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11.06.2013

15:30 Uhr

Enttäuschung über Bank of Japan

Anleger setzen wieder auf den Yen

Durch den regen Geldfluss aus Tokio sind bisher die Aktienkurse gestiegen, der Yen aber hat gelitten. Nun, da die japanische Notenbank sich gegen weitere Maßnahmen entschieden hat, könnte sich das umkehren.

Fußgänger vor einer Börsentafel in Japan: Der Yen legt wieder zu. Reuters

Fußgänger vor einer Börsentafel in Japan: Der Yen legt wieder zu.

FrankfurtDer Yen hat am Dienstag von der Enttäuschung vieler Anleger über den geldpolitischen Kurs der Bank of Japan (BoJ) profitiert. Der Dollar fiel auf 96,47 Yen von 98,76 Yen am Vorabend, der Euro auf 128,12 Yen von 130,91 Yen. "Wir sind in einer Korrekturphase", erklärte ein Händler.

Bisher hätten alle auf einen fast unbegrenzten Geldfluss aus Tokio gesetzt, was sich in steigenden Aktienkursen und einem schwachen Yen manifestiert hatte. "Jetzt denken die Leute wieder um, so dass die Aktien fallen und der Yen aufholt." Die japanische Notenbank hatte sich gegen eine weitere Aufstockung ihrer ohnehin schon ultralockeren Geldpolitik entschieden.

Viele Anleger hatten erwartet, die Notenbank könnte als Maßnahme gegen die steigenden Renditen am Rentenmarkt die Laufzeit bestimmter für die Banken günstiger Refinanzierungsgeschäfte verlängern. Das hätte von den Geldhäusern Druck genommen, Anleihen aus Bilanzgründen zu verkaufen.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Zugleich ließ die Notenbank ihr Anfang April begonnenes Anleihekaufprogramm unverändert. Doch vielen Anlegern reichte das nicht. Der Dollar konnte damit nicht mehr von Spekulationen profitieren, die US-Notenbank Fed könnte bald ihre Wertpapierkäufe drosseln und damit die Geldnotenpresse langsamer rotieren lassen.

Der Euro präsentierte sich zur US-Währung mit 1,3250 Dollar auf dem Vortagesniveau. Der Beginn der Verhandlung über die Anti-Krisenmaßnahmen der EZB vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht bremste einem Händler zufolge Euro-Käufe etwas.

Von

rtr

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