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28.11.2016

09:47 Uhr

Erdölobergrenze

Opec kämpft um gemeinsame Position

Das Ringen um Förderquoten beim Erdöl geht in die nächste Runde. Obwohl grundsätzlich Einigkeit herrscht, die Fördermenge zu begrenzen, gibt es Streit bei den Quoten. Bei einem Treffen sollen die Pläne konkret werden.

Obwohl sich die Opec-Staaten vor einigen Wochen zu einer Begrenzung der Fördermenge von Erdöl durchgerungen haben, herrscht bei der konkreten Umsetzung noch Redebedarf. Ein Treffen der Opec-Minister soll nun Klarheit darüber bringen, wie der Beschluss praktisch umgesetzt werden könnte. Auch mit Russland strebt man einen Einigung in Sachen Fördergrenze an. Reuters

Gesprächsbedarf

Obwohl sich die Opec-Staaten vor einigen Wochen zu einer Begrenzung der Fördermenge von Erdöl durchgerungen haben, herrscht bei der konkreten Umsetzung noch Redebedarf. Ein Treffen der Opec-Minister soll nun Klarheit darüber bringen, wie der Beschluss praktisch umgesetzt werden könnte. Auch mit Russland strebt man einen Einigung in Sachen Fördergrenze an.

Frankfurt/WienDie Organisation erdölexportierender Länder (Opec) steht nach monatelangen Verhandlungen über eine Kürzung der Fördermenge erneut vor einer Zerreißprobe. Beim Treffen von Mitgliedern des Ölkartells am Mittwoch (30. November) in Wien dreht sich alles um eine Frage: Wie kann die zuletzt im September grundsätzlich beschlossene Förderbegrenzung tatsächlich umgesetzt werden?

Immer wieder hatten unterschiedliche Positionen einzelner Mitgliedstaaten eine Eindämmung der Ölmenge behindert. Zuletzt gab es allerdings Signale, die doch noch eine Übereinkunft erwarten lassen.

Erschwert wurden die Verhandlungen in den vergangenen Monaten dadurch, dass die Opec wichtige Förderländer außerhalb des Kartells in die Kürzung einbinden will – vor allem Russland. Nur wenn die Förderstaaten an einem Strang ziehen, könnte eine beschlossene Begrenzung der Menge auch zum gewünschten Anstieg der Preise führen.

Wie sich die Opec-Einigung für Verbraucher auswirkt

Wie reagiert der Markt auf die Einigung der Opec-Länder?

Dieser Schritt war nicht erwartet worden und führte zunächst zu einem raschen Anstieg der Ölpreise um mehr als zwei Dollar. Am Donnerstag waren für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent rund 48 Dollar zu bezahlen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig und entspricht dem Durchschnittspreis im laufenden Jahr. Vor einem Jahr war der Ölpreis ungefähr gleich hoch. Im Januar und Februar war er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar gestürzt, hatte sich aber anschließend wieder erholt.

Quelle: dpa

Wird Heizöl nach dem Opec-Beschluss nun teurer?

Kaum. Auch der Preis für Heizöl ging am Donnerstag zwar vorerst in die Höhe, gegenwärtig sind im bundesweiten Durchschnitt 51 Euro für 100 Liter zu bezahlen (inklusive Mehrwertsteuer). Das war aber schon mal günstiger, als der Heizöl-Preis im Januar und Februar kurz unter 40 Euro gefallen war. Eigenheimbesitzer und Mieter können sich derzeit nicht beklagen, wenn sie mit Heizöl heizen. Zuletzt waren die Preise 2009 auf einem vergleichbaren Niveau, seitdem meistens viel höher. Vor einem Jahr war Heizöl ungefähr 5 Euro teurer. Zwischen 2011 und 2014 mussten die Kunden noch mehr als 80 Euro bezahlen, in der Spitze mehr als 96 Euro.

Und wie sieht es beim Benzin aus?

Der aktuelle Preis für Diesel liegt bei 1,08 Euro je Liter, für Superbenzin E10 sind im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,28 Euro zu bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise um zwei bis drei Cent höher. Damit sind die Kraftstoffpreise auf Jahressicht relativ stabil. Sie schwanken jedoch nach wie vor sehr stark nach Tageszeiten und sind auch regional verschieden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte heizen nicht mit Öl, sondern mit Gas. Haben sie mit Auswirkungen zu rechnen?

Die Öl- und Gasmärkte haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend entkoppelt. Während der Preis für Heizöl in den vergangenen beiden Jahren um rund 40 Prozent zurückging, betrug der Rückgang beim Gas nicht einmal 10 Prozent. Die Gasversorger mussten zwar bei der Beschaffung im Großhandel weniger für das Gas bezahlen, die Börsenpreise sanken zwischen Juli 2014 und Juli 2016 um mehr als ein Fünftel. Die Unternehmen hatten aber zum Teil auch höhere Leitungskosten zu verkraften. Für den Herbst haben viele Versorger Preissenkungen angekündigt, im Schnitt nach Angaben des Internet-Portals Verivox um rund 7 Prozent.

Dann wird die nächste Heizsaison also günstiger als die vergangene?

So war es in den vergangenen beiden Jahren. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie sind insgesamt rückläufig. In den Jahren 2012 und 2013 musste ein Durchschnittshaushalt jeweils 257 Euro pro Monat für Energie ausgeben; darin sind Strom, Gas oder Öl und Kraftstoffe enthalten. Im Jahr 2014 waren es nur noch 245 Euro und im Jahr 2015, für das noch keine offiziellen Daten vorliegen, war der Trend weiter rückläufig. Ob das Heizen in diesem Winter günstiger wird als im vorigen, hängt jedoch nicht nur von den Preisen ab - sondern auch vom Wetter. Wird der Winter kalt, dann wird es teuer.

Am Ölmarkt verstärkten sich zuletzt Spekulationen auf eine Einigung beim Opec-Treffen, und die Preise für US-Öl und Rohöl aus der Nordsee konnten sich wieder der Marke von 50 Dollar je Barrel (159 Liter) nähern. Zuvor waren sie wegen eines zu hohen Angebots auf dem Weltmarkt zeitweise bis unter 30 Dollar gefallen.

Im September hatte die Opec für viele Experten überraschend einen wichtigen Schritt hin zu einer Förderkürzung gemacht. Sie beschloss grundsätzlich eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel, nach zuletzt geschätzten 33,6 Millionen Barrel pro Tag im Oktober.

Opec: Die Öl-Wette läuft

Opec

Die Öl-Wette läuft

In einer Woche will sich die Opec auf eine Förderkürzung einigen. Was Experten wochenlang ausgeschlossen hatten, wird nun zum realistischen Szenario. Die Preise steigen. Dabei sind die Auswirkungen mehr als fraglich.

Seit der grundsätzlichen Einigung, die vor allem von Saudi-Arabien vorangetrieben wurde, ringen die Ölstaaten um die praktische Umsetzung. Tatsache ist aber auch, dass Opec-Länder seit dem September ihre Fördermenge weiter erhöht haben. Ohnehin steigt die Produktion seit längerem von einem Rekord zum nächsten.

Eine der größten Hürden für eine Förderkürzung sehen Experten in der Haltung des Opec-Landes Iran. Nach der Aufhebung von Sanktionen nach dem historischen Atomabkommen hat der Ölstaat am Persischen Golf ein starkes Bestreben, die Menge eher auszuweiten. Der Irak zählt ebenfalls grundsätzlich zu den Gegnern einer Kürzung, unlängst hat das Land ein Einlenken signalisiert.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank ist in die Diskussion zuletzt Bewegung gekommen. Bei einem Treffen in Doha (Katar) soll dem Iran angeboten worden sein, seine Produktion bei 3,92 Millionen Barrel pro Tag konstant zu halten. Dies wäre etwa die Fördermenge, die der Iran zuletzt mehrfach gefordert hatte.

Opec: Kartell ohne Konsens

Opec

Premium Kartell ohne Konsens

Um die Glaubwürdigkeit der Opec ist es nicht erst seit dem Ölpreisverfall enorm schlecht bestellt. Wenn sie tatsächlich höhere Preise durchsetzen will, braucht es Partner von außen. Zum Beispiel Russland. Eine Analyse.

Vom russischen Ölminister Alexander Nowak gab es mit Blick auf eine mögliche Einigung eher zurückhaltende Signale. Wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung sagte er, dass bereits eine Deckelung der Fördermenge für Russland eine „schwierige Situation“ bedeuten würde. Dies hätte zur Folge, dass Russland im kommenden Jahr 200.000 bis 300.000 Barrel Rohöl weniger als geplant an die Oberfläche fördern würde.

Unmittelbar vor dem Treffen der Opec-Minister soll am Montag (28. November) ein weiterer Einigungsversuch unternommen werden. Geplant sind Gespräche auf Arbeitsebene in Wien. Außerdem soll es noch am Tag des entscheidenden Treffens am 30. November nach Informationen der Agentur Bloomberg ein Frühstück der Opec-Ölminister mit Vertretern anderer Förderländer wie Russland geben. Auch dieses Treffen soll dazu dienen, letzte Hürden vor einer Verständigung zu beseitigen.

Von

dpa

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