Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2015

13:21 Uhr

Einigung im Atomstreit

Iran dreht den Ölhahn auf

VonHans-Peter Siebenhaar, Jürgen Röder

Für Verbraucher eine gute Nachricht: Die Annäherung der westlichen Staaten an den Iran wird den Ölpreis weiter drücken. Aber nicht, weil das Land mehr fördert – sondern weil der Intimfeind den Markt in die Knie zwingt.

Einigung im Atom-Konflikt

„Öl wird noch stärker fallen“

Einigung im Atom-Konflikt: „Öl wird noch stärker fallen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die historische Einigung im Atomstreit mit dem Iran macht ein Ende der internationalen Sanktionen möglich – und hat enormen Einfluss auf den Ölpreis. Die beiden Rohöl-Benchmarks für USA und Europa, West Texas Intermediate (WTI) und Brent, fielen am Dienstag in der Spitze um mehr als zwei Prozent, nachdem erste Meldungen über eine Einigung veröffentlicht worden waren. 

Der Preis für WTI fiel in der Spitze um 1,29 US-Dollar auf 50,91 Dollar. Ein Fass Brentöl gab um mehr als zwei Prozent auf 56,61 Dollar nach. Noch am vergangenen Freitag hatte Brentöl knapp unterhalb von 60 US-Dollar gekostet.

„Neuigkeiten über eine bevorstehende Einigung im Atomstreit haben viele Erwartungen und Befürchtungen geweckt, dass der Iran künftig wieder eine Versorgungsquelle in einem überversorgten Markt ist“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

Die wichtgsten Ölsorten

Allgemein

In der Erde schlummern Dutzende von Rohölsorten, die alle unterschiedliche Eigenschaften und Preise haben. Die Herkunft reicht von Alaska North Slope über Arab Light bis zu Zuetina, einer Stadt in Libyen. An den Terminbörsen in London und New York werden nur standardisierte Produkte gehandelt, sogenannte Referenzöle. Die Preise aller anderen Sorten werden dann als Abschlag oder Zuschlag auf das Referenzöl ermittelt.

WTI

Für die USA ist das meistgehandelte Referenzöl West Texas Intermediate (WTI) West Texas Intermediate (auch WTI) ist eine leichte, schwefelarme („süße“) Röhölsorte aus den USA. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet es sich besonders für die Mineralöl-Raffinierung einschließlich der Herstellung von Benzin. Der Preis pro Barrel (159 Liter) WTI-Öl entspricht in der Regel dem der leichten Nordseesorte Brent Crude, kann aber geringfügig abweichen.

Brent Crude

Brent ist die für Europa wichtigste Rohölsorte. Gehandelt wird eigentlich Brent Blend, ursprünglich ein Mix aus hauptsächlich den Feldern Brent und Ninian. Brent ist ein leichtes (viele niedrigsiedende und damit wertvollere Bestandteile), „süßes“ (niedriger Schwefelgehalt) Rohöl. Es stammt aus der Nordsee zwischen den Shetlandinseln und Norwegen. Von dort gelangt es über eine Unterwasser-Pipeline zum Ölterminal Sullom Voe auf Mainland, Shetland (ebenso wie das Öl vom Ninian-Feld) und wird per Tanker weiter transportiert. Gehandelt wird es in London an der Warenterminbörse ICE Futures.

Dubai Fateh

Fateh, das Rohöl aus Dubai, ist das dritte wichtige Benchmark-Öl. Im Gegensatz zu den zwei anderen, hochwertigen Rohölen handelt es sich aber bei Fateh Dubai aber um ein minderwertiges, hoch schwefelhaltiges Öl. Man spricht auch von saurem Öl. Es ist doch erstaunlich, dass dieses Öl aus Dubai, Fateh genannt, trotzdem so hoch gehandelt wird.

Ural-Öl

Urals-Öl (kurz: Urals) ist die für Russland wichtigste Rohölsorte, die als Referenz für den Ölhandel und -export dient. Urals-Öl ist eine Mischung („Blend“) aus dem namensgebenden Öl aus dem Ural und der Wolgaregion, das schwer, hochsiedend und sehr schwefelhaltig ist, mit leichtem, schwefelarmem Öl aus Westsibirien (Siberian Light). Das leichtere, westsibirische Öl wird im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen gewonnen, das schwere, schwefelreiche heute vorwiegend in Tatarstan. Urals-Öl wird über Pipelines zum Schwarzmeerhafen Noworossijsk gebracht, und von dort per Tankschiff exportiert. Der andere Exportweg ist die Drushba-Pipeline nach Westeuropa. Urals ist ein mittelschweres Rohöl mit hohem Schwefelgehalt.

Opec-Öl

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) gibt ebenfalls eine eigene Referenzzahl bekannt, den so genannten Korbpreis. Dabei wird der durchschnittliche Wert von sieben Rohölsorten berechnet: Saharan Blend (Algerien), Minas (Indonesien), Bonny Light (Nigeria), Arab Light (Saudi-Arabien), Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), Tia Juana Light (Venezuela) und Isthmus (Mexiko).

Denn der Iran als ehemaliger zweigrößter Rohöl-Lieferant im Ölförder-Kartell Opec will mit dem Ende der Sanktionen wieder eine stärkere Rolle auf den Öl- und Gasmärkten spielen. „Wir wollen einen Anteil, der unseren Öl- und Gasreserven gerecht wird“, hatte der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh bereits im vergangenen Monat im Interview mit dem Handelsblatt gefordert.

Nach seinen Angaben will das Land innerhalb von sieben Monaten den Export um eine Million Barrel pro Tag erhöhen und damit wieder den alten Stand erreichen. Denn seit den Sanktionen gegen Iran waren die Ausfuhren auf rund eine Million Barrel pro Tag mehr als halbiert worden. Der Iran will auch seine verlorenen Marktanteile in Asien zurückgewinnen. In die Region könnte rund die Hälfte des iranischen Öls geliefert werden.

Bijan Namdar Zanganeh: „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Bijan Namdar Zanganeh

Premium „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Irans Ölminister spricht im Interview mit dem Handelsblatt über die Chancen von Westkonzernen im Land, das erwartete Ende der Sanktionen und die Gründe, warum Europa nicht vom persischen Gasboom profitiert.

Experten bezweifeln aber, dass der Iran so schnell seine Ausfuhren erhöhen kann – unter anderem sieht das auch Commerzbank-Analyst Weinberg so. Die Investmentbank Goldman Sachs hat vor der Einigung erwartet, dass es sechs bis zwölf Monate dauere, um die Produktion alleine um 500.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. „Der iranische Energiesektor wurde durch jahrelange Sanktionen teilweise zerstört und ist, weil vieles dichtgemacht wurde,  nicht in der Lage für einen Neustart “, meint auch Harry Tchilinguirian, Energieexperte von BNP Paribas.

Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur hat Iran aber rund 17 Millionen Barrel Rohöl in Tankern auf See gelagert, die sofort verkauft werden könnten. Weitere 22 Millionen Barrel eines speziellen Leichtöls stünden ebenfalls auf Tankern bereit.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Otto

14.07.2015, 13:31 Uhr

Mit großer Freude darf ich dieses historische Ereignis zu Kenntnis nehmen.

Wieder einmal ist es auf die deutsche Beteiligung zurück zu führen, dass ein Staat, der schon seit 300 Jahren keinen Krieg mehr begonnen hat, endlich freien Zugang zur "westlichen" Welt bekommt.

Herr Vitto Queri

14.07.2015, 13:31 Uhr

>> Für Verbraucher eine gute Nachricht >>

Nicht aber für die Verbraucher der Holzwährung € !

Das was auf dem Rohölmarkt billiger wird, frißt der Gammel-€ wieder auf !

$-sei Dank !

Herr Marc Otto

14.07.2015, 13:32 Uhr

oh Gott, was haben sie nur für eine miese Sichtweise.
Pfui

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×