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13.06.2017

19:30 Uhr

Energiemärkte im Wandel

Der lange Weg nach Paris

VonMatthias Streit

Um die Pariser Klimaziele zu erfüllen, muss der Energieverbrauch drastisch umgestellt werden. Der Wandel sei auf dem Weg, konstatieren jüngste Analysen. Fossile Brennstoffe werden dennoch nicht so schnell verschwinden.

Keine Energiequelle wächst so rasant wie die Erneuerbaren. Dennoch beträgt ihr Anteil am globalen Energiemix weiterhin nur vier Prozent. dpa

Aufschwung der Erneuerbaren

Keine Energiequelle wächst so rasant wie die Erneuerbaren. Dennoch beträgt ihr Anteil am globalen Energiemix weiterhin nur vier Prozent.

FrankfurtDie Herausforderung ist immens: Im Jahr 2050 werden 9,7 Milliarden Menschen die Welt bevölkern, knapp 2,2 Milliarden mehr als heute, schätzen die Vereinten Nationen. Die Mittelschicht wird wachsen und mit ihr der Hunger nach Autos, Konsumgütern und damit nach Energie. Trotzdem haben sich 195 Länder verpflichtet, die Klimaerwärmung bis 2100 unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten. Ein Mega-Konzept, das nur aufgehen kann, wenn die Welt ihren Energieverbrauch massiv verändert – weniger fossile, mehr erneuerbare Brennstoffe. Da sind sich Experten einig.

Die heute veröffentlichte Studie BP Statistical Review of World Energy bescheinigt immerhin: Der Wandel ist auf einem guten Weg. Im vergangenen Jahr sei der Energiebedarf der Welt bereits zum dritten Mal infolge nur um rund ein Prozent gestiegen. Das entspreche nur etwa der Hälfte des zehnjährigen Durchschnitts. Ähnlich positiv sei auch, dass der CO2-Ausstoß bereits zum dritten Jahr in Folge stagniere.

Eindeutig geht aus der Studie auch hervor, woher künftig mit Wachstum zu rechnen ist: Asien. Während der Verbrauch in den Industrieländern der OECD stagnierte, machten allein China und Indien die Hälfte des weltweiten Wachstums im vergangen Jahr aus.

Sicher, sauber und bezahlbar: So soll die Energiewende aussehen

Drei Ziele

Die Energiewende wurde 2011 nach der Atomkatastrophe von Fukushima ausgerufen. Die drei Ziele: sicher, sauber, bezahlbar.

Atomausstieg

Acht Atomkraftwerke wurden sofort stillgelegt, im Sommer 2015 folgte das bayerische AKW Grafenrheinfeld. Die letzten Meiler sollen 2022 vom Netz gehen.

Ökostrom

Der Ökostrom-Anteil an der Versorgung soll 2025 bis zu 45 Prozent betragen.

Klimaschutz

Der Treibhausgasausstoß soll bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken, bis 2050 sogar um 80-95 Prozent. Erreicht wurden bis 2014 aber nur 27,7 Prozent Minderung.

Netze

Windstrom muss vom Norden in den Süden, aber oberirdische Hochspannungsleitungen sind bei Anwohnern unbeliebt. Wenn die Netze überlastet sind, müssen die Verbraucher für den Ausfall der Produktion aufkommen – der Netzausbau ist deshalb ein Zankapfel.
(Quelle: dpa)

Seit 66 Jahren gibt der vermeintlich parteiische britische Ölkonzern BP seine Studie heraus. Der Report genießt weltweit Beachtung und Renommee für seine objektiven Analysen.

Einmal mehr wuchs im vergangenen Jahr keine Energieform so stark wie die Erneuerbaren Energien, die um zwölf Prozent zulegten. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Windkraft, ein weiteres Drittel aus Solar. „Die Erneuerbaren sind das leitende Licht des Energiewandels“, sagte der Chefökonom von BP, Spencer Dale, bei der Vorstellung des Berichts in London. Und auch hier ist eine Trendwende zu erkennen: Im vergangenen Jahr hat China erstmals die USA als größten Produzenten von erneuerbaren Energien abgelöst. Doch die Wachstumszahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Erneuerbare am globalen Energiemix nach wie vor eine untergeordnete Rolle spielen: Sie machen gerade einmal vier Prozent aus. So warnt Dale davor, in Euphorie zu verfallen: „Vor uns liegt noch ein langer Weg, bis wir die Ziele von Paris erreichen.“

Allein in den nächsten zwanzig Jahren würden zwei Milliarden Menschen von niedrigen Einkommen in die Klasse mittlerer Einkommen aufsteigen, erklärt Dale. Um den Energiebedarf weiter niedrig zu halten, müsse die Effizienz deutlich zunehmen.
Bereits in der vergangenen Woche setzte die Internationale Energieagentur (IEA) ein klares Signal, wohin die Reise gehen muss: Theoretisch könnten die Emissionen schon bis 2060 auf null zurückgefahren werden – gesetzt der Fall, die technischen Möglichkeiten würden bis aufs Äußerste ausgereizt.

Kommentare (5)

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Herr Peter Spiegel

13.06.2017, 19:58 Uhr

Rückständige Länder, etwa Deutschland, verstromen Kohle, fortschittliche wie die USA haben schon lange auf Gas umgestellt.

Herr Holger Narrog

14.06.2017, 08:18 Uhr

Hallo Herr Spiegel...der Grund das in den USA die Erdgasverstromung stark zugenommen hat ist der Boom des Frackings und ein zusammengebrochener Erdgaspreis. Dennoch wird in den USA auch ein sehr erheblicher Teil des Stroms aus Kohle und umweltfreundlicher Kernenergie gewonnen.

Für Deutschland stellt sich die Situation anders dar. Erdgas ist in der Verstromung etwa doppelt so teuer wie importierte Steinkohle und diese wiederum teurer als Braunkohle. Beim Erdgasbezug ist Deutschland politisch sehr abhängig von Russland. Des weiteren haben wir noch ein paar umweltfreundliche Kernkraftwerke am Netz.

Wenn man in Deutschland aus dem ökoreligiösen Visionen/Delirium erwachen würde, würde es sich anbieten die stillgelegten mordernen, umweltfreundlichen Kernkraftwerke solange noch möglich durch Gesetzesänderunge wieder ans Netz zu bringen, die Braunkohle und Steinkohle auszubauen.

Herr Holger Narrog

14.06.2017, 08:33 Uhr

Die Weltuntergangssaga des "Klimawandel" beruht auf einer sehr dürftigen ursprünglich wissenschaftlichen Hypothese die durch grüne NGO, Politik und Qualitätsmedien wie eine Religion in vielen Ländern verbreitet wird.

Das Pariser Klimaabkommen ist unverbindlich. Die Staaten haben sich unterschiedlich "strenge" Ziele gegeben. Westeuropa würde bei einer Erfüllung seiner Ziele deindustrialisieren und verarmen. China hat sich das Ziel gegeben 2030 den Höhepunkt seiner CO2 Emissionen zu erreichen, was bei der wirtschafltichen Umorientierung von Grundstoffindustrien auf eine Dienstleistungsgesellschaft nicht schwierig sein sollte. Indien möchte die Kohlenutzung vervielfachen. Viele Staaten Afrikas konzentrieren sich auf die seitens Westeuropas versprochenen Gelder.

Sogenannte "Erneuerbare Energien", gemeint sind wohl umweltschädliche Solaranlagen und Windmühlen sind in anderen Staaten so nutzlos und wertlos wie der Strom aus solchen im Deutschen Netz. Der Bau solcher Anlagen beruht demzufolge auf Subventionen und Regulierungen. Deutschland und andere europäische Staaten subventionieren den Bau solcher Anlagen in Schwellen und Entwicklungsländern mit CDM Zertifikaten, oder direkten Zuschüssen (schade um das Geld!).

Insgesamt beruht dieser Ökoschwindel nach dem Ausscheiden der USA in erster Linie auf dem Geld Westeuropas und davon wiederum zu einem gutem Teil auf Deutschem Geld. Am Deutschen Wesen (Glauben) soll die Welt genesen.


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