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05.01.2012

14:55 Uhr

Embargo gegen Iran

Ölmarkt bereitet sich auf Engpässe vor

VonAnnika Williamson

Am Ölmarkt wird schon eine handfeste Krise eingepreist: In zwei Tagen ist der Preis um über sechs Prozent gestiegen. Doch Europa und die USA lassen nicht von ihren Plänen ab, Iran einen Denkzettel zu verpassen.

Der Ölpreis steigt mit der Gefahr, dass sich der Irankonflikt ausweitet. dapd

Der Ölpreis steigt mit der Gefahr, dass sich der Irankonflikt ausweitet.

DüsseldorfDas mögliche Ölembargo der Euro-Zone gegen Iran hat den Preis für die Rohölsorte Brent steil nach oben getrieben. Am Donnerstag lag der Preis bei fast 115 US-Dollar, nachdem er innerhalb von zwei Tagen 6,3 Prozent zugelegt hatte. Die Euro-Zone erhält täglich 450.000 Barrel Öl aus Iran und ist damit nach China der zweitgrößte Abnehmer.

Aus Iran soll alles so klingen, als wäre ein Embargo einzig und allein ein Problem für die Euro-Zone: „Wir könnten ganz einfach Ersatz für diese Kunden finden“, sagte S. M. Kamsari, internationaler Direktor der Nationalen Ölfirma des Irans. So könnte der Iran einen Großteil des Öls statt nach Europa an Staaten in Asien und Afrika verkaufen. Zudem gebe es die Möglichkeit, Rohöl für eine bestimmte Zeit auf Tankern zwischenzulagern.

Der europäische Protest gegen das iranische Nuklearprogramm könnte außerdem dazu führen, dass Iran die Meerenge von Hormus zum Persischen Golf und damit eine der weltweit wichtigsten Ölhandelsrouten blockiert. Etwa 20 Prozent der weltweiten Öltransporte werden dort verschifft. Laut einer Einschätzung der französischen Société Générale könnte der Ölpreis durch ein Embargo auf 125 Dollar steigen. Erst Mitte Dezember notierte der Ölpreis noch unter 104 Dollar. Auch die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ist seit langem im Aufwind und hat sich seit Mitte Dezember um knapp zehn Dollar auf 102,93 Dollar verteuert.

Irans größte Ölabnehmer

China

China kaufte im ersten Halbjahr 2011 22 Prozent des iranischen Öls auf - will allerdings weg von der großen Abhängigkeit von Iran. Stattdessen wird unter anderem Saudi Arabien zu einem immer wichtigeren Lieferanten. Schon als der Iran-Konflikt im vergangenen Herbst brodelte, drosselte China seine Investitionen in die örtliche Öl- und Gasindustrie.

EU

Die EU nimmt dem Iran 18 Prozent seiner Ölvorräte ab. Aus EU-Sicht ist diese Menge allerdings nicht allzu groß: Im ersten Quartal 2011 importierten die 27 EU-Staaten insgesamt 896 Millionen Barrel Rohöl. Davon kamen 4,4 Prozent aus dem Iran.

Japan

14 Prozent seines Öls liefert Iran an Japan, den drittgrößten Ölverbraucher der Welt.

Indien

Iran exportiert 13 Prozent seiner Ölproduktion an Indien - doch auch in diesem Geschäftsverhältnis hat es in den vergangenen Monaten gekriselt, als Indien mit Zahlungen für geliefertes Öl in Verzug geriet.

Südkorea

Zehn Prozent seiner Ölproduktion liefert Iran an Südkorea. Das sind gleichzeitig auch zehn Prozent des südkoreanischen Bedarfs. Das Land halte Ausschau nach alternativen Lieferanten, berichten Experten.

Türkei

Sieben Prozent des iranischen Öls gehen an die Türkei. Diese ist damit besonders von den Lieferungen aus dem Nachbarland abhängig: Die Türkei bezieht 30 Prozent ihres Ölbedarfs aus Iran.

Trotzdem sind sich die westlichen Industrieländer in ihren Sanktionen einig. Die USA begrüßten die Entscheidung der EU als Mittel, um den wirtschaftlichen Druck auf die Regierung in Teheran zu erhöhen. Die Regierung in Washington hatte erst vor wenigen Tagen Finanzsanktionen in Kraft gesetzt.

Auch Italien ist nach den Worten von Ministerpräsident Mario Monti grundsätzlich bereit, das Embargo mitzutragen. Allerdings müsste es schrittweise umgesetzt werden und Lieferungen ausnehmen, mit denen der Iran Schulden beim italienischen Energieversorger ENI bezahlen soll. Innerhalb der EU zählen Italien, Spanien und Griechenland zu den größten Abnehmern iranischen Öls. Griechenland hat vor zwei Tagen dem Embargo ebenfalls zugestimmt.

Starke Preissteigerungen dürften zumindest vom aktuellen Stand in der europäischen Schuldenkrise abgefedert werden. Laut dem griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos drohe bereits im März eine Staatspleite, falls weitere Reformen nicht umgesetzt und die Einkommen weiter sinken würden. In dem Fall wäre mit einem Knick in der Konjunktur und sinkender Nachfrage nach Öl aus der Eurozone zu rechnen.

"Was wir derzeit sehen, ist ein Konflikt zwischen zwei gegenläufigen Kräften, die auf den  Ölpreis einwirken", erklärte der leitende Rohstoffanalyst Ric Deverell von der Credit Suisse zur Schuldenkrise und der Situation im Iran. Der Ölmarkt  bleibe daher ausgeprägt volatil, was noch für einige Zeit anhalten werde, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Kommentare (29)

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Ehga

05.01.2012, 14:12 Uhr

Meint der Author Euro-zone oder EU? Erstere macht in diesem Zusammenhang keinen Sinn.

Peer

05.01.2012, 14:16 Uhr

Vor dem Militärschlag kommt die Zersetzung des Iran
In vielerlei Hinsicht hat der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran schon begonnen. Es ist nicht der Krieg, den man erwartete – eine schnelle und überraschende Attacke der Israelis auf die iranischen Nuklearanlagen gefolgt von einer US- und NATO-Bombenkampagne – sondern ein verdeckter Krieg mit ungewöhnlichen Mitteln. Der verdeckte Krieg zeigt sich nicht nur in den eskalierenden Drohneneinsätze der Amerikaner über iranischem Gebiet und in den Explosionen in iranischen Militäreinrichtungen, sondern auch in den von Amerika unterstützten Destabilisierungs- und Zersetzungsaktionen gegen die Alliierten und Freunde des Iran, einschließlich Syrien, Russland, China, Nordkorea und Venezuela

Fat_Bob_ger

05.01.2012, 14:33 Uhr

"sondern auch in den von Amerika unterstützten Destabilisierungs- und Zersetzungsaktionen gegen die Alliierten und Freunde des Iran, einschließlich Syrien, Russland, China, Nordkorea und Venezuela"

Ja, wir erkennen sofort, dass alle lupenreine Demokraten sind und nur das Beste für die Welt wollen. Die Bewohner der EX DDR (in vulgo OSSIS), die vor 1989 schon über 30 Jahre alt waren, errinnern sich bestimmt noch ganz gut an die Fürsorge durch den großen Bruder. "Von der Sovietunion lernen, heißt siegen lernen".

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