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25.07.2011

11:48 Uhr

Edelmetalle

Mit Münzen und Barren auf der sicheren Seite

VonRegine Palm

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise Mitte 2008 hat sich der Goldpreis verdoppelt. Überzeugungstäter kaufen physisches Gold in Form von Münzen und Barren. Ein norddeutscher Geschäftsmann macht damit gute Geschäfte.

Die Schuldenprobleme in vielen Ländern treiben die Anleger in sichere Anlagen wie Gold. Quelle: dpa

Die Schuldenprobleme in vielen Ländern treiben die Anleger in sichere Anlagen wie Gold.

GöttingenHautnah hat Wilhelm Peinemann 1987 den Börsencrash in London miterlebt. "Das Zähneknirschen und Jammern hat mich geprägt", sagt der Vermögensbetreuer. Er setzt daher bis heute vor allem auf Gold - und das hortet er für sich und andere im eigenen Tresor.

Die Entwicklung gibt ihm recht: Allein seit der Finanz- und Wirtschaftskrise Mitte 2008 hat sich der Goldpreis verdoppelt. Am Montag gipfelte der Preisanstieg in einem Rekordhoch. Mit über 1620 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ist Gold so teuer wie nie zuvor. Die Schuldenprobleme in vielen Ländern treiben die Anleger in sichere Anlagen wie Gold.

Einige Investoren nutzen für ihre Käufe die Fülle von Anlageinstrumenten wie börsennotierte Fonds, ETC. Laut Commerzbank erreichten die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETCs zuletzt ein Rekordniveau von 2200 Tonnen. Andere setzen auf Goldaktien. Der Vermögensbetreuer Peinemann kauft dagegen Goldbarren - zusammen mit Kunden.

Schon 2005 hat der gelernte Bankkaufmann in Göttingen eine ehemalige Sparkasse gekauft. Der Clou: Der Tresor ist in dem schlichten, unauffälligen Bungalow im 70er-Jahre-Stil erhalten geblieben - natürlich ist er elektronisch auf dem neuesten Sicherheitsstandard. Gut abgesichert durch eine dicke Tresortür, durch weitere Stahltüren im Innern und durch Schließfächer verwahrt Peinemann hier heute Edelmetalle.

Selbst der Tresorbesitzer hat keinen direkten Zugang.

Dabei hinterlässt die stetig steigende Nachfrage nach den edlen Metallen auch in dem Tresor Spuren. Denn für die großen Silber-Barren reicht der Platz in den Schließfächern längst nicht mehr aus - sie werden nun in einem Teil des Tresors offen gestapelt. "Der Investor will auch in Extremsituationen den Zugriff haben", weiß der 59-jährige Experte, der nach eigenem Bekunden über 35 Jahre Kapitalmarkt- und Börsenerfahrung verfügt.

Wie hoch der Geldwert der Edelmetalle in dem Tresor ist, mag Peinemann schon aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Denn Sicherheit wird groß geschrieben. So hat selbst der Tresorbesitzer keinen direkten Zugang zu den Metallen - auch zur eigenen Sicherheit. Die massiven Gittertore und die Schließfächer können nur zusammen mit einem Notar geöffnet werden. Insgesamt betreut Peinemann zwei Edelmetall-Portfolios. Eines aus 50 Prozent Gold und je 25 Prozent Palladium und Silber. Ein weiteres Portfolio hat eine Obergrenze von maximal 65 Prozent Gold, 20 Prozent Platin und maximal 35 Prozent Silber und Palladium. Ein Teil der edlen Metalle liegt in einem zweiten Tresor in der Schweiz.

Auf den einzelnen Kunden entfällt jeweils ein Anteil entsprechend der Einlage. Insgesamt gibt es zwei Eigentümergruppen mit über 200 Gemeinschaftern. Der Mindesteinsatz beträgt 10.000 Euro. "Jeder Investor wird über Bruchteilseigentum wie ein Direktinvestor behandelt", erklärt Peinemann die Rechtsform. Viele der Investoren - darunter Selbstständige, aber auch Anleger mit geringeren Einkommen - haben 20.000 bis 50 000 Euro angelegt, doch gebe es auch Investments von über einer Million Euro.

Kommentare (3)

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marco

25.07.2011, 14:16 Uhr

Nehmen wir an, das Währungssystem bricht zusammen, was nützt dann das Gold? Bricht Euro und Dollar zusammen, dann überlebt auch keine andere Währung, nicht einmal der Schweizer Franken. Will man dann das Brot beim Bäcker mit einem Stück Gold bezahlen? Selbst die kleinste Goldmünze überschreitet den Wert eines Brotes beiweitem.
Was hat das Gold dem kleinenm Mann nach dem Krieg genützt? Nichts, denn viele haben ihren letzten Schmuck für ein Stück Fleisch oder Brot eingetauscht. Sprich, der angeblich so große Gegenwert vom Gold war nicht mehr gegeben.

zcxy

25.07.2011, 15:02 Uhr

Das kann ich dir sagen, was es genützt hat:
Im Notfall kann auch ein Stück Fleisch, Brot oder eine Flasche Wasser den Unterschied zwischen Verhungern/Verdursten und Überleben bedeuten...
+++
Grundsätzlich dient Gold aber zur systemübergreifenden, also Krisen überdauernden Vermögenssicherung und ist nicht als Zahlungsmittel in Krisen gedacht.
Es geht darum, einen Teil seines Vermögens nach dem finalen Kollaps eines papier- und schuldgeldbasierten Finanzsystems in ein neues System, das irgendwann wieder entstehen wird, hinüberzuretten...
Löst euch doch mal von der hirnverbrannten Vorstellung, die Brötchen beim Bäcker mit Gold oder Silber zu bezahlen.
Die bezahlst du selbstverständlich dann mit sauberen und frischen Lebensmittelmarken oder Bezugsscheinen. In einer Krisen- und Mangelwirtschaft funktionieren ohnehin keine Logistikketten mehr, so dass du froh sein kannst, vom Lastwagen einmal die Woche mit einem Stück Komissbrot verpflegt zu werden.
In Großstädten wie Berlin, in denen Millionen Menschen unterschiedlichster Kulturen und Zivilisationsstufen auf engstem Raum zusammengepfercht sind, wird sich wohl beim ersten Anzeichen einer echten Krise niemand mehr brav an der Aldi-Kasse anstellen - Supermärkte und Baumärkte werden als erstes geplündert werden... Der verwahrloste Mob wird auf der Suche nach Verwertbarem durch die Straßen ziehen. Erlaube mir einen Hinweis darauf, dass die Polizei schon unter derzeitigen noch als geordnet einzustufenden Verhältnissen, nicht mal mehr Herr der Lage ist, sondern allenfalls Straftaten registriert und Präsenz an Orten zeigt...
Der zivilisatorische Lack ist doch dünner als man gemeinhin glaubt.

Silverager

25.07.2011, 21:01 Uhr

Und ob das was genützt hat.
Es gibt neben Gold auch Silber. Meine Mutter hat in den Nachkriegsjahren mit unserem umfangreichen Sterling-Silberbesteck bei den Bauern Essbares eingetauscht. Die Reichsmark wollte ja damals keiner mehr. Jedenfalls, so sagte sie, sei sie damit relativ gut durch die Hungerwinter für sich und uns beide Kinder gekommen.
Meine Eltern haben uns eine Menge Gold- und Silbermünzen hinterlassen, die sie vorsichtshalber im Laufe der Jahre gekauft hatten. Dafür sind wir sehr dankbar uns stocken die Vorräte seit Jahren auf.
Mit Papiergeld kann man allerdings in Notzeiten ein kleines Feuerchen unterhalten, das ja auch etwas wärmt...

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