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10.12.2014

18:37 Uhr

Erstmals seit fünf Jahren

Brent-Öl fällt unter die 65-Dollar-Marke

In den USA sind die Vorräte an Rohöl deutlich gestiegen. Das beschleunigt die Talfahrt der Preise, was wiederum negativ für Gold ist. Brent-Rohöl fiel erstmals seit über fünf Jahren unter die 65-Dollar-Marke.

Navidi zu Folgen des Ölpreises

Niedriger Ölpreis kann politische Krisen hervorrufen

Navidi zu Folgen des Ölpreises: Niedriger Ölpreis kann politische Krisen hervorrufen

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Frankfurt, New YorkDie Ölpreise haben am Mittwoch erneut deutlich nachgegeben. Nach Veröffentlichung der US- Lagerbestandsdaten beschleunigte sich die Talfahrt. Brent-Rohöl fiel erstmals seit über fünf Jahren unter die Marke von 65 Dollar je Barrel. In diesem Jahr sind die Ölpreise bereits um mehr als 40 Prozent gesunken.

In den USA sind die Vorräte an Rohöl in der vergangenen Woche um 1,45 Mio. Barrel gestiegen, wie das Energieministerium am Nachmittag europäischer Zeit mitteilte. Analysten hatten in einer Bloomberg-Umfrage hingegen einen Rückgang um 2,7 Mio. Barrel erwartet. „Alles deutet darauf hin, dass die Preise weiter in den Keller gehen“, sagte ein Händler. Zwar seien niedrigere Energiekosten durchaus positiv für die Wirtschaft. Doch beunruhige das Tempo des Preisverfalls.

Auslöser des jüngsten Preissturzes waren neue Daten vom US-Ölmarkt, die einen überraschend starken Anstieg der Lagerbestände in der vergangenen Woche zeigten. Die für die Finanzmärkte richtungsweisende Öl-Sorte Brent verbilligte sich in der Spitze um 4,9 Prozent auf 63,56 Dollar je Barrel (159 Liter), US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 60,43 Dollar 5,3 Prozent weniger. Beide Sorten sind damit so günstig wie im Zuge der Finanzkrise im Sommer 2009.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Wegen des Schieferölbooms in Nordamerika ist mehr Öl auf dem Markt, als die Welt angesichts der mauen Konjunkturentwicklung braucht. So geht die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) für das nächste Jahr von einem weltweit geringeren Ölverbrauch aus als bislang. Die Nachfrage nach Opec-Öl werde auch deutlich unter den derzeitigen Fördermengen liegen.

Zusätzliche Belastungen für die Ölpreise gingen von Äußerungen aus dem iranischen Ölministerium aus. Sollte die OPEC weiterhin unsolidarisch agieren, sei ein Abrutschen des Ölpreises auf 40 Dollar je Barrel möglich, hieß es.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

11.12.2014, 07:41 Uhr

Wohin geht das ganze gedruckte Geld?

Offensichtlich im wesentlichen in NICHT-innovative Bereiche wie Immobilien und andere vergleichbare Assets.

Ergebnis: Es macht die Superreichen noch reicher, die Armen bleiben natürlich arm, und die Mittelschicht wird in die Armut getrieben!

Edi Haas

11.12.2014, 08:33 Uhr

"Ergebnis: Es macht die Superreichen noch reicher, die Armen bleiben natürlich arm, und die Mittelschicht wird in die Armut getrieben!"

Kurz nach dem morgendlichen Zähneputzen ist das doch mal eine Aussage und musste als Kommentar festgehalten werden!

Herr Peter Noack

11.12.2014, 09:06 Uhr

Der Ölpreis fällt unter 60 Dollar pro Fass in der nächsten Woche, oder? Fällt der bis zum ersten Handelstag des neuen Jahres am 2. Januar, schon unter 50 Dollar pro Barrel? Wann wird er wieder bei 10 Dollar ankommen, wie 1999? Da können ja die großen Ölmultis vor lachen kaum gehen. Deren Gewinne steigen unermesslich, oder? Die verlieren doch nicht etwa auch? Wie werden die Gewinnprognosen aussehen, wenn der Ölverbrauch der Menschheit, trotz 3,3 Prozent Wachstum der Weltwirtschaft, weiter sinkt? Verteilt sich der Gewinn pro Fass auf jedes einzelne Fass der Förderung oder wird der ganze Gewinn mit den letzten verkauften Fässern erzielt, wenn sich die Kosten wieder eingenommen wurden? Ich vergaß: Die Betriebswirtschaft hat mit der VWL überhaupt nichts zu tun, oder?

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