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16.11.2012

14:50 Uhr

Edelmetalle

Preisverfall beim Gold – was nun?

VonIngo Narat

Der Goldpreis musste in den vergangenen Wochen einen deutlichen Rückschlag hinnehmen. Anleger fragen sich ob das nur eine kleine Korrektur war oder der wertvernichtende Crash droht.

Goldbarren der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main. dpa

Goldbarren der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main.

FrankfurtDer Goldpreis fällt und tastet sich an die Marke von 1700 Dollar je Unze heran. Das sind rund 200 Dollar unter dem Höchstpreis vom vergangenen Jahr. Bisher ist das eine laufende Korrektur, wie es sie seit Beginn der Hausse zur Wende des Jahrtausends schon mehrere Male gegeben hat. Per saldo ist Gold allerdings heute fast sieben Mal teurer als damals. Eine Blase ist nicht in Sicht.

Die Anleger schauen jedoch vor allem auf kurzfristige Trends. Seit Oktober ist der Preis um rund 100 Dollar gefallen. Da passen die veröffentlichten Daten der Minenlobby World Gold Council ins Bild: Im dritten Quartal stieg zwar die weltweite Nachfrage nach dem Metall gegenüber dem Vorquartal um zehn Prozent. Der Bedarf lag aber elf Prozent unter der Rekordnachfrage des Vorjahresquartals – im September 2011 hatte der Goldpreis ein historisches Hoch bei 1920 Dollar erreicht.

Weltweite Nachfrage nach Gold in Tonnen

2002

Schmuck: 2.662

Barren und Münzen: 352

Technologie: 358

Öffentlicher Sektor: -547

Gesamt: 2.827

2003

Schmuck: 2484

Barren und Münzen: 302

ETFs: 39

Technologie: 386

Öffentlicher Sektor: -620

Gesamt: 2.592

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 347

ETFs: 133

Technologie: 419

Öffentlicher Sektor: -479

Gesamt: 3.036

2005

Schmuck: 2,719

Barren und Münzen: 394

ETFs: 208

Technologie: 438

Öffentlicher Sektor: -633

Gesamt: 3.095

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Technologie: 468

Öffentlicher Sektor: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 434

ETFs: 253

Technologie: 476

Öffentlicher Sektor: -484

Gesamt: 3.103

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 868

ETFs: 321

Technologie: 461

Öffentlicher Sektor: -235

Gesamt: 3.719

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 779

ETFs: 623

Technologie: 410

Öffentlicher Sektor: -34

Gesamt: 3.591

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.201

ETFs: 382

Technologie: 466

Öffentlicher Sektor: 77

Gesamt: 4.143

2011

Schmuck: 1.974

Barren und Münzen: 1.505

ETFs: 185

Technologie: 453

Öffentlicher Sektor: 458

Gesamt: 4.574

Die Nachfrage schwächelte, weil die Anleger viel weniger Interesse an Münzen und Barren hatten. Sie schwächelte auch, weil die Nachfrage aus China fiel. Was viele Anleger nicht wissen: Gold ist aus Sicht eines Europäers ein Krisenmetall, während es bei Asiaten eher ein Wohlstandswert ist. Die Asiaten sind wichtige Nachfrager. Doch die chinesische Wirtschaft schwächelte, so dass die Nachfrage nach Gold, auch Schmuckgold, sank.

Der Goldpreis hängt aber nicht nur stark von der Wirtschaftslage in Asien ab. Aus Finanzmarktsicht ist der Preis auch stark an die Entwicklung anderer Risikoanlagen gekoppelt. Das gilt beispielsweise für Aktien. Aktienkurse und der Goldpreis bewegen sich in den vergangenen Wochen häufig in die gleiche Richtung.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Wenn die Anleger ins Risiko gehen, kaufen sie sowohl Aktien als auch Gold. Wenn sie dagegen auf Sicherheit spielen, verkaufen sie Aktien und Gold und wechseln eher in erstklassige Staatsanleihen oder Cash. Die vergangenen Wochen waren die Anleger eher risikoscheu. Das erklärt auch den fallenden Goldpreis.

Die laufende Korrektur könnte vor allem dann deutlicher ausfallen, wenn sich die Abwärtsdrift bei den Risikoanlagen verschärft. Das Worst-Case-Szenario wäre eine Situation wie im Herbst 2008, als nach der Pleite der Investmentbank Lehman die Anleger aus Angst alle Risikoanlagen abstießen. In der Neuauflage einer großen Krise – aus welchem Anlass auch immer – könnte Gold erneut unter die Räder kommen.

Zur Einordnung zwei Zahlen: Im Jahr 2008 sackte der Preis in der Spitze von 1030 auf 733 Dollar, das ist ein Abschlag von 29 Prozent. In der laufenden Korrektur seit September 2011 hat Gold elf Prozent verloren.

Eine klassische Blase bei Gold ist auch nach der langen Hausse nicht in Sicht. Die wichtigsten Argumente für Gold: Mit dem weiter negativen Realzins fallen Anleihen als rentierliche Alternative weg; die ungelöste globale Schuldenkrise wird die Anleger weiter in die beste Währung drängen, eben ins Gold.

Kommentare (66)

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WILHER

16.11.2012, 15:11 Uhr

"sieben mal teurer, aber eine Blase ist nicht in Sicht."

Das klingt ja wie Pfeifen im Walde bei rabenschwarzer Dunkelheit.

Wären doch nur die Aktiemärkte sieben mal teurer als damals.
Ich hoffe, ich bin so intelligent, dass ich spätestens dann aussteige, wenn die Aktien "nur" sechs mal so viel kosten wie damals.

neo

16.11.2012, 15:12 Uhr

Welcher Deutsche kauft sein Gold in US$? Zum 1. November lag der Goldpreis(Spot) in Euro bei ca. 1305,- € am 9. November bei 1362,- € heute bei 1342,- €

Wat labbert ihr bloß zusammen?

Account gelöscht!

16.11.2012, 15:17 Uhr

Gold ist wetlos und wird crashen...glaubt mir doch endlich und verkauft es MIR einfach ein bisschen billiger :D ;) Ich meins doch nur gut, genau wie der Staat und seine Systempresse....und keine Sorge liebe Bürger, eure Spareinlagen sind sicher....sagte auch schon Frau Merkel....also dann... :D

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