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17.02.2014

15:19 Uhr

Edelmetalle

Heiße Wette auf Rhodium

Die Nachfrage nach Rhodium steigt derzeit so stark wie seit drei Jahrzehnten nicht. Der Preis, der seit 2008 fast 91 Prozent verlor, schaffte die Trendwende. Experten rechnen mit einem Potenzial zur Wertsteigerung.

Minenarbeiter in Südafrika. Platinförderer wie Lonmin, Anglo American Platinum und Impala sind auch die größten Anbieter von Rhodium. ap

Minenarbeiter in Südafrika. Platinförderer wie Lonmin, Anglo American Platinum und Impala sind auch die größten Anbieter von Rhodium.

Rhodium ist ein silberweißes Edelmetall, das noch härter ist als Gold oder Platin. Es schmilzt erst bei 1966 Grad Celsius und hat ähnliche Eigenschaften wie Platin. Es wird vor allem für die Legierung von Autokatalysatoren eingesetzt.

„In diesem Jahr werden die Käufe des Metalls die Produktion um 78.000 Unzen übertreffen“, erwarten Experten der Deutschen Bank und von Johnson Matthey. Das wäre die höchste Differenz seit mindestens 1984. Johnson Mattey stellt weltweit einen von drei Autokatalysatoren her.  

Die Preise liegen seit vier Jahren in einem Abwärtstrend. Nach dem Rekordstand von 10.100 Dollar je Unze im Jahr 2008 brach die Notierung um insgesamt 91 Prozent ein und stand im Dezember 2013 bei 890 Dollar pro Unze. Seither hat der Trend gedreht und die Notierung legte bereits um 18 Prozent zu.  Experten von Goldman Sachs rechnen mindestens bis ins Jahr 2017 mit Zuwächsen.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Viele Autohersteller hatten angesichts des hohen Rhodium-Preises beim Hype mehr Platin und Palladium benutzt, die ähnliche Eigenschaften besitzen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet: Eine Unze des silbrig-weiß glänzenden Metalls ist derzeit etwa so viel wert wie 0,76 Unzen Platin. Am 10. Dezember hatte dieses Verhältnis mit 0,64 das niedrigste Niveau seit Februar 2004 erreicht, zeigen Daten von Bloomberg. Für eine Unze Rhodium können 1,46 Unzen Palladium erworben werden, verglichen mit 1,21 im Dezember, dem tiefsten Stand seit Mai 2000.

Vor diesem Hintergrund erreichten die Rhodium-Lagerbestände im vergangenen Jahr mit etwa einer Million Unzen noch ein Allzeithoch. Der Bestand dürfte nun aber wieder abgebaut werden, denn die Autonachfrage zieht an und Regierungen erlassen immer strengere Vorschriften für die Abgas-Emissionen.

„Rhodium ist wieder im Aufwind, und die Industriekäufe haben die Preise wirklich angetrieben“, sagt Jonathan Butler, Edelmetall-Stratege von Mitsubishi International in London. Die globale Nachfrage wird das Angebot bis 2020 jedes Jahr übersteigen, wobei sich in diesem Zeitraum eine Unterdeckung von 530.000 Unzen aufbauen dürfte, schreibt die Deutsche Bank.

Kommentare (1)

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Paul

17.02.2014, 17:53 Uhr

Zitat: "Rhodium ist ein silberweißes Edelmetall, das noch härter ist als Gold oder Platin"

noch härter als Gold? ...wirklich?

hier schreiben wirkliche Experten!

Satire aus.
Paul

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