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10.04.2013

16:22 Uhr

Ende der Rally

Goldman sieht Goldpreis unter 1400 Dollar

Seit Anfang des Jahres fällt der Goldpreis. Und plötzlich wollen alle Analysten gewusst haben, dass der Gold-Boom ohnehin nichts weiter als eine Blase war. Das neueste Gold-Bashing kommt von Goldman Sachs.

Gold steht - nach Meinung von Analysten - vor einem massiven Wertverfall. dpa

Gold steht - nach Meinung von Analysten - vor einem massiven Wertverfall.

Nach einer zwölfjährigen Rally beschleunigt sich der Trendwechsel im Goldpreis-Zyklus. Das schreiben die Analysten Damien Courvalin und Jeffrey Currie von Goldman Sachs in einer Studie am Mittwoch. Dies sei vor dem Hintergrund der wieder aufgeflammten Schuldenkrise in der Euro-Zone und den enttäuschenden US-Konjunkturdaten der jüngsten Zeit umso erstaunlicher.

„Trotz eines Wiederauflebens der Risikoaversion in der Eurozone und enttäuschender US-Daten sind die Goldpreise im letzten Monat unverändert geblieben. Das illustriert, wie schnell die Überzeugung für das Halten von Gold schwindet“, schrieben die Goldman Sachs-Analysten. „Steigende Inflation könnte der Katalysator für den nächsten Goldzyklus sein, doch dieser ist wohl noch mehrere Jahre entfernt.“

Die Bank senkt ihr Drei-Monats-Ziel für das Edelmetall von 1615 auf 1530 Dollar, für sechs Monate von 1600 auf 1490 Dollar und für zwölf Monate von 1550 auf 1390 Dollar.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Gold hat seit Jahresbeginn knapp sechs Prozent an Wert eingebüßt, weil Marktteilnehmer spekulieren, dass die Fed angesichts einer Konjunkturerholung ihre Stimuli zurückfahren könnte. Der Goldpreis befinde sich im „Blasen-Bereich“, schrieb die Societe Generale in einer Studie am 2. April. Anlagen im SPDR Gold Trust, dem größten börsengehandelten goldgedeckten Fonds, sind am Dienstag auf 1200 Tonnen zurückgegangen, den tiefsten Stand seit Juni 2011. Die Deutsche Bank senkte am Dienstag ihre Goldprognose um zwölf Prozent und verwies auf den erstarkenden Dollar und den Mangel an Interesse an „sicheren Häfen“.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Auch der US-Investor George Soros sieht den Ruf von Gold als sicherer Anlagehafen beschädigt, rechnet aber dennoch nicht mit einem Preisverfall. „Die Zentralbanken werden weiterhin kaufen, deshalb gehe ich nicht davon aus, dass der Preis sinkt“, sagte Soros vor wenigen Tagen der „China Morning Post“. Der Nimbus von Gold als sichere Wertanlage sei aber in der Schuldenkrise „zerstört“ worden. Als der Euro im vergangenen Jahr an den Rand des Zusammenbruchs geraten sei, hätten sich viele Investoren aus Mangel an anderen lukrativen Verkaufsmöglichkeiten auch von Gold getrennt. Der Kurs habe sich daher nicht wie erhofft entwickelt. „Wegen der Enttäuschung darüber haben die meisten Leute ihre Bestände reduziert“, sagte Soros.

„Ultimative Blase“: Gold kein sicherer Anlagehafen mehr

„Ultimative Blase“

Gold kein sicherer Anlagehafen mehr

US-Großinvestor George Soros sieht ein Imageproblem für Gold als sichere Anlage. Bereits 2011 hatte Soros Gold als die „ultimative Blase“ bezeichnet. Im März haben Anleger neun Milliarden Dollar aus Gold abgezogen.

Kommentare (38)

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Account gelöscht!

10.04.2013, 16:44 Uhr

Es ist und bleibt so: Die die es gewußt haben, haben nie darüber gesprochen und tun es auch jetzt nicht. Wer redet weiß nicht.

Gaffel

10.04.2013, 16:50 Uhr

@ rolin
Und wer auf das Gerede von Spekulanten a la Goldman oder Soros hört, hat nicht verstanden, was sie damit bezwecken.

Privatier

10.04.2013, 16:58 Uhr

Gold ist ein erstklassiger Sachwert. Er unterliegt keiner Alterung wie z.B Gemälde oder Oldtimer. auch braucht er keine besondere Pflege oder Erhaltungsaufwand wie Immobilien.
Im Vergleich zu Aktien kann er nicht pleite gehen. Ein kg ist immer ein kg. Die Aktie im Zweifel, nur ein Stück Papier.
Aber über Eines sollt man sich doch im Klaren sein: ich gehe i.d.R. nicht mit einem Sachwert einkaufen, sondern immer mit der gerade gültigen Währung. Ausnahme nach einem Krieg in der Übergangszeit. Und wie viel "Währung" ich für meinen Sachwert bekomme, unterliegt einer großen Schwankung. Wenn man also meint, die Kaufkraft seines Geldes zu erhalten, indem man alles in Gold anlegt, kann ganz schnell auf dem falschen Fuß erwischt werden.

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