Goldpreis von bis zu 2 000 Dollar pro Unze prophezeien. Begründet wird dies damit, dass die von den Finanzexzessen ausgelösten Schäden Politiker weltweit zu bislang nie ausprobierten Schritten zwingen. Dies könnte entweder die Inflation anheizen oder aber eine deflationäre Abwärtsspirale in Gang setzen, begleitet von sozialen Unruhen, schreibt die Bank. Die Folge wäre in jedem Fall die gleiche: ein Ansturm auf Gold.

Auch ein sinkender Dollar, wie er sich nun abzeichnet, dürfte Gold schon deshalb zugute kommen, weil sich das gelbe Metall traditionell in entgegengesetzter Richtung zum Greenback entwickelt. Zudem steigt das gelbe Metall für gewöhnlich in einem Umfeld tiefer Zinsen - und genau diese scheinen weltweit das Rezept gegen eine weitere Ausbreitung der Finanzkrise zu sein. Schließlich weist eine Reihe von Eckdaten im Goldmarkt auf eine zunehmende Verknappung des gelben Metalls hin. So dürften die offiziellen Verkäufe vonseiten der Notenbanken, die rund 30 000 Tonnen Gold gehortet haben, 2009 nochmals nachlassen, wenn nicht sogar gänzlich aufhören.

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